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krimirezension ab 2003-2013

 

Madeleine Giese
"Die letzte Rolle"
Rowohlt TB August 2004
ISBN 3-499-23487-4
7,90 €

Blutbad à la Shakespeare

von Barbara Keller


Im dem einzigen Altenwohnheim für Bühnenkünstler der Bundesrepublik gibt es drei Tote. Drei Bühnendiven segnen das Zeitliche. Niemand schöpft Verdacht. Alte Menschen sterben eben. Das Seltsame nur: alle drei sind für die Ariesrolle eines Shakespearestücks vorgesehen. Als Gisela Mann die Rolle des Aries übernimmt, spielt Nichte Magda vor lauter Sorge um sie verrückt und schaltet Kommissar Prottengeier ein.

Lachen ist nicht so arglos, wie Sie vielleicht denken. Humor, Lachen, so die ernsthafte Forscherspezies, dient dem Aggressionsabbau. Je humoriger jemand ist, umso mehr Leichen dürfen Sie in seinem Keller vermuten. Sehr nachdenklich macht das natürlich in Bezug auf das bisher für glücklich gehaltene glucksende, brabbelnde Kleinkind. Welche geheimen Aggressionen tragen wohl diese scheinbar fröhlichen Säuglinge in sich, die wir arglos auf dem Arm wiegen. Sind es die nassen Windeln, die sie zu ersten finsteren Mordgefühlen veranlassen und die sich vorerst in einem dieser süßen Babylacher entladen?

Herzhaft lachen darf der Leser auch bei der Lektüre von Madeleine Gieses "Die letzte Rolle". Der Kriminalroman spielt in einem Altenwohnheim für Bühnenkünstler. Deren illustre Bewohner haben ein großes Projekt vor. Sie wollen Shakespeares "Sturm" noch einmal auf die Bretter bringen. Ihr Motor ist Workaholic Haller vom Off-Theater, der hofft, sein Theater damit zu sanieren.

Doch auf der Rolle des Aries scheint ein Fluch zu liegen. Nacheinander sterben drei hochbetagte Darstellerinnen, die für diese Rolle vorgesehen sind. Allmählich gibt es Besetzungsprobleme. Aber auch Zweifel daran, ob es bei diesen Toten mit rechten Dingen zuging.

Zufällig wohnt in diesem Heim auch die Tante und Ziehmutter von Magda. Ebenfalls Schauspielerin am genannten Off-Theater und übrigens Herzensdame des Kommissar Prottengeier. - Man kennt sich aus einem älteren Mordfall. - Magda sorgt sich um ihre Tante und ist überzeugt davon, dass hier ein Verbrechen vorliegt. Trotzdem Prottengeier eigentlich Urlaub hat, kümmert er sich um die Seltsamkeiten um diese Shakespeare-Inszenierung und natürlich um Magda.

Als Tante Gisela (mit dem schönen Zunamen Mann) die Ariesrolle übernimmt, wird Magda fast hysterisch. Und nicht zu Unrecht, denn kurz darauf verschwindet die alte Dame und an ihrer statt taucht ein Erpresser-Brief auf, der die Einstellung des Shakespeare-Projekts erzwingen will.

Verdächtig sind in der skurrilen Ansammlung renitenter Unikate des Altenheims natürlich einige Personen. Neid, Ehrgeiz, alte, offene Rechnungen. Der Motive sind viele. Aber auch außerhalb des Heims und unter den Personen der Heimleitung und des Pflegepersonals finden sich Menschen mit unreinen Absichten. Zur Seite stehen Kommissar Prottengeier bei seinen Under-Cover-Ermittlungen Less, ein bester schwuler Freund von Magda und Dirk Schneider, Kollege vor Ort.

Amüsant liest sich "Die letzte Rolle" vor allem wegen des schrillen Ambientes in wenn auch ernster Sachlage. Liebelei, das Geplänkel um die eigene Achse, es hört nie auf. Auch im Alter(sheim) nicht. Das führt uns Gieses Krimi auf amüsante Art vor. Wobei die Spezies Schauspieler einiges mehr an Spielarten beherrscht. Madeleine Giese kennt deren viele. Sie ist selbst Schauspielerin, Regisseurin und Theaterautorin.

Madeleine Giese (*1960). Schauspielerin, Regisseurin, Theaterautorin. Von 1982 bis 2001 arbeitete sie in verschiedenen süddeutschen Ensembles. Derzeit lebt Madeleine Giese mit ihrem Lebenspartner in Kaiserslautern.
Ihr erster Theaterkrimi mit Kommissar Prottengeier in der tragenden Rolle: "Das Spiel heißt Mord" (rororo 23488).



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