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Gerichtsreportagen


Börsenmanipulation: Geschäfte mit Luft


von von Barbara Keller

24.3.2011, 19. gr. SK
Nach einer weiteren Erklärung des Angeklagten Börsenmanagers Markus Frick, vorgetragen durch seinen Verteidiger Dr. Daniel Krause, werden offenbar einige der angeklagten Anklagepunkte entfallen. ('berlinkriminell.de' berichtete) Dafür hat das Gericht die Verfahrensbeteiligung von GIBO GmbH und SI-Finanz angeordnet, Unternehmen, über die die Deals mit den zur Rede stehenden Aktien abgewickelt worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft betont: die Anklage betrifft nur einen winzigen Teil, der untersucht worden ist. Etwaige dubiose Geschäfte mit fallenden Kursen sind nicht Gegenstand der Anklage, die sich im Wesentlichen auf die Untersuchungen der Finanzaufsicht BaFin stützt.

Am vierten Prozesstag griff Rechtsanwalt Dr. Krause, Verteidiger des Markus Frick, in einer Erklärung 15 der 49 angeklagten Fälle an. Eine strafbare Marktmanipulation hätte es in den genannten Fällen nicht gegeben, begründete der Strafverteidiger, da sich die durch Frick seinerzeit vertriebenen Börsenbriefe nur einer geringen Verbreitung erfreuten. Die Empfehlung hatte, so Dr. Krause, deshalb 'keine Kursrelevanz'.

In anderen Fällen soll Frick die in Rede stehenden Aktien erst nach seinen Empfehlungen erworben haben. So zum Beispiel auch Aktien der StarGold Mines oder RussOil, die Frick laut Dr. Krause erst nach seinen Kaufempfehlungen für die Anleger in sein Depot auf Mauritius aufnahm. Dadurch würde der Angeklagte den Sachverhalt des 'Scalping' eben nicht erfüllen, das als Verstoß gegen das Prinzip, Beteiligungen offenzulegen oder sich derer zu enthalten, auch in den USA geahndet würde.

Markus Frick erklärte zudem, von den Transaktionen, die über sein Depot auf der Steueroase im Indischen Ozean, die AIK Credit PLC und SI Finanz International, abgewickelt wurden, nicht informiert gewesen zu sein. Er habe seinem Steuerberater vertraut. Markus Frick sagt: "Ich kannte mich selbst nicht aus."

Über seine Unterschrift unter eine schließlich nicht zustande gekommene Vereinbarung zwischen dem Finanzdienstleister Copex International, die ihm das Gericht vorhielt, staunte der Börsen-Guru. Ihm war nach eigenem Ermessen weder die Copex noch die SI Finanz ein Begriff, Finanzdienstleister auf Mauritius übrigens, die seine Aktien-Deals vergoldeten und über eine hiesige Münchener Bank laufen ließen. Markus Frick glaubt, im besten Glauben unterschrieben zu haben: "Ich wusste nicht, was da drin steht." Er habe seinem Berater vertraut.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Willnow will nun die in Frage stehenden Fälle noch einmal prüfen und den Plan für die laufende Verhandlung neu koordinieren. Am kommenden Prozesstag, am 31.3., wird das Gericht bekannt geben, welche Anklagepunkte herausfallen und wie mit dem eingefrorenen Vermögen des Angeklagten verfahren wird. Richter Willnow: "Wir gucken uns das alles noch einmal schön an und sehen dann weiter."

Do., 31.3., 9:30, Saal 618, Turmstraße 91


NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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