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krimirezension ab 2003-2013

 

Udo Schulze
"Die Abrechnung"
(Deutschland, deine Journalisten)
Extrem Verlag 2005
ISBN: 3-935054-13-0
19,80 €

Die Freaks vom Boulevard

von Barbara Keller


Udo Schulze (41), 20 Jahre freier Journalist, berichtet von seinen Erfahrungen als 'ewiger Scheinselbständiger', vornehmlich als Polizeireporter diverser Lokalredaktionen, später als Redakteur u. a. für den Fernsehsender RTL. Aus Deutschlands Redakteursstuben des Boulevardjournalismus hat Udo Schulze wenig Erfreuliches zu berichten. Dubiose Informanten, alkohol- und drogenabhängige Kollegen, cholerische Chefs, kriminelle Arbeitsmethoden ...

Einige Semester Jura, Politik und Psychologie. Das ist das berufliche Rüstzeug, mit dem Udo Schulze 1984, damals 21 Jahre alt, hoffnungsvoll quer in die Medienwelt einsteigt. Als Praktikant in der Essener Lokalredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Aus einem vierwöchigen Praktikum werden zwei Jahre freie Mitarbeit. Ein bei der NRZ (Neue Ruhr/Rhein Zeitung) versprochenes Volontariat gerät vorsätzlich in Vergessenheit. Es etabliert sich der ewige freie, scheinselbständige Mitarbeiter. In Lohn und Auftragslage dem Arbeitgeber mit seinen Launen willkürlich ausgeliefert.

Als Quereinsteiger und Freier muss sich Udo Schulze auf dem Weg durch die Redaktionen des Boulevardjournalismus einiges gefallen lassen und darf einiges Erstaunliche erleben. Dazu gehören ängstlicher Kadavergehorsam vor einem cholerischen, gewaltbereiten Chef, zerstörerische Aschenbecher, Antisemitismus, alkohol- und drogenabhängige, kriminelle Kollegen. Der einzige 'normale' Redakteur, laut Autor, nimmt sich in aller Stille das Leben.

Der Leser von "Die Abrechnung" darf Udo Schulze bei seiner Arbeit über die Schulter gucken und erfährt, was er schon immer wissen wollte. - So also entstehen Schlagzeilen wie "Irrer Vampir biss Rentner in den Hals: tot!" oder: "Igitt: Berlinerin hatte Spinne im Ohr". - Udo Schulz appelliert in seinem aufschlussreichen Buch zu Recht an die Verantwortung des mündigen Lesers, diese dürftigen Medien zu meiden und auszutrocknen.

Was sich der Leser allerdings nach der Lektüre all dieser Abscheulichkeiten fragt: Warum hält Journalist Udo Schulze dieser beruflichen Sondersparte immerhin 20 Jahre lang die Stange? Was hält die ausgreifte Persönlichkeit Schulze bei den Boulevardzeitungen, die seiner Meinung nach von kranken Freaks gemacht werden und denen macht- und geldgeile Zeitungsmogule den letzten Tropfen Blut aus den Adern saugen.



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