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Gerichtsreportagen


Kleine Brötchen große Fische

Börsenberater Markus Frick wegen Börsenmanipulation angeklagt

von von Barbara Keller

03.3.2011, 19.gr.Strafkammer
Innerhalb von zehn Jahren hat Börsenberater Markus Frick (38), Autor von "Ich mache Sie reich", "Das Geld liegt auf der Straße", "So macht Geld glücklich" sich an der Börse und bei den Anlegern einen gewissen Ruf erworben. Der durch Frick 2006/2007 beworbene Börsengang von faktisch wertlosen Aktien dreier russischer, angeblich Erdöl fördernder Firmen brachte Tausende von Kleinanlegern um ihre Ersparnisse, das Fass zum Überlaufen und den erfolgreichen Autodidakt vor den Kadi...
Bericht vom 24.3.2011
Bericht vom 31.3.2011
Bericht vom 07.4.2011
Bericht vom 14.4.2011 Urteil!
Update:
Auch Ex-Börsenjornalist (FOCUS) Sascha Opel, ehemaliger Geschäftspartner von Markus Frick, wurde vom LG Stuttgart wegen 'Scalping' lediglich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Obwohl Sacha Opel bereits einschlägig vorbestraft war. (Financial Times Deutschland , 12.10.2012)

Update
:

He did it again. Dieses Mal wurden kleinere Brötchen gebacken und das krumme Ding über Hintermänner abgewickelt. Wieder gibt es diverse Geschädigte und dieses Mal eine Haftstrafe für Markus Frick. Zwei Jahre und sieben Monate verhängte das Frankfurter Landgericht gegen den Wiederholungstäter. (boerse.ARD.de, 28.02.2014

Markus Frick hat die zwei Minuten Blitzlichtgewitter der Pressefotografen, dann die Verlesung der Anklage regungslos, mit fein gefalteten Händen zur Kenntnis genommen. Jetzt fragt der Vorsitzende Richter Willnow ihn: "Das liegt ja schon alles ein paar Jahre her. Möchten Sie etwas dazu sagen?" Nun kommt Bewegung in den Mann. Ein knappes "Ja", gefolgt von kurzem Blätterrascheln, dann geht es zügig durch die schriftlich niedergelegte Erklärung.

"Das habe ich nicht gewollt", beginnt Markus Frick im Ton einer Rechenschaftslegung. "Von der Wertlosigkeit der Aktien hab ich nichts gewusst." Die plötzlichen Kurseinbrüche hätten den Börsen-Guru selbst überrascht. "Ich habe mich mit allen Anlegern geeinigt", sagt Frick. 867 Vergleiche mit Geschädigten schloss er ab. 4,6 Millionen Euro, seine gesamten Ersparnisse, seien für den Ausgleich von Kursverlusten und Anwaltskosten draufgegangen.

Zur eigentlichen Sache gibt es eigentlich nicht viel zu hören. Markus Frick räumt lediglich ein, den Anlegern in einigen Fällen sein "mittelbares Interesse" an den zur Rede stehenden Aktien-Deals nicht angezeigt zu haben. Er sagt: "Ich hielt es nicht für erforderlich." Millionär Gushlag und Igor Lipovetsky, den er angeblich für den Spross eines russischen Ölmagnaten hielt, hätten ihn instrumentalisiert, die Aktien gezielt abschmieren lassen, um RussOil auf den Markt zu bringen.

Russisches Gold

Sie sind ein Fluch für den gelernten Bäcker und Bäckersohn Markus Frick aus Baden-Württemberg. Die Aktien der drei in Russland angesiedelten Firmen namens RussOil, Star Energy und StarGold Mines. Ende 2006 treibt der Börsen-Experte den Preis für die sukzessive an der Börse auftauchenden Aktien in die Höhe. Frick bewirbt sie in seinen Newslettern, als Email versandten Börsenbriefen, seinen Seminaren, in seiner Börsensendung "Make Money" auf N24. Angeblich warten mit ihnen ungeahnte Ölressourcen auf die Investition der Anleger, jetzt für einen Spottpreis verschleudert an der Frankfurter Börse.

Mehr als 20.000 Anleger schlagen zu und kaufen Aktien im Wert von über 760 Millionen Euro. Was zu diesem Zeitpunkt nur einem auserwählten Kreis bekannt ist: RussOil, Star Energy sowie StarGold Mines sind Tiger nicht einmal auf dem Papier. Sondern wertlose, russische Firmen, aufgekauft und aufgepeppt mit einem flotten 'Börsenmmäntelchen' und von einem reichen Kanadier von den Kayman-Inseln sowie dem vermeintlichen Sprössling russischer Ölmultis über windige Promotion-Firmen mit Sitz auf Mauritius und Panama lanciert.

Eigentlich hätte es jeder wissen können und Markus Frick es sogar besser wissen müssen. Denn die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC und die kanadische Finanzaufsichtsbehörde CSA stellen mit www.secinfo.com eine Suchmaschine für börsennotierte Unternehmen zur Verfügung. Bis heute können die Firmendaten der Schrottaktien dort bequem nachgelesen werden. Doch Markus Frick sagt: "Von diesen Vorgängen hatte ich keine Kenntnis."

Schlangenmedizin und Kursprognosen

Stattdessen kaufte er selbst Aktien dieser drei russischen, potentiellen Öllieferanten. Siebeneinhalb Millionen Euro legte Frick in seinem Depot auf der AIK Credit Plc auf Mauritius an. "Ich war überzeugt, dass alle Aktien gute Aktien sind", erklärte Markur Frick. Doch offenbar nicht überzeugt genug. Denn als der Hype auf dem Zenit stand, stieß er die Aktien mit Gewinn wieder ab. Seine Tippnehmer, zumeist Kleinanleger, blieben auf den wertlosen Aktien sitzen.

"Frick gibt diesen 'Unterbelichteten' nur das Verlangte... Früher verkauften derartige Scharlatane 'Schlangenmedizin' heute halt Kursprognosen", schreibt ein Börsianer im Sommer 2008 über seinen Kollegen Frick in einem Forum. Dies vernichtende Urteil über sich und die Zunft fällt zu einem Zeitpunkt, als die Berliner Staatsanwaltschaft bereits gegen Markus Frick ermittelt. Nach einer Flut von Strafanzeigen und Schadensersatzklagen, erhärtete sich der Verdacht, der Börsen-Guru könne seit Jahren seine Position genutzt haben, um die Kurse an der Börse zu manipulieren und sich selbst zu bereichern.

Inzwischen wurde Millionär Myron Gushlak, der mit Igor Lipovetsky, dem vermeintlichen Sprössling russischer Ölmagnaten, die besagten drei Russland-Aktien kreierte, von einem New Yorker Gericht in Brooklyn wegen internationalem Anlagebetrug und Geldwäsche zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Inselhopping

Der gebürtige Kanadier, der bislang eine 19-Millionen-Villa auf den Kayman-Inseln bewohnte und dort Geschäftsführer einer kleinen Bank, der Bluewater Partners ist, versuchte einiges, um der Haftstrafe zu entgehen. So stellte er dem FBI in Aussicht, gegen Haftverschonung über die Verwicklung des Gambino-Clans, einer der drei großen Mafia-Familien New Yorks, in den Russendeal auszupacken. Später machte Gushlak einen Rückzieher. In der New York Post hieß es zudem über den ansonsten geständigen Gushlak, er hätte behauptet, in Berliner Mission gehandelt zu haben.

Seit dem 3. März 2011 muss sich nun auch Markus Frick vor dem Berliner Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, zwischen September 2005 und Juni 2007 in 47 Fällen mittels Börsenmanipulation zu eigenem Vorteil gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben. Frick soll danach bei der AIK Credit Plc auf Mauritius mit einer Einlage von 7,5 Millionen Euro beteiligt gewesen sein und mit diesem Geld zwei Depots bei einem ebenfalls auf Mauritius ansässigen Bankhaus angelegt haben. Diese Depots nutzte Frick laut Anklage zwischen September 2005 und Mai 2007, um Aktien, deren Wert er zwischenzeitlich als Börsen-Journalist werbewirksam erhöhte, selbst aufzukaufen und kurzfristig mit Gewinn wieder abzustoßen.

"Wir erhöhen das Kursziel!", stachelte Markus Frick laut Anklage im Juni 2006 beispielsweise die Kauflust der Anleger an und steigerte zu 100 Prozent den Umsatz einer Aktie, die er heimlich selbst gekauft hatte. Zeitnah ließ er die Aktie wieder aus dem Depot in Mauritius abstoßen: mit einem Gewinn von 1.352.352,24 Euro.

Geschäfte mit nichts

Fast die gesamte Hälfte der Anklage macht das bereits genannte "Russengeschäft" um die Star Energy Corp., Star Gold Mines Inc. und die RussOil Corp. aus. Faktisch wertlose Aktien soll Markus Frick den gläubigen Anlegern zwischen dem 16. Oktober 2006 und dem 5. Mai 2007 wirksam offeriert haben. Geschäftsanteile an Unternehmen, frisch aus der Taufe gehoben, um in Russland Öl zu fördern, aber bar aller Vermögenswerte, Personal und operativem Geschäft waren. Es handelte sich um Aktien, deren Nennwert tatsächlich das Zehntausendstel eines US-Dollars ausmachten und deren Bestand auf eine Summe von insgesamt 461 Millionen Dollar aufgeplustert wurde.

Laut Anklage sollen Markus Frick die Schrottaktien von dem November letzten Jahres in New York verurteilten Millionärs Myron Gushlak und seinem Kompagnon Igor Lipovetsky für lau zur eigenen Verwendung überlassen worden sein. Eine der Aktien, heißt es, soll Markus Frick dann im Sommer 2007 über die GIBO GmbH, deren Alleingesellschafter er faktisch ist, aufgekauft haben.

Nach § 38 des Wertpapierhandelsgesetzes, das Insidergeschäfte ahndet, droht Markus Frick jetzt eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Am Donnerstag wird das Verfahren mit der Vernehmung eines ermittelnden Beamten fortgesetzt (9:30; Saal 618). Das Gutachten des Börsenwächters BaFin über mutmaßliche Manipulationen des Angeklagten in Bezug auf von ihm beworbene Rohstoffaktien ist den Prozessbeteiligten im Selbstleseverfahren aufgegeben. Auf Anregung des Vorsitzenden Richters Willnow werden die Aussagen von im Ausland aufhältigen Zeugen zunächst einmal zu verlesen und nur bei Bedarf geladen.

(weitere Prozesstermine: 24., 31.03.,07.,14.04.2011)


NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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