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Ferdinand von Schirach
"Der Fall Collini"
Piper Verlag 09.2011
ISBN-13: 978-3492054751
16,99 €

F. v. Schirach, Der Fall Collini

von Barbara Keller


Caspar Leinen, ein gebürtiger Bayer, sucht, nach erfolgreichem Jurastudium eine Kanzlei für Strafrecht am Kurfürstendamm (Berlin) zu etablieren. Das Kanzleischild ist kaum gehängt, da erhält der junge Jurist einen Notfall zugewiesen, für den er sich übereilt und folgenreich auch als Pflichtverteidiger eintragen lässt. Es geht um einen außergewöhnlich brutal begangenen Mord an einem etablierten, älteren Herrn in einer Hotelsuite des Hotel Adlon...

Leinen blickt auf eine weitgehend unbekümmerte Kindheit und Jugend zurück. Zu einem großen Teil war sie verbunden mit der Industriellenfamilie Meyer, aus der sein lebensfroher Busenfreund Phillip stammt. Eine eigene, nicht ganz schattenfreie Familiensituation und ein tragisches Unglück machen jedoch aus dem ohnehin empfänglichen Leinen einen nachdenklichen jungen Mann. Leinen entscheidet sich bereits während des Studiums für eine Karriere als Strafrechtler. Er ignoriert die Kritik seines Stiefvaters, eines konservativen, ambitionierten Jägers. Ein Strafrechtler beschmutze sich moralisch an seinen Mandanten, mahnt dieser.

Als Leinen nach erfolgreichem Abschluss des Studiums seinen ersten Fall von einem Ermittlungsrichter des Moabiter Kriminalgerichts zugewiesen bekommt, scheinen sich die Prophezeiungen des Stiefvaters zu erfüllen. Von einem Tag auf den anderen fällt Leinen aus einer Welt, in der Gut und Böse gesicherte, getrennte Konstanten bilden.

Der junge Rechtsanwalt hat es zunächst mit einem durch und durch rätselhaften Mandanten zu tun. Der aus Italien gebürtige Fabrizio Collini, ein hünenhafter, pensionierter Werkzeugmacher ist ein unbescholtener, fleißiger Mann. Wie sein Opfer, der ein ehrbarer Industrieller ist, scheint er ohne Tadel durch das Leben gegangen zu sein. Verbindungen zwischen beiden Personen lassen sich nicht herstellen.

Die Tat erscheint wie ein Naturereignis. Da der geständige Collini sich weigert, über die Bluttat, insbesondere das Motiv, Auskunft zu geben, spekulieren die Zeitungen bereits über die geistige Verfassung des Täters. Berufseinsteiger Leinen, der sich bald auch persönlich in den spektakulären Fall verwickelt sieht, stellt eigene Nachforschungen an und stößt dabei auf schier unerträgliche Tatsachen...

Fazit: Die Wahrheit ist ein Chamäleon und das Recht ihr schlecht sitzender Anzug. Das erfährt der Protagonist der Novelle, der unter dem doppelten Boden den Treibsand spürt und dennoch nichts lieber ist als: Anwalt der Verworfenen. Ein Bekenntnis in vielerlei Hinsicht. Hut ab!


"Ferdinand von Schirach, geboren 1964 in München, arbeitet seit 1994 als Anwalt und Strafverteidiger in Berlin. Zu seinen Mandanten gehören Industrielle, Prominente, Angehörige der Unterwelt und ganz normale Menschen. Mit seinem Debüt »Verbrechen« gelang ihm 2009 auf Anhieb der Durchbruch als literarischer Autor. Die Übersetzungsrechte wurden in über 30 Länder verkauft, und das Buch wird demnächst verfilmt.". (... sagt der Piper Verlag)


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