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aus dem moabiter kriminalgericht


Volkssport Drogenhandel


von Barbara Keller

01. Dezember 2004. Kriminalgericht Moabit. 25. Gr. Strafkammer.
13.193 Rauschgiftdelikte, davon 12.058 aufgeklärte, gibt das Statistische Landesamt Berlin für 2001 an. Das sind neben 58 Morden, 180 vorsätzlichen und fahrlässigen Tötungen, 1.233 Sexualdelikten, Körperverletzungen, Diebstahl en gros etc. p. p. nur 2,3 % aller bekannt gewordenen Straftaten. Tatsächlich spiegelt diese Zahl jedoch nicht ansatzweise die erschreckende Realität auf diesem Gebiet wieder. Denn der Handel mit Rauschgift ist in Berlin bereits zum Volkssport avanciert. Hier lässt sich, wie man weiß, der schnelle Euro machen. Wenn auch nicht ganz gefahrlos. Auch Uzochukwu O. und Duane Oz., beide aus Nigeria, glaubten, hier mal eben mitmachen zu können und müssen nun für mehrere Jahre hinter Gitter. Wegen Handels mit Kokain.

Gleich zu Beginn des Verfahrens bietet der Rechtsanwalt des Angeklagten Uzochukwu O. einige Konzessionen an. Der vorsitzende Richter hebt die erstaunt Augenbrauen: "Noch mehr?" – Die Verhandlung wird um 10 Minuten unterbrochen.

Schließlich haben die Angeklagten alles zugegeben, alles gesagt, was sie wussten. Nun hoffen sie auf die Milde des Gerichts. Duane Oz.: "I am down on knees!" Uzochukwu O. und Duane Oz. gehören zu den Gelegenheitsmitmachern. Die Verhandlung kann, da freut sich die Kammer, auf einen Schnelldurchlauf verkürzt werden. Dennoch: um eine standardgemäße Prozedur und ein entsprechendes Urteil kommen die reuigen Erststraftäter nicht herum. Der Richter: "Schließlich geht es um 800 Gramm reinsten Kokains."

Die Geschichte, die Beide erzählen, geht so. Uzochukwu O. handelte mit Autos. Unter Freunden. Schließlich wirft dieses Geschäft soviel Geld ab, dass auch das Finanzamt seinen Teil fordert. Damit hat Uzochukwu O. nicht gerechnet. Er ist, wie auch Duane Oz., bestens in die deutsche Gesellschaft integriert, spricht gutes Deutsch. Aber während dieser geglückten Integration hat er sich wohl an falschen deutschen Vorbildern orientiert. Öffentliche Gelder zocken, jammern und schwarzarbeiten.

Die Schulden an das Finanzamt will Uzochukwu O. mit einem vorübergehenden Geschäft mit Drogen wettmachen. Freund Duane Oz., der einen Telefonladen in Kreuzberg führt – günstig an der U-Bahn gelegen - soll ihm Kunden beschaffen. Auch die Libanesen verkaufen in dieser Gegend ihre Drogen. Duane Oz. gefällt die Sache nicht. Aber er bekommt von seinem Freund noch Geld, das auf diese Weise beschafft werden soll. Den Kunden, den Duane Oz. dann akquiriert, hätte er lieber auslassen sollen. Es handelt sich um den V-Mann "Ali", der zum Schein auf den Handel mit dem hochprozentigen Kokain eingeht. Das war im Juli 2004. Seitdem sitzen Uzochukwu O. und Duane Oz. in Untersuchungshaft.

Beide besitzen eine Aufenthaltserlaubnis, sind verheiratet und haben Kinder. Uzochukwu O., seit 1996 via Asylantrag in Berlin, hat 12 Jahre die Schulbank gedrückt. Sein Beruf ist Mechaniker. Die Eltern führen in Nigeria eine Speditionsfirma. Zwei seiner Geschwister leben in London.

Duane Oz. kam 1991 über die Tschechei und eine Heirat nach Berlin. Auch er beantragte einen Asylantrag und erhielt, nun verheiratet und Kinder, den dauernden Aufenthaltsstatus. Wie sein Freund besuchte Duane Oz. zwölf Jahre die Schule. Dann eine Privatschule für internationale Geschäfte. Mit seinem Telefonladen, offenbar führte er aber auch noch einen afrikanischen Imbiss, nahm er nach seinen Angaben 200-400 € den Monat ein.

Der Drogenhandel in Berlin hat Gestalt angenommen, die in ihrer frechen, zynischen Form kaum noch zu überbieten ist. Zum ganz normalen Erscheinungsbild der Stadt gehören jene jungen Männer, die mit ihren weißen Tütchen durch die Gebüsche von Parks kriechen oder in Grüppchen geheimniskrämerisch herumstehen, schreiend ihre Ware feilbietend an den Eingängen von Parks stehen (Beispiel Drogenpark Veteranenberg am Polizeirevier Rosenthaler Straße). Während Polizeiwagen daran vorbei müde ihre Runden drehen. Aber auch die aalglatten Geldkuriere der U 2 gehören dazu mit ihren Geldscheinpacken. Dem Erlös vom Verkauf von Drogen.

Duane Oz. und Uzochukwu O. werden jedenfalls eine zeitlang nicht zu diesem Ambiente gehören. Das Urteil: für Uzochukwu O. drei Jahre und neun Monate Haft, für Duane Oz. drei Jahre. Nach Zweidrittel der Haftverbüßung werden sie offiziell nach Nigeria abgeschoben.



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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Saal 217
Verhandelt in Saal 217: Duane Oz. und Uzochukwu O. boten V-Mann "Ali" hochprozentiges Kokain an. Ein Gelegenheitsdeal, der Schulden tilgen sollte.


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