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krimirezension ab 2003-2013

 

Kathy Reichs
"Mit Haut und Haar"
Blessing 10. März 2004
ISBN 3-89667-247-9
23,00 €

"... letzte Voyeure"

von Barbara Keller


Ein Albtraum. Erst der Titel "Mit Haut und Haar" und dann die "spanische Eröffnung" des Romans: "Als ich die Überreste des toten Babys einpackte, raste der Mann, den ich töten sollte, nordwärts nach Charlotte." Das braucht erst einmal ein Atempäuschen. Aber dann wird doch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Außerdem: Wer einen Kathy-Reichs-Roman erwirbt, weiß sicher um die unmittelbare Nähe der Autorin zur forensischen Medizin.

Kathy Reichs, die ihren Berufsstand etwa so charakterisiert: "Der gewaltsame Tod ist eine letzte Aufdringlichkeit. Und die, die ihn untersuchen, sind ihre letzten Voyeure.", ist eine Koryphäe ihres Faches: Forensische Anthropologie. Nachdem sie sich 1994 als Professorin beruflich etabliert hatte, wollte die auch sozial sehr engagierte Frau sich auf einem berufsfernen Pfad bewegen. So berufsfern wurde es dann allerdings gar nicht. Vielleicht eher berufsergänzend.

Mit ihren Kriminalromanen - mit "Haut und Haar" schon der Sechste seit "Tote lügen nicht" ("Déjà dead", 1997) - gibt Kathy Reichs ihrer Protagonisten Tempe Brennan nämlich das, was sie im wirklichen Berufsleben nicht hat: die Möglichkeit, aktiv zu sein bei der Ergreifung des Täters. - Ein Feld das originär nur Detektiven und Polizisten zukommt.

Auch in "Mit Haut und Haar" geht es um mysteriöse, körperliche Überbleibsel von Lebewesen. - Das tägliche Brot der Autorin. Tempe Brennan, Single, Ex-Trinkerin, eine erwachsene Tochter, Kater, Katze, als Untermieter "Mr. Mundgeruch": Chow-Chow Boyd, lässt sich widerstrebend auf eine Party mit ihrer Tochter Katy ein. Sie soll als Schwiegermutter eingeführt werden. Aber der neue Freund der Tochter, Palmer Cousins, gefällt der Brennan überhaupt nicht. Zunehmend weniger, als Chow-Chow Boyd auf dem angrenzenden Grundstück auf einen grausigen Fund aufmerksam macht. Knochen. Verwesendes Fleisch.

Anders - als von den Partygästen als "Hühnerknochen" belacht - finden sich unter den Knochen auch solche eines Menschen. Tempe Brennan, die eigentlich einen "Mister-Lover-Urlaub" mit einem langjährigen Kollegen plant, bleibt also im Dienst. Während Besucher Andrew Ryan allmählich in ihren Alltag und den Fall hineinwächst.

Neben der Babyleiche gibt es noch einiges mehr zu untersuchen für die Forensik-Expertin. Ein Flugzeug stürzt ab, weitere Leichen tauchen auf, Körperteile werden gefunden und schließlich gibt es gegen die geniale Ermittlerin anonyme Drohungen. Alles scheint miteinander im Zusammenhang zu stehen. Als Schwarm Andrew Ryan kurzzeitig zu seiner Schwester reist, unternimmt Tempe Brennan Ermittlungen, die sie in Lebensgefahr und ihr weitere Drohungen bringen. Als schließlich zwei dunkle Gestalten vor ihrem Haus auftauchen, ist sie mutterseelenallein.

Am Ende kehrt Ermittlerin Tempe Brennan - genesen vom Biss zweier Klapperschlangen - in ihr Privatleben zurück: "Manchmal denke ich, Güte und Menschenliebe sterben schneller aus als der Kondor und das schwarze Nashorn."

Im Zentrum Reichs Kriminalroman stehen der spannende Ermittlungsgang selbst und der Drogen- sowie illegale, internationale Tierhandel. Über letzteren wird der Leser umfänglich aufgeklärt. Der Roman liest sich leicht, enthält viele ehrliche, erfrischende Metaphern.

Kathy Reichs. Wie Patrichia Cornwell (u. a. "Das fünfte Paar") arbeitet Reichs (*1959, Chicago) in der Forensik. Sie ist eine Koryphäe in der forensischen Anthropologie, eine der nur 50 zertifizierten forensischen Anthropologen der USA. Sie arbeitet für das "Office of the Chief Medical Examiner" in North Carolina und für das "Laboratoire des Sciences Judiciaires et de Médecine Légale" der kanadische Provinz Quebec.

Wie ihre Romanheldin Tempe Brennan ist sie Professorin für Anthropologie an der Uni von Nord Carolina, Charlotte, wird häufig als Zeugin zu Gerichtsverfahren zitiert, doziert beim FBI in Quantico über Spurenerkennung- und -sammlung und war für die Regierung bei der Identifizierung von Leichen aus verschiedenen Kriegsschauplätzen tätig.

Kathy ReichsIn Ruanda bezeugte Kathy Reichs (Bild links!) den Genozid vor dem UN Tribunal, in Guatemala half sie Menschen in den Massengräbern identifizieren. Und am Ground Zero in N.Y.



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