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Stephan Harbort
"Der Liebespaarmörder"
Droste Verlag März 2005
ISBN 3-7700-1190-2
19,95 €

Der Mann mit der steinernen Maske

von Barbara Keller


Mitte der 50er Jahre werden im Raum Düsseldorf innerhalb von fünf Jahren sieben Menschen ermordet und ausgeraubt. Alle Sieben waren Liebespaare und hielten sich zu einem Tête-à-tête in waldig einsamem Ambiente in der Umgebung Düsseldorfs auf. Die Kripo diagnostiziert: Serienmord. Eine hektische Mörderjagd beginnt. - Serienmordexperte Stephan Harbort zeichnet den Fall "Liebespaarmord" noch einmal nach. Den Weg der Ermittlungen, den Indizienprozess gegen die mutmaßlichen Täter. Und er besucht den damals verurteilten "Mann mit der steinernen Maske" – nach jahrzehntelanger Haft heute wieder auf freiem Fuß. - War die damalige Verurteilung ein tragischer Justizirrtum?

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Serienmord ist nicht gleich Serienmord. Nicht alle Serienmörder fühlen ein exemplarisches Kribbeln in der Brust und "müssen jetzt (!)" zuschlagen, vergewaltigen, morden, schlitzen oder quälen. Quelle des Tabubruchs Mord, der in Serie geht, kann neben allgemeiner seelischer Verwirrung auch profane Gefühlskälte sein. Eine Herzenskälte, die zu selten grausamen Planspielen führt. Zum Beispiel zum Planspiel "Perfekter Mord", der vielleicht im vorliegenden Fall zum Erfolg kam.

Zwischen 1953 und 1958 sind Liebespärchen, die in der Düsseldorfer waldigen Umgebung lauschige Orte aufsuchen, nicht mehr sicher. Ein oder mehrere brutale Mörder treiben ihr blutiges Unwesen im Umkreis der ortsbekannten Liebesnester. Die Ouvertüre bildet im Februar 1953 ein Raubüberfall auf ein schwules Paar, bei dem ein Dr. Wilhelm S. erschossen, sein Freund Ernst L. mit schweren Kopfverletzungen davonkommt.

Nach fast dreijähriger Mordpause findet der Fuhrunternehmer Hermann R. in einem Baggerloch am Rande Düsseldorfs ein Auto und auf dessen Rücksitz zwei Leichen: das seit November 1955 als vermisst gemeldete Brautpaar Lieselotte I. und Wilfried M. Beiden Opfern wurde der Schädel eingeschlagen und beide schwer, vermutlich tödlich verletzt mit dem Auto im See versenkt.

Weitere drei Monate später entdeckt der Postbote Paul B. in einem ausgebrannten Heuschober bei Lank-Ilverich die Reste zweier Leichen. Es handelt sich um das frisch verliebte Paar Helga K. und Peter S.

Jetzt ist die Öffentlichkeit alarmiert. Die Ermittler glauben an eine Serientat. Die Presse schäumt beide Doppelmorde zu einem Jahrhundertereignis auf, setzt die Polizei unter Druck. Sie vergleicht die Verbrechen mit den Sexualmorden eines Peter Kürten, dem "König der Sexualmörder", der 1931 wegen neunfachen Mordes neunfach zu Tode verurteilt wurde und unter dem Fallbeil in einer Kölner Haftanstalt endete.

Die Düsseldorfer Kripo bildet eine aus 68 Beamten bestehende Soko und bittet die Bevölkerung unter Aussetzung von 15.000 DM Belohnung um Mithilfe. Die Ausbeute jedoch bleibt gering. Drei Ermittlungschefs werden während dieser Aktion verschlissen. Hauptverdächtige sind entweder bereits tot oder entpuppen sich als harmlos. Wie beispielsweise der durch Profiling in den Fokus der Kripo gelangte Ernst A. – Das Blut auf dem Rücksitz seines Wagens ist: Hundeblut.

Im November 1959 stehen Erwin Reichenstein sowie Jagdaufseher und Freund Fritz Büning vor dem Düsseldorfer Schwurgericht. Unter anderem angeklagt des mehrfachen Mordes und der schweren Körperverletzung. Es ist ein Indizienprozess. Schlagende Beweise gibt es nicht. Zwar ist Fritz Büning geständig. Er gibt zu, den Raubüberfall auf das Freundespaar 1953 und den im Mai 1956 gemeinsam mit Erwin Reichenstein begangen zu haben. Aber Reichenstein leugnet. Und dann gibt es noch ein weiteres Problem: während der "Mann mit der steinernen Maske" – so nennt die Presse Reichenstein – in Untersuchungshaft sitzt, wird ein weiteres Paar ermordet, deren Leichen bis heute nicht gefunden werden konnten.

Stephan Harbort - Kripobeamter, renommierter Profiler und Serienmordexperte - hat mit seinem Buch die Akte "Liebspaarmörder" noch einmal aufgeschlagen und umfänglich rekonstruiert. Er zeichnet die Arbeit der Ermittler akribisch nach, verfolgt den schwierigen Indizienprozess und kommt zu dem Schluss: so könnte es gewesen sein. Aber auch anders. Sein Besuch bei dem heute nach jahrzehntelanger Haft wieder auf freiem Fuß lebenden "Mann mit der steinernen Maske" entledigt den erfahrenen Kripobeamten trotz allem nicht seiner Zweifel. Der Mann vom Fach weiß: Justizirrtümer gibt es.


"Stephan Harbort, geb. 1964 in Düsseldorf, dort lebend, Dipl.-Verwaltungswirt, Kriminalhauptkommissar, stellv. Leiter eines Kriminalkommissariats im Polizeipräsidium Düsseldorf, langjähriger Lehrbeauftragter an der FH-Düsseldorf, Referent am Polizeifortbildungsinstitut Neuss, anerkannter Serienmord-Experte, entwickelte mehrere Fahndungsmethoden zur Überführung von Serientätern und arbeitet mit verschiedenen Universitäten im In- und Ausland zusammen. Verfasser zahlreicher wiss. Fachaufsätze zur Kriminalistik, Kriminologie und Kriminalpsychologie; Vortragstätigkeit, Berater einer Reihe von Krimi-Serien und zahlreichen TV-Dokumentationen wie "Profiling" (BBC) und "Medical Detectives" (VOX). " (… sagt der Droste Verlag)

www.stephan-harbort.de


der Möhrenkiller
Stephan Harbort, Der Liebespaarmörder
Buchpremiere:
Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
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