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krimirezension ab 2003-2013

 

Amir Valle
"Die Türen der Nacht"
Edition Köln Mai 2005
ISBN: 3-936791-21-X
16,90 €

Quadratur der Lüste

von Barbara Keller


Teniente Alain Bec, Spezialist für Wirtschaftskriminalität, bekommt einen seltsamen Fall zugewiesen. In den Stadtbezirken Alt-Havanna und Centro Habana sind acht Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren verschwunden. Dem ehrgeizigen Kommissar, ein Macho und Rassist, dem nichts wichtiger ist als die Anzahl seiner Haare auf Brust und Hintern, fühlt sich durch diesen Fall veralbert. "Kindermädchen" nennen ihn seine Kollegen auf dem Revier. Als er jedoch den kleinen, schwarzen Olier in der Kirche aufgebart sieht, kaltblütig ermordet, sexuell missbraucht, erwacht im Teniente Bec die kalte Wut. Und er setzt alles daran, den Fall aufzuklären.

Kommissar Alain Bec, dessen Vorfahren aus der Karibik stammen, macht keinen Hehl daraus: Schwarze sind ihm ein Gräuel. 'Neger' sind arm, vermehren sich wie die Fliegen. Sie leben in Schmutz und Elend. Teniente Bec wiederholt nur die geflügelten Vorurteile seines Großvaters, wenn er schimpft: "Neger und Kakerlaken sind eine Plage."

Nun muss Alain Bec ausgerechnet in diesem Milieu ermitteln, denn die verschwundenen Kinder sind alle afrikanischer Herkunft. Als der Teniente in die Kiezstrukturen Alt-Havannas eintaucht, begegnet ihm eine unerklärliche Wand aus Schweigen. Allmählich wird dem staatstreuen Beamten klar, dass die Armut der Schwarzen in der Krise Cubas wurzelt und dass dieses Schweigen nackte Angst bedeutet.

Alain Bec, dessen Vater glühender Patriot, Minister, Diplomat war, und der mit Frau und Sohn in einer besseren Gegend Havannas lebt, hat sein Weltbild schließlich um einiges zu korrigieren. Was wie finsterer, schwarzer Proletensumpf aussieht, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als bitteres Elend verarmter Akademikerfamilien.

Auch wenn es Teniente Bec mit Unterstützung des charismatischen, schwarzen Alex Varga - Kenner allen kriminellen Havannaer Unrats - gelingt, den Fall zu klären, bleibt ihm doch der quälende Zweifel, vielleicht nur an den Symptomen des Übels herumgedoktert zu haben.

Packender Havanna-Krimi. Erschütternde Nachrichten von einem stolzen Schlachtschiff, das sich prostituiert, um zu überleben.

"Amir Valle, geb. 1967 in Santiago de Cuba, lebt in Havanna. Mit seinen Romanen, Erzählungen, Essays und Dokumentationen ist er heute der bekannteste Autor seiner Generation, der bislang außer in Kuba selbst in Kolumbien, Spanien, Puerto Rico, Syrien und Schweden veröffentlicht wurde. Der vorliegende Kriminalroman beruht auf eigenen Recherchen und arbeitet mit authentischem Material. Er ist der Auftakt einer Trilogie um den Kommissar Alain Bec, der von Fall zu Fall drastischer die Wirklichkeit seines Landes erfährt - und um den alten Alex Varga, ein Farbiger, der früher für die Mafia einen Teil der Schmutzarbeit erledigte." (... sagt Edition Köln)



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