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krimirezension ab 2003-2013

 

Jeffery Deaver
"manhattan beat"
Aufbau TB Februar 2005
ISBN 3-7466-2101-1
8,95 €

Fräuleindetektivin Rune rennt

von Barbara Keller


Ein alter, sympathischer Mann, der einmal in seinem Leben die Bretter, die die Welt bedeuten, betrat, trifft ein junges, eigenwilliges Mädchen, das von ihm angetan ist. In der Videothek, in dem die junge Frau arbeitet, leiht er 18-mal den Film "Manhattan Beat" aus. Einen Gangsterfilm, der auf tatsächlichen Begebenheiten, einem Bankraub aus den 30er Jahren, zurückgeht. Als der Alte ermordet wird, vermutet Rune, alias Nancy Drew, dahinter ein großes Geheimnis. - Die Suche nach einem sagenhaften Schatz, der vermissten Million, beginnt.

Ein bisschen viel Zufall. Chandler würde sich im Grab umdrehen. Aber Spaß soll sein. Auch wenn er um die sechs Buchtote fordert. Es bleibt ja alles unter uns, dem Autor, seinen Lesern und zwei Buchdeckeln. Die Ingredienzien des Krimis sind schnell genannt: ein heißer Sommer, die New Yorker Mafia, ein missglücktes Zeugenschutzprogramm, zwei Tagträumer, ein tragischer Zufall und das Eingreifen des großen Guten.

Als Rune - 20 Jahre alt, 1,50 groß, 50 kg schwer, eine Audrey Hepburn als neuzeitlicher Teeny - aus einem Zeitungsartikel erfährt, dass der gerade vor ihren Augen ermordete Symington Kronzeuge in einem Mafiaprozess ist und eigentlich Vincent Spinello heißt, wird ihr klar, dass sie in einer Liga spielt, der sie in keiner Weise gewachsen ist.

Bis dahin glaubt sich Rune jedoch auf einer spannenden Schatzsuche. Sie denkt, dass der ermordete Robert Kelly wusste, wo die verschwundenen Millionen der Union Bank versteckt sind. Sie schaut sich den Kinofilm mehrmals an, sucht nach ehemaligen Mitwirkenden an dem Film und findet schließlich auch den Drehbuchautor Raoul Elliott. Verwirrt von der Alzheimerkrankheit in einem Pflegeheim in Jersey. Und tatsächlich gibt dieser ihr einen rätselhaften Tipp.

Bis Rune, die übrigens Märchen liebt und ein Fan von "Herr der Ringe" ist, zu ihrem Traumprinz Robert und einigen anderen attraktiven Überraschungen findet, ist es ein weiter, blutiger Weg. Den überwindet das junge, freche Mädchen oft laufend und in letzter Not flüchtend, mit einigen filmreifen Stands. Darunter ein Hechtsprung durch ein geschlossenes Fenster. Nicht zufällig erinnert die morgendliche Flucht Runes über die Brooklyn Bridge an Lara Croft oder "Lola rennt".

Seltsam, welchen Anklang diese attraktiven, sperrigen, verträumten, jungen Mädchen in Kunst und Kinofilmen finden. Mädchen, die sich dem konventionellen Leben entziehen und "einfach nur ihren Träumen folgen". Bildhübsche junge Damen, gekleidet wie ein wandelnder Kramladen. Über die derselbe konventionelle Konsument im realen Leben die Nase rümpft und die ein Bewerbungsgespräch praktisch postwendend durch die Drehtür verlassen. Weder "teamfähig" noch einer "ernsthaften Tätigkeit" für fähig gehalten.

Selbst Autor Jeffery Deaver war wohl seine freche Rune ein wenig unheimlich. Weshalb er sie vorsichtshalber peu á peu auf den Boden der Tatsachen zurückholt und mit dem "spießigen Robert", einem Wochenendoutsider und studierenden Philosophen zusammenbringt. Eine niedliche Sofarevolution mit Blick über die Dächer von Manhattan – damals noch auf die Twintowers. – "Manhattan Beat" ist Jeffery Deavers erster Rune-Roman (1989) und erschien 2002 erstmals in deutscher Sprache.

"Jeffery Deavers (*1950), Ex-Folksänger und Journalist, wurde zu einem der erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Er lebt in Washington D.C. und in Kalifornien." (… sagt Aufbau TB)



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