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krimirezension ab 2003-2013

 

Petra Hammersfahr
"Die Freundin"
Rowohlt Juli 2004,
ISBN 3-8052-0726-3
19,90 €

Die Lösung lautet: Mord

von Barbara Keller


Was die Rheinländer sich so ausdenken! Aber Petra Hammersfahr scheint ihre Zeitgenossen schon sehr genau ausspioniert zu haben. 21 Meuchelmorde leitet die Autorin aus ihrer Erfahrungswelt in ihre verhängnisvollen Erzählungen ab, in der Freundinnen die erstaunlichsten Rollen spielen. - Eine sehr humorvolle Art der Betrachtung des Affenkäfigs "menschliches Hirn"!

Was in den Köpfen anderer Menschen vor sich geht, wer weiß das schon. Und wer macht sich darüber Gedanken. Ausgenommen bezahlte Professionelle. Die meisten stümperhaften Überlegungen, wenn überhaupt, stellen wir zu unseren Nächsten an. Aber auch hier gehen wir in der Regel bequemer Weise von einer Übereinstimmung der Vorstellungen und Gedankenwelt aus.

Weswegen wir den Verflossenen nach der Trennung lieber aus dem Wege gehen. Sie sind uns unheimlich. Jetzt, wo sie sich gedanklich nicht mehr eingemeinden lassen und Teil der fremden, widerborstigen Welt geworden sind.

Was in den Köpfen von Verbrechern vor sich geht, das mag man sich erst recht nicht vorstellen. Man lässt es sich erschaudernd medial in Bild und Text vorturnen und hält vornehm Distanz. Dabei sind die unaufgeräumten Steinbrüche der Mörderhirne den unseren gar nicht so unähnlich.

Petra Hammersfahr gewährt in ihrem kriminellen Erzählband "Die Freundin" Einblick in die Gedankenwelt von Mördern unterschiedlichster Couleur. Verschlagene, berechnende Mörder zählen zu ihrem Repertoire ebenso wie die brutalen, unberechenbaren oder die, die zu ihrem Mord kommen wie die Jungfrau zum Kinde.

Da ist beispielsweise ein einsamer Postbeamter, der seit Jahr und Tag einer jungen Frau einen Geldbetrag auszuzahlen hat. Der Arbeitstag hinter einem Postschalter ist lang. Tagträume fast unvermeidlich. Der Beamte hält die Dame für ein Opfer, das der Rettung bedarf. Er rettet. Am Ende gibt es einen ungesühnten Mord und eine glückliche Erbin.

... Oder der hilflose Literatur-Professor, den schicksalhaft Frauen von Hausdrachenformat dominieren. Sein Forschungsgebiet: die Nibelungensage. Eines Tages verirrt er sich in der Etage zu einer Nachbarin, die dem leichten Gewerbe nachgeht. Diese heiratswillige Frau erscheint als Lösung aus dem Dilemma und bringt: einen weiteren Mord.

Die Lösung aller Fragen lautet Mord. Jedenfalls in Hammersfahrs "Die Freundin". Und in jeder Geschichte kommt einer Freundin die Schlüsselrolle zu. Als falsche Freundin, verhängnisvolle Geliebte, als Lockvogel, Stein des Anstoßes, Racheengel - wie auch immer.

Das Lesen Hammersfahrs Erzählungen bringt mindestens denselben Spaß wie das beobachten von Schimpansen vor dem Affenkäfig. Man denkt: ganz schön gerissen - aber immer noch eine Spur blöder schlau als wir.



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