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aus dem moabiter kriminalgericht


Anklage Vergewaltigung -
"Das haben sie ihr eingeredet!"


von Barbara Keller

28. April 2005. Kriminalgericht Moabit. 39. Große Strafkammer.
"Gott allein weiß, dass ich N. nicht vergewaltigt habe!", weint Best A.-O. (20) vor Gericht. Im Sommer 2004 soll der seit 2001 in Deutschland Asyl Suchende Nigerianer eine damals Siebzehnjährige in den Keller seines Wohnhauses in der Spichernstraße gelockt und dort vergewaltigt haben. Das nigerianische Mädchen war innerhalb einer Friedenscamp-Aktion kurzzeitig in Berlin.


Best A.-O., den seine Freunde "Prince" nennen, so sagt er, entwickelt dem Gericht wort- und gestenreich eine ungewöhnliche Lovestory. So habe er N. H. als Kind kennen gelernt – über den Bekannten eines Bekannten. Und seitdem telefonisch Kontakt gehalten. Fünf Jahre habe man sich nicht gesehen, nur telefoniert. (Innerhalb eines Zeitraumes, da N. H. zwölf bis 17 Jahre alt war.)

Als N. H. im August 2004 nach Berlin kam, hätte die - übrigens jungfräuliche - N. H. alles daran gesetzt, mit ihm zu schlafen und behauptet, bereits regen Geschlechtsverkehr gepflegt zu haben. Ja, er erklärte ihr auch die Liebe. Aber schließlich liebe er auch seine Freundin und seinen Sohn: "Er ist mein Leben!"

Doch am 15. August 2004 soll ihn die junge Friedenscampaktivistin, einen Tag vor ihrer Abreise, zum Sexualverkehr in dem Keller seines Hauses genötigt haben. Er legte in einer finsteren Ecke des Kellers eine Matratze aus und holte aus seiner Wohnung, in der seine Freundin und sein Sohn bereits schliefen, zwei Laken. Dann sei es zu einvernehmlichem Sex gekommen. – Dass er am nächsten Tag von der Polizei unter dem Vorwurf der Vergewaltigung verhaftet wurde, erfüllt ihn mit Staunen: "Das müssen sie ihr eingeredet haben!"

Best A.-O. ist ein schmaler, jungenhaft wirkender Farbiger. Er trägt einen grauen Pullover und eine blaue Latzhose. Sein antrainiertes beträchtliches Kreuz fällt nicht gleich ins Auge. Während der seine Unschuld beteuernde Mann jammernd spricht, dringt das helle Lachen und fröhliche Kreischen seines Sohnes, der mit der Freundin im Flur wartet, in den Gerichtssaal.

Die Rechtsanwältin von Best A.-O. macht einen resignierten, fast verzweifelten Eindruck. In einer Verhandlungspause hält sie ihm von der Tür aus seinen Sohn entgegen und bittet: "Look at your son! Take responsibility." – Aber Best A.-O., hält an seiner Unschuld bis zuletzt fest. Dabei ist der von einer Karriere als Fußballer Träumende bereits einschlägig vorbestraft.

Best A.-O., der in Nigeria, dem Land des Erdöls, der Korruption und der Religionskonflikte, miterleben musste, wie sein Vater (Farmer) mit einem Hammer erschlagen, sein Bruder angeschossen wurde, wie seine Schwester für immer verschwand, dem selbst mit der Machete übel zugesetzt und mit dem Hammer sämtliche Zähne eingeschlagen wurden, hat in Deutschland bisher zu keinem friedlichen Lebenswandel gefunden.

Trotz erfolgreich absolviertem Sprachkurs, Hilfe beim Zentrum für Folteropfer, des Jugendamtes und seiner schließlich guten deutschen Sprachkenntnisse: Best A.-O. blieb ein schwieriger Kunde. Leicht reizbar, schnellen Gefühlsschwankungen unterworfen. Im März 2003 verurteilte ihn das Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr Jugendhaft auf Bewährung wegen Vergewaltigung. 2002 schmiss er seine Ausbildung als Gas-Wasser-Installateur, begann mit dem Marihuanakonsum und brillierte als Drogenhändler im Volkspark am Weinbergsweg, Berlin Mitte. Daraufhin angeklagt und für eineinhalb Jahre auf Bewährung verurteilt, brach Best A.-O. die Bewährungsauflagen, war wieder im Weinbergsweg aktiv und sitzt seitdem in Haft.

Die Karten liegen nicht gut für Best A.-O. Auch im März 2003 beteuerte er seine Unschuld, ohrfeigte, beschimpfte das Vergewaltigungsopfer als "Lügnerin", als "Schlampe" und erklärte: "Das haben sie ihr eingeredet!". – Am nächsten Prozesstag wird N. H. aus Nigeria erwartet, der man in der Botschaft von Windhuk die Ladung des Berliner Landgerichtes persönlich ausgehändigt hat.

Urteil (15.06.05):
Schuldig. Strafmaß: 4 Jahre, 6 Monate Jugendstrafe (unter Einbeziehung einer weiteren Straftat, die mit einem Jahr und zehn Monten Haft bewertet wurde).



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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Best A.-O., den seine Freunde "Prince" nennen, beteuert: "Nur Gott allein weiß, ich habe N. nicht vergewaltigt."


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