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krimirezension ab 2003-2013

 

Dieter Hirschberg
"Die schwarze Muse"
berlin.krimi.verlag 2004
ISBN 3-89809-027-2
12,00 €

Sirenengesänge

von Barbara Keller


Erstes Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende 1800. Der Beamte und Künstler E. T. A. Hoffmann wird strafversetzt in die ostpreußische Provinz. Als Amtsgerichtsrat. Die Langeweile ist erdrückend. Doch dann geschehen drei Morde, Leichen verschwinden, Sekten und Aufrührer treiben ihr Unwesen. Unter Einsatz des eigenen Lebens ermittelt der Amtsgerichtsrat Hoffmann selbst. - So oder anders könnte sich die Auszeit des legendären Begründers des Genres Krimi, neben E. A. Poe (1809-1849), im ostpreußischen Polen abgespielt haben.

Dieter Hirschberg kürt in seiner "Schwarzen Muse" den Erfinder der literarischen Detektiv- und modernen Kurzgeschichte E. T. A. Hoffmann (1776-1822, zum Beispiel "Das Fräulein von Scudéri" aus den "Serapionsbrüdern") selbst zum Helden einer Kriminalgeschichte. Und das nicht ohne kriminalhistorisches Geschick. Tatsächlich wurde der Dichter, Maler, Komponist seinerzeit strafversetzt ins Ostpreußische. Es dauerte, bis Hoffmann sich in Berlin nicht nur als Unikum, sondern auch beruflich etablieren konnte. Die Frage ist, vermittels welchen Wunders es ihm gelang.

Autor Hirschberg gibt mit seinem Kriminalroman eine der möglichen Erklärungen: E. T. A. Hoffmann bewährt sich in der polnischen "Walachei" und findet zur Literatur. In seiner humorvollen Geradlinigkeit ist Hoffmann ein Sympathieträger für jedermann, jede Frau. Mit dieser Charakterlage und seiner weinseligen Geselligkeit erobert er schließlich auch die preußische Hauptstadt.

Natürlich begegnet der Leser in Hirschbergs Roman augenzwinkernd auch einigen biografischen Details. Die Komposition der Oper "Undine", die Vertonung eines Kunstmärchens de la Motte Fouqués, gehört ebenso dazu wie die Figur der Olympia - vertont in Jacques Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen".

Zum Inhalt. Strafversetzt ins ostpreußische Plozk beginnt E. T. A. Hoffmann, der Amtsgerichtsrat mit den künstlerischen Ambitionen, sich zu langweilen. Schreibtischtäterei ist nicht sein Metier und mit den Eingebungen und Inspirationen scheint es in der polnischen Provinz nicht zu klappen. Mit dem Müßiggang ist es jedoch schnell vorbei, als der einsiedlerische Silberschürfer erschlagen vor den Toren der Stadt gefunden wird.

Es handelt sich um den Bruder der Köchin Hoffmanns. Ein armer, etwas heruntergekommener Bursche, der seinen Lebensunterhalt mit dem Nachschürfen in einer bereits ausgebeuteten Silbermine verdient. Er wird Zeuge eines Verbrechens und muss verschwinden.

Allerlei weitere mysteriöse, unappetitliche Vorkommnisse geschehen rund um Plozk. Mädchenleichen werden von einem maskierten Herren, "Leichenkäufer" genannt, unter armem Volk aufgekauft. Und die "schwarze Muse" aus den Katakomben des Doms ist verschwunden. Die letzte der neun Leinenpuppen, die Ordenritter im 13. Jahrhundert aus dem Orient mitbrachten. Sie soll eine Unheil bringende, magische Ausstrahlung auf seinen Besitzer haben. Ein Versuch der Geistlichen, sie zu zerstören, misslang.

Amtsgerichtsrat Hoffmann sieht die Chance, seinem Schreibtisch zu entkommen. Er ermittelt selbst. Es ist sein erster Mord und seine phänomenale Kombinationsgabe grenzt an Hellsicht, die - der Vergleich sei erlaubt - an den unvergleichlichen Hannibal Lekter (nach seiner Läuterung) erinnert. Hoffmann gerät unter manische Forscher, Abergläubige, Aufständische und gerät schließlich selber in den Sog der geheimnisvollen "schwarzen Muse".



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