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krimirezension ab 2003-2013

 

Hildgunde Artmeier
"Drachenfrau"
Gmeiner Verlag Februar 2004
ISBN 3-89977-610-0
9,90 €

Paralysis mit Kurzschluss

von Barbara Keller


Schönes beschauliches Regensburg an der Donau. Römisches Ex-Provinzkastell, gegründet unter Kaiser Marc Aurel. Von Mozart gelobt, von Goethe geliebt. Hier lässt Debüt-Krimiautorin Hildegunde Artmeier ihre in Verzweiflung und stummem Hass mündende Geschichte von krümeliger Platzhirsch-Macht, Gewalt und Hörigkeit spielen. Eine Geschichte, derer es in diversen Varianten im wirklichen Leben viele gibt. An deren Ende jedoch nicht immer - wie hier - ein Mord steht.

An einem heißen Mai in Regensburg. Dr. Andreas Robner (46), Biochemiker, seit vier Monaten in der Stadt und als Spitzenkraft bei BioMed beschäftigt, wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Tatumstände deuten auf eine Zuspitzung sexueller Praktiken hin. - Das Opfer ist ans Bett gefesselt. Überall Blut. Ein Messer, das ohne Täterspuren bleibt.

Verdächtig sind daher nicht zuletzt Frauen. Zum Beispiel die Sekretärin von BioMed. Sie fand den Toten. Sie besaß einen Schlüssel der Wohnung. Was hatte sie bei Robner zu suchen? Oder die kaltschnäuzige Cousine des Chefs Sandra Gerber. Hat sie etwas zu verbergen? Sybillinisch benimmt sich auch die Ehefrau des BioMes-Chefs Nicole Winters. Dann ist da noch Robners Kollege Anton Perlinger, den Robner vor vier Monaten aus seiner beruflichen Position verdrängte. Zunehmend stellt sich die Sachlage für die ermittelnde Oberkommissarin Lilian Graf komplizierter dar, als gedacht.

Oberkommissarin Graf, geschieden, eine siebenjährige Tochter, bewohnt gemeinsam mit einer Freundin Hanna Freileben, die ihrerseits einen sechsjährigen Sohn hat, ein Haus im Stadtteil Prüfening. Kurz vor Beginn der Ermittlungen lernt sie David kennen, der die Chuzpe aufbringt, die couragierte Frau einfach zu Hause zu besuchen. Doch dann glaubt Lilian Graf, hinter Davids Interesse an ihr andere Motive zu wittern. Die Kripobeamtin beginnt sich zu fragen: was hat eigentlich Davids Schwester mit dieser Geschichte zu tun?

Artmeiers Roman ist spannend aufgebaut. In den aktuellen Ermittlungsgang der Polizei eingeflochten sind die Selbstgespräche der Täterin. Neben den Indizien, die die Erkenntnisse Grafs bringen, kann der Leser also auch die Gedanken der Mörderin zu einem eigenen Puzzle zusammenfügen und in die Irre gehen.

H. ArtmeierDie Spur führt schließlich in die Vergangenheit. Und es geht nicht um Sadomasochismus - schließlich ein Kann und kein Muss. Es geht um Macht, Gewalt - um einen enthemmten Psychopathen. Und um die Frage, wo der neuralgische Punkt ist, wo man beginnt, die Entscheidung, die Verantwortung für das eigene Tun und Lassen unumkehrbar aus der Hand zu geben. Eine Frage, der sich auch Oberkommissarin Lilian Graf stellen muss. (Hildegunde Artmeier Bild links!)



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