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krimirezension ab 2003-2013

 

Michael Merschmeier
"Frölichs freier Fall"
dtv August 2005
ISBN: 3-423-24473-9
14,00 €

Haute Couture mit blutigen Manieren

von Barbara Keller


Es ist März und in einem Hinterhofatelier der Kreuzberger Oranienstraße, Berlin, findet die Modestudentin Renata König den malträtierten, entseelten Körper ihres Freundes und Malers Daniel Brisk. Todesursache: Mord. Daniel Brisk ist der Sohn des amtierenden Berliner PDS-Finanzsenators - doch ein erster Verdacht der Kripoermittler auf eine politische Motivlage geht ins Leere. Aus dem Dschungel der mörderischen Verstrickungen führen schließlich die Ausblicke dreier unwegsamer Trampelpfade: ein dubioser Kunstfondsmarkt, der wütende Endkampf zweier Modegiganten um die letzten unabhängigen Labels und die psychotischen Kurzschlüsse dreier Kunstorthodoxer.

Kommissar Sebastian Frölich ist überhaupt nicht bei der Mordsache. Sein Liebhaber Wolfgang Deus hat sich in Paris, wo er als Schauspieler engagiert ist, in seine Rollenpartnerin verliebt. Hinzu kommt seine eigene Verwirrtheit. Hat sich der brave - Achtung! Luft holen! - Anwaltssohn, Gourmet, Katholik, Sohn einer dominanten Mutter "mit feinen Manieren" und der selbstverständlich schwarz beschäftigten russischen, promovierten Putzhilfe doch selbst in einen schönen Fremden verguckt.

Während Strohwitwer Fröhlich mit seinen Selbstzweifeln hadert und die einsamen Abende in seiner Wohnung am Winterfeldtplatz und Umgebung mit dem Warten auf einen Anruf von Wolfgang sowie Wunsch- und Albträumen verbringt, lösen den Fall in erster Linie Kollegin Bärbaum mit ihren Hackerkünsten, Kollege Frieder Weitkamp und Kommissar Zufall.

Letzteren braucht es in größerem Ausmaß, um die Fäden schließlich zu sortieren, die sich um die eigenwillige Couturiere und "Queen of Fashion" Laureen Dashwood sowie Galeristin Barbara von Gützkow spinnen. Ein verzweifelter Suizid und ein weiteres zufälliges Zusammentreffen des beurlaubten Frölich mit dem schönen Unbekannten führen den bereits durch einen One-Night-Stand getrösteten Kommissar auf die Spur des Mörders und des geheimnisvollen Kontoführers Johannes Brücken.

Vor allem Liebhaber der Haute Couture, des guten Stils à la Berlin Schöneberg und deren bürgerlich katholische Maleschen dürften mit "Frölichs freiem Fall" auf ihre Kosten kommen.

p. s.: Die Rezensentin ist eine große Freundin der gelungenen Zeitschrift "Literaturen", die in dem von Michael Merschmeier geleiteten Friedrich Berlin Verlag erscheint. Hut ab!


"Michael Merschmeier wurde 1953 in Münster geboren. Seit 1981 arbeitet er als Journalist und Theaterkritiker. Er leitet den Friedrich Berlin Verlag, in dem u. a. ›Literaturen‹ und ›Theater heute‹ erscheinen. ›Frölichs freier Fall‹ ist der zweite Kriminalroman, in dessen Mittelpunkt Kommissar Sebastian Frölich steht." (... sagt der dtv Verlag)



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