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krimirezension ab 2003-2013

 

Andree Hesse
"Der Judaslohn"
Wunderlich Verlag März 2005
ISBN 3-8052-0800-6
19,90 €

Solide kriminelle Substanz: Heimat

von Barbara Keller


Ein ermordeter britischer Soldat, ein hingerichteter Rechtsextremist, eiskalte Blondinen, freche Naziwirte, verhuschte Naturburschen – das sind die Realitäten, mit denen sich der metropolenflüchtige Hauptkommissar Arno Hennings konfrontiert sieht, der seinen Wohnsitz von Berlin ins Heimatdorf Eichendorf bei Celle verlegt hat. - Auf dem NATO-Truppenübungsplatz nahe Celle ist die Vergangenheit noch blutige Gegenwart. Das muss Hauptkommissar Arno Hennings erfahren, dem seine alte Heimat zunehmend fremder wird.

Hauptkommissar Arno Hennings (39) hat genug von Berlin. Ihn zieht es zurück in die Heimat nach Eichendorf bei Celle, in die Ruhe der Natur, in die 'stille Größe schlichter Einfalt'. Die Sehnsucht nach Veränderung ist so stark, dass Hennings starrköpfig seine Freundin Aglaja zurücklässt, die lieber in der Metropole bleibt.

Zunächst badet Hennings überglücklich im Anblick heimatlich vertrauter Natur, die er in der Bundeshauptstadt so schmerzlich vermisste. Doch die Idylle wird schnell Teil der Alltagsroutine und die Gesichter der Verwandten, Bekannten, ehemaliger Schulkameraden spiegeln dem Hauptkommissar in der Midlifecrisis den eigenen Prozess fleischlichen Vergehens traurig wider.

Fleischlich vergangen ist auch Soldat Peter Grafton, der tot auf seinem nächtlichen Posten auf dem NATO-Truppenübungsplatz aufgefunden wird. Ein Schlag auf den Hinterkopf ließ Grafton bewusstlos zu Boden stürzen, wo er, die Gasmaske in den Boden gebohrt, hilflos erstickte. Da die Truppenadministration zivile Hintergründe des Mordes nicht ausschließt, zieht sie die Kripo aus Celle mit in ihre Ermittlungen ein. Der Mordfall Grafton ist Hauptkommissar Hennings erster Fall in der Heimat, seine Bewährungsprobe und ein Prüfstein für seinen Entschluss zur Rückkehr nach Eichendorf.

Bald nachdem die Kripo einen herrenlosen BMW aus dem Eichendorfer Moor zieht, findet sie auch einen zweiten Toten: Knut Harms, ein unbeliebter Gernegroß und Mitglied der rechtsextremen "Falken". Seine Leiche wird, wie die des Soldaten, auf dem Truppenübungsplatz, im Keller des ehemaligen Gutshofs am Falkenberg gefunden. Geschoren, gefesselt und offenbar verdurstet. – Ein Anblick, der den nachdenklichen Kripobeamten an die gequälten KZ-Häftlinge des ehemaligen Lagers Bergen-Belsen erinnert.

Als Hauptkommissar Arno Hennings die Rußzeichen eines Greifvogels im Flug vom Tatort endlich zu deuten versteht, hat seine kritiklose Heimatliebe einiges an Ambivalenz gewonnen. – Andree Hesse nimmt das Unbehagen an der Heimat einmal anders unter der Lupe und findet: solide kriminelle Substanz.

"Andree Hesse wurde 1966 in Braunschweig geboren und wuchs bei Celle auf. Nach einer Sattlerlehre studierte er an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Er lebt als Schriftsteller und Übersetzer englischsprachiger Literatur in Berlin. Sein erster Roman 'Aus welchem Grund auch immer' erschien 2001." (... sagt der Wunderlich Verlag)



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