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Gerichtsreportagen


Ausgeflippt im Bad

Stiefväter töten Zweijährige mit Schlag in den Unterleib

von C. Rockenschuh

06.03.2014, Berliner Landgericht, 32. SK
Durch einen brutalen Schlag in den Bauch haben 2012 und 2013 zwei Berliner Männer Kinder ihrer Partnerinnen getötet. Beide Kinder waren keine drei Jahre alt, die Stiefväter etwa Mitte Zwanzig. Die Taten ereigneten sich in Badezimmern. In den Stadtbezirken Weißensee und Lichtenberg, Der Prozess gegen Mirko B. (27), ein Fall aus Lichtenberg aus 2013, begann am 4.3.2014.
Bericht vom 18.03.2014


Nach einer Mahlzeit mit Tomatensoße duscht Ende Januar 2012 ein 24-Jähriger in Weißensee die drei Kinder seiner Lebenspartnerin, darunter ein erst Der Angeklagte Mirko B.zweijähriges Zwillingspaar. Im Zorn schlägt der Stiefvater eines der Kinder derart brutal in den Bauch, dass es einen Dünndarmriss erleidet. Die Eltern alarmieren den Notdienst erst, nachdem das Kind verstorben ist. Drei Tage nach dem Übergriff. Die Anklage lautet jetzt Mord und Totschlag durch Unterlassung. (berlinkriminell.de berichtete)

Ich schäme mich dafür

Auch der zweijährige Daniel F. aus Lichtenberg steht vor einem halben Jahr nachmittags unter der Dusche. Er leidet unter Verstopfung. Nach einem Schluck Pflaumensaft musste er spucken. Sein Stiefvater flippt aus. Er schlägt dem Jungen ins Gesicht, boxt ihn in den Unterleib. Der Darm des Kindes reißt.

Erst anderthalb Stunden nach dem Übergriff gestattet der 26-Jährige seiner inzwischen heimgekehrten Freundin den Notarzt zu rufen. Da befindet sich der Junge bereits in einem sichtlich lebensbedrohlichen Zustand. Vier Tage später stirbt Daniel an den Folgen der Gewalttat. Jetzt muss sich der Stiefvater wegen Totschlags vor Gericht verantworten.

Die Parallelen dieser beiden Fälle sind eklatant. Dennoch lautet die Anklage einmal Mord und das andere Mal Totschlag. In einem Fall ist die Mutter mitangeklagt, in dem anderen ist sie Nebenklägerin.

Geliebt wie einen eigenen Sohn

Zwei Prozesstage sind im Todesfall Daniel F. bereits verhandelt. Am 4. März 2014 legte Mirko B. (27) ein Geständnis ab. "Ich schäme mich dafür", hieß es in der Erklärung, die sein Verteidiger für ihn verlas. Er habe Daniel 'geliebt wie einen eigenen Sohn'.

Am zweiten Prozesstag, am 6. März 2014, sagte die Mutter des getöteten Daniel aus. "Es sollte ein schöner Tag werden", berichtete sie. Daniel war am Dienstag, dem 3. September 2013, wegen seiner Darmbeschwerden nicht im Kindergarten. Man hatte einen Freund zum Mittag eingeladen. Es sollte Kassler mit Sauerkraut geben. Gemeinsam mit Freund Christian R. (26) ging die 20-Jährige einkaufen. Pflaumensaft für Daniel und Sauerkraut für das gemeinsame Mittagessen.

Nach dem Einkauf stellt Freund Christian R. (26) die Lebensmittel bei Mirko B. ab und geht nach seinem Hund sehen. Patrizia F. macht einen Abstecher bei der Kosmetik und lässt sich die Augenbrauen zupfen. Zu diesem Zeitpunkt sitzt der kleine Daniel noch immer friedlich auf dem Wohnzimmersofa vor dem Fernseher. Dann gibt Mirko B. ihm den Pflaumensaft.

Lass ihn schlafen!

Patrizia F. kehrt nach circa anderthalb Stunden zurück. Sie ruft: "Schatz, wo ist Daniel? Was macht das Essen? Ist alles okay?" Als sie ihren Sohn in seinem Erbrochenen liegen sieht, erkennt sie sofort, dass etwas nicht stimmt. Doch Mirko B. wiegelt ab, das sei der Pflaumensaft: "Er hat sich ausgeschissen. Lass ihn schlafen!"

Patrizia F. will sofort den Notarzt alarmieren. Sie fürchtet, dass Daniel stirbt. Sie sagt: "Er hat so komisch geatmet." Doch Mirko B. nimmt ihr das Handy aus der Hand: "Was willst du denen denn sagen?" Sie bittet, bettelt, verspricht, alles auf sich zu nehmen und fleht: "Sag mir bitte, was passiert ist."

Nach etwa einer Stunde kommt auch Freund Christian R. wie verabredet zum Kassleressen. Patrizia F. öffnet ihm mit den Worten: "Bitte hilf mir!" Christian R. sieht Daniel im Schlafzimmer liegen. "Er war überall blau. Das sah schon schlimm aus", sagt er später vor Gericht. Kurz darauf beginnt das Kind am ganzen Körper zu zittern, sein Kreislauf versagt. Christian R. befiehlt der Mutter: "Ruf an!" Nun gibt auch Mirko B. nach: "Meinetwegen." Aber ein Arzt oder Sanitäter, so sagt er, kommt ihm nicht in die Wohnung.

Patrizia F. nimmt ihren Jungen auf den Arm und eilt den Rettungshelfern entgegen. Einem von ihnen drückt sie das KInd in den Arm und fleht: "Bitte helfen Sie ihm!" Während die Sanitäter an Ort und Stelle lebensrettende Maßnahmen einleiten, sitzt sie mit Christian R. daneben auf der Treppe. Mirko B. bleibt in der Wohnung.

Wie ein Psychopath benommen

Am nächsten Tag erscheint Mirko B. mit Blumenstrauß und in Begleitung seiner Mutter im Krankenhaus. Patrizia F. sagt: "Ich dachte, ich wäre im falschen Film." Daniel F. wird innerhalb der nächsten drei Tage dreimal operiert. Doch er stirbt am Sonnabend, dem 7. September 2013. "Er hat so gekämpft", weint Patrizia F., "morgens um sechs Uhr hat er ein letztes Mal geatmet."

Dass Mirko B. offenbar beschränkt alltagstauglich war, lässt sich nach den Zeugenaussagen seiner Partnerin und seines Freundes Christian R. erahnen. Patrizia F. und Mirko B. kannten sich seit einem dreiviertel Jahr. Nach nur fünf Monaten zogen Mutter und Sohn Daniel zu dem neuen Freund, der sich eine 'richtige Familie' wünschte. Doch Mirko B. verwandelte sich im schnöden Alltag zum Tyrann. Wegen Nichtigkeiten soll er Patrizia F. verbal oder mit Kopfnüssen bestraft haben. Christian R. sagt: "Er brüllte rum, baute sich vor Patrizia drohend auf." Mirko B., den er 'als ausgeglichenen Menschen kennengelernt' hatte, soll sich 'wie ein Psychopath' benommen haben.

Doch Patrizia F.* enthält sich in ihrer Zeugenaussage weiterer Beschreibungen dieses Missstandes. Sie weiß nicht, warum Mirko B. sie 'so behandelt hat'. Aber es scheint ihr momentan auch egal zu sein. Sie ist ganz von der Trauer um ihren Sohn erfüllt und hat bereits einen Suizidversuch unternommen. "Wenn du ihn geliebt hättest", wirft sie Mirko B. vor, "dann hättest du ihn nicht getötet!"

Weiter am 11.03.14, 9:30

*Name von der Redaktion geändert.



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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