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krimirezension ab 2003-2013

 

Henning Mankell
"Tiefe"
Zsolnay Verlag März 2005
ISBN 3-552-05343-3
21,50 €

Blutiges Lot

von Barbara Keller


Im Herbst 1937 irrt die geistig verwirrte Kristina Tacker durch den nahe gelegenen Wald einer schwedischen Nervenheilanstalt, in der sie seit 22 Jahren Insassin ist. Als man die verstörte Frau schließlich findet, steht diese starr, den Blick auf einen Baumstamm geheftet. Der Schleier des Vergessens hat sich gehoben. Kristina Tacker blickt in eine abgründige Vergangenheit.

Henning Mankell hat offenbar Schluss gemacht mit seinem melancholischen, kurzatmigen Kommissar Kurt Wallander, der traurig und bindungslos durch idyllisch einsame Gegenden Schwedens streift. Ein resignierter Mann auf der Zielgeraden, im letzten Drittel seines Lebens. Immer auf der Suche nach dem Täter grausamer Verbrechen und dessen Motive.

Der neue Roman "Tiefe" ist aus ganz anderem Stoff als die krachharten Wallander-Krimis, die Henning Mankell in seiner Wahlheimat Mosambik, in Maputo, aus der Feder flossen. Die Handlung führt an einen Nebenschauplatz des Seekriegs im ersten Weltkrieg und erinnert mit seiner trost- und ausweglosen Beziehungslage des unter die Lupe genommenen Marineoffiziers Lars Tobiasson-Svartman an die Dramen von Henrik Ibsen. Auch Patricia Highsmiths smarter Schwerverbrecher "Mr. Ripley" fällt einem unwillkürlich ein.

Sara Fredrika lebt arm und einsam auf der Schäre Halsskär. Sie ist eine junge Witwe und Frau von einiger Ausstrahlung. Ihr Mann Nils ertrank an einem Weihnachtstag beim Einholen der Fangnetze vor ihren Augen. Ihr sehnlichster Wunsch: diese unfruchtbare, Tod bringende Insel zu verlassen. Ihr größter Albtraum: eines Tages ihren verstorbenen Mann in den Fangnetzen zu haben.

Im Herbst 1914 liegt ein schwedisches Kanonenboot in der Nähe der Schäre. Lars Tobiasson-Svartman, Marineoffizier, befindet sich auf dem Boot - mit einem Geheimauftrag. Der Kapitän ohne Befehlsgewalt entdeckt bei einem Ausflug mit dem Ruderboot die kleine Insel Halsskär und die Witwe Sara. Es ist Liebe auf den ersten Blick.

Die spanische Eröffnung dieser Liebe Inkognito beginnt Tobiasson-Svartman mit gleich zwei Lügen. Er gibt sich als Witwer aus, deren Frau und Kind bei einem tragischen Unglück ums Leben kamen und verspricht der jungen Frau ein Leben jenseits der kargen Schäre. Auf dem Kanonenboot verheimlicht der verheiratete Ehemann seine Liaison. In der Folge wird der nicht ganz sattelfeste Loner, schließlich Looser und Ex-Karrierist sich um Hals um Kopf lügen, um sich im Reich der Fantasie die Finger blutig zu machen und Menschen an ihm irrewerden zu lassen.

In seinem neuen Roman "Tiefe" kommt der Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell ganz ohne Kommissar aus. Der verwickelte "Fall" löst sich am Schluss – nicht ohne weitere Verluste - praktisch von selbst. – Ein traurig undurchsichtiger Fall von Ziellosigkeit. Lesenswert!

"Henning Mankell, *1948 in Härjedalen, Schweden, geboren, lebt als Theaterregisseur und Autor abwechselnd in Schweden und in Maputo/Mosambik. Neben den Wallander-Romanen erschienen bei Zsolnay der Kriminalroman "Die Rückkehr des Tanzlehrers" (2002), der Roman "Tea-Bag" (2003) und die Afrika-Romane "Der Chronist der Winde" (2002), "Die rote Antilope" (2001) sowie "Das Auge des Leoparden" (2004)."



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