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krimirezension ab 2003-2013

 

Uta-Marie Heim
"Ihr zweites Gesicht"
Rowohlt 2000.
ISBN 3-499-26218-5

Pittoreske Nabelschau

von Barbara Keller


Olevano. Urlaub. Angelika erhält Post aus Hamburg - Drohbriefe. Der Absender ist sie selbst, die Schrift die ihre. 22 Tage Psychourlaub in der Casa Baldi, Italien.

In einer aktuellen Kolumne der Wochenzeitschrift "Die Zeit" fordert jetzt - anlässlich der Buchmesse - Autor Max Küng verzweifelt ein gutes Buch. Angewidert wirft er ein Buch nach dem anderen in die Ecke, angelesen, angeknabbert wie einen halbgegessenen Apfel. Nichts Neues! Und das Alte "fixt" auch nicht mehr an!

Armes, gequältes Papier. Wenn ich doch eher zur Spezies der "Wiederleserinnen" zähle, muss ich bekennen: Leider fixt auch Uta-Maria Heims "Ihr Zweites Gesicht" nicht gerade an. Trotzdem das Buch die warme Empfehlung einer guten Freundin war und die Autorin zweimalige Trägerin des Deutschen Krimipreises ist. (2000 erhielt sie für "Engelchens Ende" den Glauser - Autorenpreis für deutsche Kriminalliteratur.)

Die Scramberger Autorin Heim (40) - Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin, Hörspielautorin, jetzt Kultur-Journalistin in Berlin - veröffentlichte ihren ersten Gedichtband 1985, ihren ersten Kriminalroman ("Das Rattenprinzip") 1991. Sie ist dem Literaturbetrieb treu geblieben und ließ 2000 gleich zwei Kriminalromane vom Band: "Ihr zweites Gesicht" und "Glücklich ist, wer nicht vergisst."

Was passiert? Angelika - Wohnort Hamburg - hat forensische Medizin studiert. Sie arbeitet als Gerichtsgutachterin, Polizeipsychologin und Therapeutin. Ihr Privatleben ist problematisch. Von ihrem Partner, Vater ihres Sohnes, hat sie sich getrennt. Aber wie es im modernen Deutsch so treffend heißt: nicht wirklich. Sie lebt mit einer Freundin zusammen, die nichts Rechtes mit sich anzufangen weiß und die Partner wechselt wie die Hemden.

In Olevano, dem Urlaubsort, erhält Angelika Post. Drohbriefe. Der Absender ist sie selbst, die Schrift die ihre. Die Szenerie "mumpelt" sich sehr rasch zu. Da so gut wie alle am Roman teilhabenden Figuren von Zwangsneurosen gequält, potenziell selbstmordgefährdet und, oder irgendwie Borderliner sind, kann es praktisch jeder gewesen sein. Wenn Angelika nicht gerade mit sich selbst beschäftigt ist - trifft ihr Blick auf ähnlich verworrenes Seelenleben. Unfertiges ringt mit Ungewolltem, Ungedachtes mit Ungesagtem. Daneben passiert so gut wie nichts.

Dafür erfährt der Leser einiges hämisch Abfällige über den Künstlerförderbetrieb der Deutschen Akademie in der Villa Massimo Rom und deren diverse Ableger im Umland. Die Casa Baldi, in der Angelika ihren Urlaub verbringt, ist so eine Massimo Dependance. Hier versucht ihre Freundin Karin, sich als Künstlerin zu bewähren. Viel Müßiges und Müßiggang. - Die Spielwiese Heim Krimis.


Uta-Marie HeimUnd bevor wir das Buch enttäuscht beiseite legen und vergessen, weil nicht mal der Spannungsbogen klappt, noch ein Wort zu seiner Sprache: Nester von Wiederholungsfehlern (hatte/hatte, war gewesen), schamlos falsche Bilder, sprachliche Schluderei. So sind Ausblicke einfallslos "sagenhaft", "Flaches mündet" und wird dann "immer flacher", vom Himmel strahlt "irres Blau", immer wieder "sackt die Sonne hinter den Horizont" und wiederholt "kreischt" morgens "drei mal der Hahn". Das hat der Leser nicht verdient - und die Leserin auch nicht.



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