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krimirezension ab 2003-2013

 

Jean-Bernard Pouy
"H4Blues"
DLV 2004
ISBN 3-923208-73-1
16,00 €

Kismet

von Barbara Keller


Paris. Freund Lionel ist einem Herzinfarkt erlegen, Lescót durch eine Explosion geblendet, Vélimbert beging Selbstmord, Yves kam durch einen Unfall ums Leben und Nicolas Bornand verlor ein Bein bei einem Autounfall. Die Zeit hinterlässt ihre Wunden und mit 50 setzen schließlich die Reparaturen ein. Aber alle waren auch Schüler des berühmten Henri-IV Lyceé. Kurz: H4 genannt. Nicolas Bornand, von Beruf Korrektor, ist für einige Zeit Strohwitwer und neuerdings ohne Arbeit. Als er Lionels Todesumstände rekonstruiert, kommen ihm Zweifel.

Wäre Nicolas Bornand der Protagonist einer Krimiserie, könnte "H4Blues" das "Davor" des einsamen Ermittlers à la Phillip Marlow sein. So wie Henning Mankell das Vorleben seines Kommissars mit "Wallanders erster Fall" nachliefert. Aber Nicolas Bornand ist weder Kommissar noch ein Serienheld, sondern Korrektor. Besser gesagt: Exkorrektor.

Und damit beginnt bereits die Mordgeschichte, in deren Verlauf Autor Jean-Bernard Pouy das Schicksal des Altachtundsechzigers Bornand frontal gegen die Wand fährt. Von einem lax gelebten, angenehmen ". Gefühl, sich in aller Ruhe gehen zu lassen." Zum völligen Desaster: "Das erste, woran ich dachte, war, dass es mir recht geschah." Erzählt Pouy eine längere Geschichte des Verlusts auf Raten, während der Bornand dem Mörder eines Freundes seit Schultagen, Lionel Liétard, auf der Spur ist.

Nicolas Bernand ist Anfang 50 und gerade von seinem Verlag, für den er 30 Jahre arbeitete, entlassen worden. Den etwas schroffen, eigenbrötlerischen Einbeinigen nennen die Nachbarn auch "Papa Nicolas". Als Lionel während einer Vernissage angeblich einem Herzinfarkt erliegt, macht sich Bernands Frau Esther gerade auf zu einer Studienreise nach Kanada. Da auch Sohn Bertrand bereits flügge das Haus verließ, beginnt für den frisch gekündigten Korrektor ein wohliges Singleleben.

Lionels Witwe Véronique glaubt nicht an eine natürliche Todesursache. Schließlich erfreute sich ihr Mann einer strammen Rossnatur. Daher bittet sie Bernand, sich ein wenig umzuhören. Bernand vertieft sich in der Folge in Lionels Angelegenheiten und den Alkohol.

Lionel war passionierter Sammler von Experimentalfilmen. Seine Leidenschaft reflektierte er über das Sinnbild Palme. Hier findet Strohwitwer Nicolas die ersten Anhaltspunkte für ein bisher nur vermutetes Verbrechen. Unterwegs auf Recherche in die Schweiz wird er jedoch zufällig auf eine Todesanzeige aufmerksam. Nun braucht er nur noch Eins und Eins zusammenzuzählen. Der Rest ist: Schicksal.

Am Ende des Krimis "H4 Blues" wird Nicolas Bernand, alter Haudegen und Altachtundsechziger, der weder mit der Gegenwart noch mit Frau und Sohn etwas anzufangen weiß, vor dem Nichts stehen: "Das erste, woran ich dachte, war, dass es mir recht geschah." – Ein klassischer, sehr spannender und humorvoller Krimi der Série Noire.

"Jean-Bernard Pouy, 1946 in Paris geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte u. a. Lehrer, Jornalist, Lektor und Drehbuchautor. Seit 1983 veröffentlichte er zahlreiche Kriminalromane, viele davon in der "Série Noire" bei Gallimard. Seine Romane wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet." (DLV, DistelLiteraturVerlag)



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