sitemap
Startnext Hexenberg Theater Kanzlei Hoenig
der Möhrenkiller
zur Startseite
Mitfahrgelegenheit, blablacar

berlinkriminell.de
krimirezension ab 2003-2013

 

Frank Göhre
"Mo"
Pendragon 02.2008
ISBN-10: 3865320856
19,90 €

Aus Nebel und Watte

von Barbara Keller


Pünktlich zum 70.ten Todestag ist ein weiteres, nun literarisches Denkmal des neben August G. Meißner die Vaterschaft des deutschsprachigen Kriminalromans beanspruchenden Friedrich Glauser erschienen.
Halt! Unsinn! Wieso: 'beanspruchen'? Natürlich hätte Glauser niemals die von ihm selbst so bezeichneten "Schundromane" derart in den Himmel gelobt und: der Geburtstag des einst so unglücklich chaotischen Mannes steht ja erst im Dezember ins Haus.

Für jeden Krimikenner dürfte das Buch jedoch bereits jetzt ein Muss sein. Und ich sage mal: für die, die es werden wollen, auch. Denn einmal ganz ehrlich: ginge nicht jährlich der vom Syndikat verliehene Friedrich-Glauser-Preis publikumswirksam an zeitgenössische, deutschsprachige Krimiautoren, wäre Glauser wohl so populär wie sein aufklärerischer Krimikollege Meißner. - Nämlich gar nicht.

Nun aber Schluss mit der grauen Theorie, die zu Friedrich Glauser so gar nicht passt. Das macht auch Autor Frank Göhre in seinem literarischen Versuch über Friedrich Glauser noch einmal deutlich. Warum 'noch einmal'?

Weil Frank Göhre offenbar einen Narren an dem durch das Leben stolpernden, süchtig schreibenden Mann gefressen hat. Denn bereits vor 20 Jahren veröffentlichte Frank Göhre ein Porträt des "Zeitgenossen Glauser" im Arche Verlag.

Nun wollte Frank Göhre dem aus faktisch Biografischem bestehenden Glauser offenbar den Menschen Glauser an die Seite stellen. Beziehungsweise, einen Versuch hierzu wagen.

Die ersten zwanzig Seiten. - Eine Zeitlang ärgern wir uns gemeinsam mit Glausers Vater, einem Genfer Dr. Phil., über die infernalischen Kapriolen des Bengels Friedrich, der 'doch nun wirklich alles hat' und der von Geburt an jeder Verantwortung bar scheint.

Wir verstehen den knarzigen, alten Herren, dessen eigener Vater sich im Goldgräberrausch in Kalifornien verlor. Den Schweizer Dr. Phil. Glauser, der was aus sich gemacht hat und dessen Sohn Friedrich nun sein Geld mit irrem Lachen bockig aus dem Fenster wirft.

Ein Blatt im Wind ist Friedrich Glauser aber nicht erst, nachdem ihn das Morphium 22jährig in Zusammenhang mit einer Tuberkulosebehandlung fest im Griff hat. Doch danach nimmt er alles erst recht, gerade so, wie es kommt. Die Frauen, die Gelegenheiten. Wobei sichtlich einiger Flurschaden entsteht.

Zwanzig Prozent seines gerade mal 42 Jahre währenden exzessiven Lebens verbringt Glauser hinter Verschluss. Dafür sorgt schon sein erbost bekümmerter Vater, der ihm übrigens auch einen Vormund vor die Nase setzt, ihm die hochmoderne Freudsche Tiefenanalyse zahlt und ihn schließlich ratlos für zwei traumatische Jahre in die französische Fremdenlegion steckt.

Sein literarisches Schreiben, das sich möglicherweise an den Krimis des glücklicheren Vielschreibers Georges Simenon orientiert, bringt Friedrich Glauser schließlich einen gewissen Halt, flüchtiges Ansehen und seinen Zeitgenossen sowie uns einigen Lesestoff.

Aber wir wollen vorab nicht zu viel verraten. Nur so viel: als man die Windhose Glauser nach 200 Seiten biografischen Versuchs allmählich zu mögen beginnt, endet auch schon Göhres Buch. In Anlehnung an die biografischen Tatsachen natürlich tragisch.

Uns bleibt die Neugier auf die Glauser-Gesamtausgabe von Bernhard Echte, um aus den verworrenen Andeutungen des literarischen Glauser schlau zu werden: hat er nun oder nicht den von ihm gehörnten Ehemann seiner Wirtin und Geliebten 'in Notwehr' getötet? - Das, bevor ihn sein Vater aus dieser Schusslinie nahm und in eine andere nach Nordafrika beförderte. Zur Fremdenlegion.
"Frank Göhre, 1943 geboren, hat als Buchhändler, Bibliothekar und als Lektor gearbeitet. Seit 1981 lebt er als Autor für Film und Fernsehen in Hamburg. Sein Roman "St. Pauli Nacht" wurde von Sönke Wortmann verfilmt." (... sagt der Pendragon Verlag)


der Möhrenkiller
Eigenwerbung!Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
Kanzlei Hoenig