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krimirezension ab 2003-2013

 

Anne George
"O du Mörderische"
dtv 2004
ISBN 3-423-24428-3
14,00 €

Der Rote Fingerhut war’s

von Barbara Keller


Weihnachten in Birmingham, Alabama. Einen Tag nach der Eröffnung ihrer Folk-Art-Ausstellung stirbt überraschend die Galeristin Mercy Armistead. Die Diagnose: Herzinfarkt. Aber die gut betuchte Frau ist erst Anfang Dreißig und kerngesund. Die Obduktion der Toten ergibt: jemand half mit der Überdosis einer Herzarznei nach. Die ältlichen und illustren Schwestern Hollowell sind zufällig auf der Vernissage. Die Neugier lässt sie neben ihren Weihnachtsvorbereitungen auch dem Todesfall nachgehen. - Als sie in die dunkle Öffnung eines Pistolenlaufes sehen, der Boden um sie herum in Flammen steht, haben sie den Fall praktisch gelöst.

Giftmord. Natürlich ein Frauenmord? Obwohl es im Mittelalter schließlich auch eine Hochzeit der Giftmorde gab, daher der Beruf des heldischen Vorkosters, gilt der besonders heimtückische Mord durch Vergiften neben der Brandstiftung noch immer als Domäne der Frauen. Zu Weihnachten gibt es Gelegenheit genug zu vergiften. Manche ergreifen die Gelegenheit munter beim Schopf.

In "O du Mörderische" zum Beispiel der Mörder der attraktiven, rothaarigen Galeristin Mercy Armistead, die durch eine Überdosis des Herzmedikaments Digitalis zu Boden geht. – Und nun, alle Anhänger des ‚perfekten Mordes’ aufgepasst! So wird es nicht gemacht: Man nehme die Haarspraydose des erwählten Probanden. Fülle eine ausreichende Menge Digitalis purpurea, Roten Fingerhut, in das Döschen. Füge darüber hinaus das Wundermittel DMSO (Dimethylsulfoxid, 100 Gramm á 6,56 €), hinzu. Gut schütteln und dem Probanden im entscheidenden Moment die Frisur durcheinander bringen.

Die Folge: Der Proband sucht natürlich aufgeregt die entstellte Frisur zu richten. Dabei kommt in der Regel das Haarspray zum Einsatz. Während das Spray auf die Kopfhaut gelangt, hilft DMSO dem Herzmittel Digitalis unter die Haut mit verhängnisvollem Erfolg. Weitere Folge: die Kripo wundert sich, warum ein gesunder Mensch einen Herzinfarkt erleidet und gibt bei der Gerichtsmedizin eine Obduktion in Auftrag. Die Retourkutsche heißt: Mord.
Die Gelegenheit zu einem zweiten Mordversuch ergibt sich dann in der Haftanstalt oder erst frühestens 18 Jahre später.

In "O du Mörderische" ist es das ungleiche Schwesternpaar Hollowell, das dem Mörder schließlich auf die Spur kommen. Patricia Anne: blond, stark gebaut, großbusig und über 1,80 Meter groß. Mary Alice: zart, zierlich, 1,55 Meter groß, einst schwarzhaarig, nun eine Silberfee. Beide haben die magische Sechzig überschritten, sind neugierig, klug und ein quirliger Bestandteil des sozialen Lebens von Birmingham. Ein sympathisches, skurriles Paar.

Wie es sich bürgerlich beschaulich lebt in Birmingham, Alabama, zur Weihnachtszeit, insbesondere unter den Folgen zweier Morde, das erfährt der Leser bei der Lektüre des 1996 im Original, jetzt erstmalig in deutscher Sprache erschienen "Murder on a Bad Hair Day". Ein sehr amüsantes Buch, dessen Plot zwar nicht ganz aufgeht – dessen Lektüre aber trotzdem Spaß macht.

Ein Wort an die fleißige Übersetzerin Christiane Julius-Jehne und deren Lektorin: Nicht jeder teilt die Freude an der umgangssprachlichen Verballhornung, die aus "zu Weihnachten" "an Weihnachten" macht. Gerade in einem thematischen Buch, das diese Unwortschöpfung folgerichtig häufig aufruft.

"Anne George hat sieben Krimis um die "Southern Sisters" geschrieben und erhielt den begehrten Agatha Award. Sie veröffentlichte außerdem einen literarischen Roman und Lyrik, wurde zum "Alabama State Poet" ernannt, gründete den Verlag Druid Press und wurde für ihre Lyrik für den Pulitzerpreis nominiert. Sie starb 2001." (dtv)



der MöhrenkillerA. George: O du Mörderische
Eigenwerbung!Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
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