sitemap
Startnext Hexenberg Theater Kanzlei Hoenig
der Möhrenkiller
zur Startseite
Mitfahrgelegenheit, blablacar

berlinkriminell.de
krimirezension ab 2003-2013

 

Tom Wolf
"Smaragdgrün"
berlin.krimi.verlag (be.bra) 2004
ISBN 3-89809-026-4
9,90 €

Giftmischer aus dem Krögel

von Barbara Keller


Berlin. Sommer 1759. In der Murellenschlucht wird der Vorleser der preußischen Königin (Hellmuth von Criewen) tot aufgefunden. Post mortem grausam zugerichtet von wilden Hunden und Getier. Wurde von Criewen von Räubern in einen Hinterhalt gelockt, als Kurier schwedischer Spione ermordet oder das Opfer heimlicher Liebesränke?

Seit drei Jahren tobt der dritte Schlesische (Siebenjährige) Krieg, Friedrich II. hat gerade sein Waterloo bei Kunersdorf erlebt und der Königliche Hof ist vor einer befürchteten Besetzung Berlins durch Russen und Österreicher nach Magdeburg geflohen. Auch der Vorleser Sr. Kö. Mäjestät soll dem Hof in das Exil folgen. Aber zuvor trifft der preußische Don Juan sich mit seiner aktuellen Liaison in der Bratenküche des Schlosses, um danach nicht mehr lebend gesehen zu werden.

Der zweite Chefkoch Friedrich II. - voluminöse Figur, Ende 50, namens Honoré Langustier - erhält von seiner Majestät den Geheimauftrag, den ominösen Todesumständen von Criewens auf den Grund zu gehen. Verdächtig sind zunächst einige Personen: die Criewenschen Erben, einige konkurrierende Damen, der seltsame Knecht Heller, schwedische Monarchengegner und insbesondere die ehemalige Kurtisane Leopoldine L. von Värnshagen. Eine skurrile Schöne, Rollstuhlfahrerin und Cousine des Verblichenen.

Seine Nachforschungen führen den Sonderbeauftragten des Königs in den Leichkeller der Charité, nach Magdeburg, Anklam und einige preußische Anwesen der Provinz. Langustier erlebt den Berliner Leinweber-Propheten Friedrich W. Pfannstiel, reist mit der "Friedrich Wilhelm zu Pferde" die Oder hoch nach Anklam, durchleidet einen Sturm auf der Oder, den Untergang der preußischen Armada, rettet sich aus schwedischer Gefangenschaft und dem preußischen König schließlich das Leben, indem er den Fall aufklärt und zur rechten Zeit am rechten Ort ist: bei Tische.

Dem Autor des vorliegenden Kriminalromans können mindestens drei Schwächen bescheinigt werden: die Liebe zum Kulinarischen, zum kriminellen Element und einige Sympathie zum preußisch historischen Ambiente. Tom Wolfe (*1964), gebürtiger Bad Homburger, Literaturwissenschaftler, hat bereits vier weitere Preußenkrimis im berlin.krimi verlag (im Hause be.bra) herausgebracht. In allen spielt Sonderermittler Honoré Langustier die erste Rolle. - Ein spitzfindiger Geist, Anhänger der Aufklärung, Genießer und dem König treu Ergebener.

Auch in "Smaragdgrün" zitiert Tom Wolfe ausgiebig aus dem preußisch regionalen Speiseplan, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Viel ist von der Ackerbirne, der preußischen Apfelsine die Rede. - Ein Herzstück des Monarchen: die Kartoffel.

Natürlich sind nicht alle Figuren authentisch. Aber der Autor hat sich alle Mühe gegeben, das Fiktive vom Authentischen zu trennen. Es gibt ein vorangestelltes Personenregister und am Ende des Buches einige Erläuterungen zum historischen "Wie".

Alles in allem ist Tom Wolfs Preußen-Krimi ein sehr amüsantes Buch. Seine Beschreibungen von Land und Leuten erfreuen nicht zuletzt denjenigen, der Spaß am lokalen und lokal-historischen Moment hat. Bei einer Urlaubsfahrt in den Oderbruch wäre "Smaragdgrün" die ideale Reisebegleiterin im Gras.



der MöhrenkillerTom Wolf: Smaragdgrün
Eigenwerbung!Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
Kanzlei Hoenig