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krimirezension ab 2003-2013

 

Regina Stürickow
"Kriminalfälle im Dritten Reich"
Militzke Verlag 09.2005
ISBN: 3-86189-741-5
16,90 €

Mördermetropole - Reichshauptstadt Berlin

von Barbara Keller


2004 brachte Regina Stürickow beim Leipziger Militzke Verlag das Buch "Berlin - Kriminalfälle 1914-1933" heraus. - Das Berlin der Weimarer Republik, die 'Goldenen Zwanziger Jahre', im Spiegel ihrer Verbrechen und Verbrechensbekämpfung. Ein gleich interessantes Projekt hat die Autorin nun für das Berlin als Reichshauptstadt zwischen den Jahren 1933-45 unternommen.

In ihrer siebenseitigen Einleitung setzt Regina Stürickow die historischen Eckdaten für die in der Folge geschilderten dreizehn schweren Verbrechen und räumt zugleich mit dem vielgeliebten Mythos auf, die Berliner Kripo habe sich während der Nazizeit die Finger nicht schmutzig gemacht.

Nach dem "Preußenschlag" und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, so berichtet die Autorin, wurde nicht nur die sozialdemokratisch gesinnte Berliner Polizei durch einen SS-Mann wie Kurt Daluege (ehemals Leiter der Berliner Müllabfuhr) umstrukturiert - auch die Kripo bekam ihre 'Sonderaufgaben'.

Sie residierte 1939 mit ihren 302 Beamten zusammen mit der Gestapo im neu gegründeten Reichskriminalpolizeiamt am Werderschen Markt 5-6, im ehemaligen jüdischen Kaufhaus Gerson. Die Kripo bildete Gestapoleute aus. Und vom Werderschen Markt aus koordinierte sie auch die Säuberungsaktion von 1937 und die 'Aktion Arbeitsscheu' von 1938.

In dreizehn Fällen schildert Regina Stürickow auszugsweise schwere Verbrechen und wie die Kripo seinerzeit mit ihnen umging. Verbrechen, wie sie zumeist auch heute vorkommen, die damals jedoch oft mit der Todesstrafe auch für jugendliche Straftäter endeten. - Beispielsweise der Mord zweier roher Jugendlicher (13 und 14 Jahre alt) an einer alten Dame im Friedrichshain (Nähe des Schlesischen Bahnhofs) 1942.

Die Kriminalfälle überraschen nicht selten in ihrer Handhabung und Bewertung. So wurde, entgegen möglichen Vorurteile, der Mord an einer Prostituierten in der Mulackstraße (Mitte) mit Verve verfolgt, auf den typisch roten Fahndungsplakaten mit 1.000 RM Belohnung plakatiert und mit einer Todesstrafe in Plötzensee geahndet.

Auch der Mord aus Habgier an einer jüdischen Zwangsarbeiterin und deren Tochter fand entgegen etwaiger Annahmen Sühne: Der 35jährige Reichsbahngehilfe, Familienvater, bei der SA und NSDAP-Mitglied, wurde zum Tode verurteilt.

Während sich der Schauplatz des Weltkrieges in Form des Luftkrieges auf Berlin ausdehnt und die Kripo mit Identifizierungen hunderter Tote alle Hände voll zu tun hat, geschehen auch und gerade in dieser Zeit unzählige Verbrechen. Dennoch enden ein Doppelmord in den Bombennächten des November 1943 und ein Tötungsdelikt in der "Höllennacht" des Luftkrieges für die Täter jeweils mit einem Todesurteil.

- So berichtet jedenfalls Regina Stürickow in ihrer neuen, alten Berliner Kriminale, die ein wichtiges Stück Zeitgeschichte aufdeckt und ein interessanter Fremdenführer für den wissensdurstigen Berlinbesucher ist.


"Regina Stürickow, Dr. phil., geboren in Berlin, studierte Slawistik und Osteuropäische Geschichte an der Freien Universität Berlin sowie Französisch als Fremdsprache in Paris. Bereits während des Studiums redaktionelle Mitarbeit beim Sender Freies Berlin, veröffentlichte u. a. Der Insulaner verliert die Ruhe nicht (1993), Der Kommissar vom Alexanderplatz (1998), Paris mörderisch. Ein kriminalhistorischer Führer mit Straße und Hausnummer (1999) und den historischen Kriminalroman Habgier (2003). Sie lebt als freie Autorin abwechselnd in Berlin und Paris." (... sagt der Militzke Verlag)


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