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krimirezension ab 2003-2013

 

Heuvel & De Waal
"Mord im Revue-Palast"
Rowohlt TB 2004
ISBN 3-499-23697
8,90 €

Van Hulseboschs erster Fall

von Barbara Keller


Amsterdam 1928, Tuschinski-Theater. Als Varietépapst Frederik Schakels während seines Auftrittsfinales von der Beleuchtungsanlage erschlagen wird, sitzt van Hulsebosch zufällig, wenn auch etwas widerwillig, im Publikum. Der Apotheker und Amateurkriminologe weiß sofort: hier ist ein Mord passiert. Aber weder Polizeipräsident Marcusse, Theaterchef Tuschinski noch Bürgermeister de Vlugt sind von van Hulseboschs Ratschlägen angetan.
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Nur der junge Polizeiinspektor Jonathan Saltet schenkt dem glatzköpfigen Zwirbelbartträger mit Melone Glauben. Saltet und van Hulsebosch teilen die Leidenschaft für moderne, wissenschaftliche Methoden. Zunächst ermitteln sie gemeinsam under cover. In seiner Apotheke, deren Geschäfte er sträflich vernachlässigt, hat van Hulsebosch ein Labor, in dem er kriminaltechnische Experimente ausführt. Der Mord an Frederek Schakels wird sein erster wirklicher Fall. Nach einigen Schwierigkeiten mit der Amsterdamer Administration auch sein erster offizieller Auftrag, den er in Partnerschaft mit Saltet aufklärt.

Van Hulseboschs Methoden sind spektakulär. In aller Öffentlichkeit lässt er den angeblichen Bühnenunfall nachbauen und nachspielen. Er benutzt die neuesten technischen Erfindungen, um Verdächtige zu observieren. Bringt Gespräche auf Schallplatte, filmt die Hauptverdächtige bei einem Selbstfesselungsakt. – Ein Mann auf der Höhe der Zeit.

Van Hulsebosch lebt in freiwilligen Zölibat, hat einen launigen, redefaulen Assistenten und eine dominante Haushälterin. Den Fall Schakels löst er wie eine knifflige Schachaufgabe. - Ein klassischer Gentleman-Detektiv wie Doyles Sherlock Holmes. Und tatsächlich wurde van Hulsebosch, den es wie das Tuschinski-Theater und Tuschinski selbst wirklich gab, seinerzeit auch so genannt: der "Sherlock Holmes von Amsterdam".

Was der legendäre Kriminalkommissar Ernst Gennat für Berlin ist Apotheker van Ledden Hulsebosch für das Amsterdam der 20er Jahre. Ernst Gennat reformierte die Kriminalpolizei, sorgte für Vernetzung, Datenbanken und moderne Arbeitstechniken. Van Ledden Hulsebosch führte wissenschaftliche Untersuchungsmethoden bei der Amsterdamer Kripo ein, machte sich als Ermittler spektakulärer Kriminalfälle einen Namen. Die Presse nannte ihn seinerzeit den "Sherlock Holms" von Amsterdam.

Das Krimiautorenteam Heuvel-De Waal hat aus dem historischen Material und einiger blühender Fantasie einen klassischen Detektivroman geschrieben, der das Amsterdam der 20er Jahre lebendig macht. Manchmal fühlt sich der Leser zwar mehr in die behäbige Gründerzeit des 19. Jahrhunderts zurückversetzt als in die quirlige Metropole mit ihren Vergnügungstempeln für den kleinen Mann. Aber man legt trotzdem gern mit van Hulsebosch die Puzzleteile zu einem Indizienbild zusammen. Und so utopisch und etwas behäbig konstruiert das Krimifinale im Theater des polnisch-jüdischen Emigranten Tuschinski ist: wir freuen uns auf den zweiten Fall von van Hulsebosch.

Dick van den Heuvel (*1956), studierte an der niederländischen Akademie für Film- und Fernsehen. Arbeitet als Dramatiker fürs Fernsehen, für Theater- und Musicalproduktionen.

Simon de Waal (*1961), Kommissar bei der Kripo in Amsterdam. Wurde 1991 als Experte für eine Filmproduktion konsultiert. Seither arbeitet er an diversen Krimiserien im niederländischen Fernsehen mit.



der Möhrenkiller
Heuvel/De Waal: Mord im Revue-Palast
Buchpremiere:
Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
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