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krimirezension ab 2003-2013

 

Sobo Swobodnik
"Schöne Bescherung"
dtv TB 12.2005
ISBN: 3-423-24506-9
14,00 €

Die "Matschbirne" aus dem Alzgerner Forst

von Barbara Keller


Von den Münchener "Wiesn" zur heiligen Weihnacht. Paul Plotek ist ein Muffel der Feste. Ein Muffel von Volksaufläufen und Familientreffen. Die Flucht nach vorn, ein (vor-)eiligst angenommener Job, bringt ihn jedoch vom Regen in die Traufe. Statt gefürchteter feuchtwarmer Stallwärme umgeben ihn nun Mord und Totschlag. Spanisch eröffnet durch die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst": Leichenteile im Alzgerner Forst bei Altötting. Die Polizei bittet um Mithilfe.

Sobo Swobodnik hat es sich, so scheint’s zumindest, zur Lebensaufgabe gemacht, Volks- und Familienfeste zu denunzieren. Tatsächlich gibt es ja auch viel Schöneres und Friedvolleres. Swobodniks Held und Kommissar wider Willen macht es vor: schweigend in den knisternden Bierschaum träumen oder durch die Fernsehkanäle zappen.

Plotek ist seit "Oktoberfest" mit der couragierten Agnes Behrendt, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk, zusammen. Die will mit Plotek unbedingt das Weihnachtsfest auf der Ostalb in Lauterbach bei seiner Familie verbringen. – Der traumatisierte Plotek flüchtet zu Susi ins "Froh und Munter" (seine Lieblingskneipe), wo ihm Busunternehmer Ferdinand Schnabel mit einigen Schnäpsen den Job als Reisebegleiter für eine Luxusreise nach Karlsbad schmackhaft macht.

Paul Ploteks Schicksal sind dubiose Beschäftigungen, in die er sich - "halb fiel er, halb sank er hin ..." - hineinziehen lässt. Hatte er in "Oktoberfest" beim Job auf den Münchener "Wiesn" gleich zwei Leichen hinter den leeren Pappkartons der gierig verschlungenen Hähnchen hervorgezogen, muss Plotek nun bei seinem Job als Reisebegleiter erkennen, dass sein Vorgänger die grausige verstümmelte Leiche aus "Aktenzeichen XY ... ungelöst", die "Matschbirne" mit dem Leberfleck, ist.

Die illustre Gesellschaft, die den Bus in eine "rollende Altenbegegnungsstätte" umfunktioniert, bringt Plotek rasch von seinem verkaterten Liebeskummer ab: darunter ein bayerischer Pathologe auf dem Weg in die ewigen Jagdgründe, eine Dame mit einer sprechenden Handtasche, eine falsche attraktive Blinde, die es auf Plotek abgesehen hat und eine national gesinnte Tunte in Tracht.

Die ersten Verluste ereilt die Reisegruppe im Luxushotel in Karlsbad. Erst stirbt Pathologe Herwig E. Skolny mit einem fulminanten Auftritt auf dem Weihnachtsfest, dann der "wandelnde Putzlumpen" Kita Kubella. Als schließlich auch noch der Möchtegernreiseführer Eduard von Alten entseelt im Tauchbecken der Hotelsauna herumwabert, sind Freund und Feind kaum noch zu unterscheiden.

Wie es Plotek, trotz größter Bedrohung für Leib, Leben und Seele, dennoch gelingt, den führerlosen Bus dreibeinig zurück nach München zu steuern und wieder vor seinem Bierschaum im "Froh und Munter" zu hocken, lese man selbst.

Votum: Ein sehr amüsant krimineller Festtagsschwank, mit dem sich via Plotekscher Brille und quer durch den knisternden Bierschaum hindurch das verflossene Weihnachten noch einmal humorvoll relativieren lässt.


"Sobo Swobodnik, geboren 1966 auf der Schwäbischen Alb, arbeitete bis 2000 als Rundfunkredakteur bei verschiedenen Hörfunkanstalten und als Theaterregisseur. Er ist Autor zahlreicher Kinder- und Jugendromane, hat außerdem Erzählungen veröffentlicht sowie zwei Romane, darunter 2002 den ersten Paul-Plotek-Roman, ›Altötting‹, der bereits 1999 mit dem Pfefferbeißer-Literaturpreis des Theaters im Schlachthof, München, ausgezeichnet und 2002 für den Friedrich-Glauser-Preis für das beste Krimidebüt nominiert wurde. Er lebt und arbeitet in Berlin." (... sagt dtv TB)



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