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Gerichtsreportagen


Dichtung und Wahrheit


von von Barbara Keller

Zwei junge Frauen teilen 2009 eine kurze Liebelei von drei, vier Monaten. Im letzten Trennungsszenario einer kalten Januarnacht soll eine der anderen eine Szene gemacht und ihre Ex-Liebste eingesperrt, vergewaltigt und misshandelt haben...
Bericht vom 23.06.2011 (Urteil)

Aycan T.* ist frauenliebend. In ihrem schwarzen Hosenanzug, ihrer untersetzten Statur, dem kurzen Haarschnitt, vor allem aber wegen der getönten Brille erinnert die nervöse, pausbäckige Frau irgendwie an den ehemaligen Sicherheitschef der DDR Erich Mielke. In der Szene, so sagt ihre beste Freundin Cindy, ist die 30-Jährige 'sehr gefragt'.

Mit festen Beziehungen hat die junge Frau bislang jedoch kein Glück. Nach einem kurzen Intermezzo 2001 dauert es ganze acht Jahre, ehe Amor für sie wieder aktiv wird. Mit einer Internetanzeige auf 'lablue' hilft Aycan T. ihm etwas nach. Langsam tastet sich der spröde Star der Szenethresen an die Fremde heran, chattet mit ihr über Jappy.

Als sich Aycan T. und Verena F. zum ersten Mal treffen, glauben beide, sich schon lange zu kennen und kommen bereits am ersten Abend anstandslos zur Sache. Doch auch das Glück mit Verena F. zerschellt bereits nach drei Monaten im grellen Licht der Alltags. Aycan T. ist schockiert. Einen Monat lässt sie vergehen, ehe sie sich traut, das Schlusswort der Angebeteten zu hinterfragen.

Am 22. Januar 2009 gegen 21:00 kündigt sie sich Verena F. über Chat mit dem MSN-Messanger an. Aycan T. hat sich bereits mit zwei, drei Bieren mehrfach selbst Prost gesagt und macht sich vom Görlitzer Bahnhof, wo sie wohnt, auf den Weg nach Lichtenberg. Ihren Hund, der, wie sie sagt, ein wenig wie Fuchur der Glücksdrachen aussieht, lässt sie zu Hause.

Doch Verena F. ist wenig begeistert über den Besuch ihrer Ex-Freundin und fühlt sich bedrängt. Weiter als bis in den Flur kommt Aycan T. deshalb nicht. Mindestens eine dreiviertel Stunde schlägt sich die Lichtenbergerin mit dem weinerlichen Warum-Gefrage der Kreuzbergerin herum. Aycan T. sagt: "Dann bin ich gegangen." Sie habe die letzte Straßenbahn genommen, um zurück zu ihrem Hund zu fahren.

Zwei Jahre später muss sich Aycan T. vor dem Berliner Amtsgericht in der Turmstraße wegen Vergewaltigung und Körperverletzung verantworten. Denn Verena F. behauptet, von Aycan T. in ihrer eigenen Wohnung eingesperrt, vergewaltigt und misshandelt worden zu sein. Erst am nächsten Tag soll die enttäuschte Liebhaberin das Feld geräumt haben. Doch Aycan T. widerspricht. Sie sagt: "Ich weiß nicht, warum sie mir das antut." Sie fügt hinzu: "Frau F. praktiziert ungewöhnliche Sexualtechniken. Sie benutzt gerne Schraubenzieher und Kämme, die man ihr einführen soll."

Bislang hat sich die Angeklagte zu ihren persönlichen Verhältnissen nicht eingelassen. Allerdings haben am ersten Tag des Verfahrens bereits zwei Zeugen zugunsten der Angeklagten ausgesagt. Beide glauben nicht, dass Aycan T. zu der Tat, die man ihr zur Last legt, fähig sei. Am nächsten Prozesstag, am 25. Mai 2011, wird die Aussage des mutmaßlichen Opfers, Verena F., erwartet.

*Namen von der Redaktion geändert



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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