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krimirezension ab 2003-2013

 

Georges Simenon
"Bellas Tod"
Diogenes Januar 2005
ISBN 3-257-20376-4
7,90 €

Die Erblast

von Barbara Keller


Noch einen Whisky, das Pfeifchen raucht. Spencer Ashby bastelt in seinem Hobbykeller an einem verschnörkelten Lampenständer herum. Seine Frau Christine ist bei Freunden zu einer Bridgepartie. Als Untermieterin Bella am späten Abend blass und verschüchtert auf der oberen Stufe der Kellertreppe steht, versteht er nicht, was sie sagt. Die Drehbank läuft auf Hochtouren. Spencer nimmt es als Gute-Nacht-Gruß. Am nächsten Tag findet Christine das junge Mädchen erdrosselt und missbraucht in ihrem Zimmer. Spencer benimmt sich seltsam schuldbewusst.

Nach dem Krieg lebte Krimivielschreiber Georges Simenon (1903-1989) – Schöpfer des weltbekannten Kommissar Maigret – mit seiner Familie zehn Jahre in den USA. 1951 entstehen dort vier weitere seiner unzähligen Maigret-Romane und "Bellas Tod". Simenon Krimis zeichnen sich nicht unbedingt durch sprachliche Brillanz oder die Verwendung überraschend prägnanter Bilder aus. Und manchem mögen die Maigret-Krimis auch zu konservativ dröge sein. "Bellas Tod", 1979 ZDF-verfilmt, aber ist eine Ausnahme.

Das Buch "Bellas Tod", das nicht zum Maigret-Zyklus gehört, kommt ohne einen allwissenden, behäbigen Detektiv aus und erzählt eine außergewöhnliche Geschichte. - Aus der Sicht des Hauptverdächtigen.

Connecticut. Spencer Ashby ist 40 Jahre alt, Lehrer und lebt mit seiner Frau Christine (42) eine wohltemperierte Vernunftehe. Christine kommt aus einer wohlhabenden Familie, galt als reiche Erbtante und vertreibt sich die Freizeit mit ihren zahlreichen Freundinnen. Auch Spencers finanzieller Hintergrund ist zufrieden stellend. In ihrem gemeinsamen Haus hat er sich einen Bastelkeller eingerichtet – sein Refugium. Das Verhältnis der beiden Eheleute ist distanziert warmherzig. Bar aller Leidenschaft.

Als Christines beste Freundin, Lorraine Sherman, sich scheiden lässt, zieht deren blutjunge Tochter Bella für eine Zeit bei ihnen ein. Christine und Spencer leben weiter ihren Stiefel namens Alltag. Spencer nimmt kaum Notiz von der jungen Dame. Dass Bella, wie übrigens ihre Mutter auch, ein recht ausschweifendes Leben führt, entgeht den prüden Eheleuten. Eines Abends wird Bella nach einem angeblichen Kinobesuch von einem Herrn spät nach Hause begleitet. Das beobachtet die geheimnisvolle Nachbarin Sheila Katz. Sie sieht auch, dass Bella dem Unbekannten etwas hinausreicht.

Spencer arbeitet derweil im Keller, Christine ist auf einer Bridgepartie bei Freunden. Am anderen Morgen findet die zu Tode erschrockene Christine Bella tot in ihrem Zimmer. Erdrosselt. Natürlich fällt der Verdacht auf Spencer Ashby. – Und obwohl der Polizeibeamte Mr. Holloway von Spencers Unschuld überzeugt scheint - Zweifel bleiben. Zu viele Verdachtsmomente weisen auf den verschlossenen, schuldbewusst wirkenden Hausherrn.

Nachdem neben der Polizei auch Christine ihren Ehemann zu misstrauen und wie ein Insekt zu beobachten beginnt, traut sich Spencer Ashby bald selbst nicht mehr über den Weg. Und tatsächlich hat er eine belastete Vergangenheit, deren Saat jetzt aufzugehen scheint.

Psychologisch stimmig führt Simenon den Leser auf ein Glatteis, auf dem er sich nach einer ersten entscheidenden Wendung nicht mehr wohl fühlen kann. Und trotzdem der Leser dem potenziellen Täter hautnah ist, schließlich lässt Simenon ihn teilhaben an allen Gedanken Shermans, weiß er doch nicht: war er es nun oder nicht?

1958 erschien "Bellas Tod" erstmals in deutscher Sprache bei Kiepenheuer & Witsch. Jetzt hat Diogenes den Dauerbrenner noch einmal in seinem handlichen Taschenformat herausgebracht.



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