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krimirezension ab 2003-2013

 

Patricia MacDonald
"Das Mädchen von nebenan"
DTV Verlag 06.2006
ISBN 3-423-24541-7
14,50 €

Vatis gutes Mädchen

von Barbara Keller


Sommer, Hoffman, New Jersey. Der Arzt Dr. Duncan Avery wird verurteilt, seine Frau, die Malerin Marsha Avery ermordet zu haben. Weil er ihrer überdrüssig war und weil er bereits mit einer Nachbarsfrau techtelmechtelte. 15 Jahre später kehrt er zurück. Unterstützt von seiner Tochter Nina, jetzt Schauspielerin, die eisern von seiner Unschuld überzeugt ist. Während erste Begegnungsversuche mit seinen Söhnen scheitern und die ehrbaren Nachbarn gegen seine Rückkehr protestieren, bereitet sich Desaster Nummer zwei vor: keine Woche nach seiner Haftentlassung ist auch Dr. Duncan tot, ermordet.

In den US-amerikanischen Mittelstandsspeckgürtelparadiesen ist nicht alles Gold, was glänzt. Das hat Patricia MacDonald ja schon mit ihrem Krimi "Ein Fremder im Haus" bewiesen. Datsche reiht sich an Datsche, immergleicher Wohlstand, gebügelt, gestriegelt von der Stange nicht nur das Nachbarlächeln und dann... verschwindet ein Kind und die gediegenen Emotionen laufen urplötzlich aus dem Ruder.

Dieses Mal kommt es noch dicker. Und zwar in Hoffman, New Jersey, wo die erfolgreiche Krimiautorin auch selbst mit ihrer Familie lebt. Na ja, da überall mal was vorzukommen pflegt und die üblichen Verdächtigen hermüssen: Der Haussegen hängt natürlich schon seit längerer Zeit schief bei den Averys.

Und weil es gemütlich ist wie auf dem Mienenfeld zwischen Duncan und Marsha, hat sich Duncan, er ist Arzt, in seine Arbeit verkrochen. Marsha hingegen, die sich als Malerin von ihrem Mann nicht geschätzt und mit Haushalt und Kindern allein gelassen fühlt, trägt ihre Frustration in den Wald, wo ihre wunderbaren Naturbilder entstehen.

Dennoch gibt es sie, die alltäglichen Highlights. Tochter Nina (15) hat ein erstes Date mit Nachbarssohn Brandon und Sohn Patrick (18) erhält seine Zulassung zu einer begehrten Privathochschule. Im Windschatten dieser Freude bereitet sich jedoch schon das fiese Verbrechen vor.

Als Nina am Abend dieses erfreulicheren Tages enttäuscht, ungeküsst, doch nicht ohne Hoffnung nach Hause kommt, überrascht sie ihren Vater, die blutüberströmte Marsha im Arm. Das Blut am Küchenmesser ist noch warm.

Die Ermittler machen kurzen Prozess. Da auch das erforderliche Alibi bei der Hand ist, verschwindet Dr. Duncan Avery, der abscheulicher Weise eine Affäre mit der Nachbarsfrau unterhielt, auf unbestimmte Zeit hinter schwedischen Gardinen.

Als er 15 Jahre später auf wiederholten Antrag auf freien Fuß kommt, kümmert sich seine Tochter Nina - jetzt 30 Jahre alt, Schauspielerin – rührend um ihn. Sie ist die Einzige der Kinder, die den Glauben an die Unschuld des Vaters behielt.

Doch anstatt ein neues Leben in New Yorck bei seiner Tochter zu beginnen, geht Dr. Avery nach Hoffman. Zurück zu seinen beiden Söhnen (einer davon ein stinkreicher Investmentbanker), die ihn vehement ablehnen. Zurück an den Ort, in dem für ihn noch eine Rechnung offen ist. Wenige Tage nach seinen ersten tapsigen, frustrierenden Schritten in Freiheit ist Duncan Avery tot, erschossen. Selbstmord heißt es. Doch Nina glaubt nicht an einen Suizid.

Votum: Ist die Diele morsch, gibt sie dem unbedachten Tritt nach. Was darunter wabert... Patricia MacDonald steigt knöcheltief in den piefigen Unrat, zeigt die Kehrseite des unbekümmerten American Way of Life und lässt uns, Erbarmen, am Schluss nicht ohne Hoffnung auf Gerechtigkeit und Liebe. – Der zünftige Gutenachtschreck jeder aufrechten Hausfrau.


"Patricia MacDonalds düster-hypnotische Familiengeschichten haben Leserinnen und Leser in Amerika und Frankreich gefangen genommen. Zu ihren bekanntesten Büchern gehören: ‚The Unforgiven’ (1982), ‚Secret Admirer’ (1995) und ‚The Girl Next Door’ (2004). Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in New Jersey und schreibt an ihrem nächsten Roman." (... sagt der DTV Verlag)


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