sitemap
Startnext Hexenberg Theater Kanzlei Hoenig
der Möhrenkiller
zur Startseite
Mitfahrgelegenheit, blablacar

berlinkriminell.de
krimirezension ab 2003-2013

 

Marcia Muller
"San Francisco Blues"
Argon 25. Februar 2004
ISBN 3-87024-551-4
18,90 €

In der Handtasche:
eine 357er Magnum

von Barbara Keller


San Francisco hat einfach alles. Die herrliche Lage am Pacific, Eleganz, Reichtum, Flair multikulturellen Lebens, atemberaubende Straßenschluchten, architektonische Attraktionen, die Golden Gate Bridge. - San Francisco ist Legende hat aber auch seinen Blues: soziales Elend, Einsamkeit und Not und Alcatraz. In dieses schillernde Ambiente brachte Marcia Muller Mord und Verbrechen sowie einen ominösen Selbstmord, der den Blues der gestrandeten New Economy hat.

Der Blues, den Marcia Muller in ihrem neuen Kriminalroman beschreibt, ist Musik aus der gehobenen Mittelschicht. Einer Mittelschicht mit sozialem Gewissen. Die Spielwiese Mullers sind die letzten Rudimente der gestrandeten New Economy. Ihre Protagonisten sind Frauen. Intrigant, böse, gleichgültig und natürlich auch toughe Frauen mit Herz. Ein vermeintlicher Selbstmord bringt alles ins Rollen.

Privatdetektivin Sharon McCone - Wohnhaft San Francisco - ist eine geschätzte Kraft ihres Metiers. Ihr Partner, Hy, arbeitet in einer renommierten Sicherheitsfirma, deren Teilhaber er zu dreißig Prozent ist. Hy zeichnet sich in der Beziehung mit Sharon vor allem durch Abwesenheit aus. Als Sharon die Nachricht ins Haus flattert, dass sich ihr Bruder Joey das Leben genommen hat, laboriert Hy als Ausbilder in Thailand herum.

Gerade in diesem ungünstigen Augenblick macht Staranwalt Glenn Solomon, Sharons väterlicher Freund, ihr das Angebot, für ihn in einem mysteriösen Selbstmordfall zu recherchieren. Natürlich lehnt Sharon zunächst vehement ab. Aber dann kommt doch das väterliche Erbe, das Indianerblut der Shoshonen, in ihr durch. Und vielleicht hofft sie, die eigene Krisis mit diesen Nachforschungen zu überwinden.

Der so genannte "Selbstmörder" heißt Roger Nagasawa, ist Mitte Dreißig. Er entstammt in dritter Generation einer japanischen Einwandererfamilie. Jetzt schwerreich. Der sensible Roger hat Schwierigkeiten, im Leben Fuß zu fassen. Schließlich arbeitet er als Journalist in einem der letzten Online-Magazine, die die Pleitewelle noch übrig gelassen hat. Ihr Name: "InSite".

Sharon hört von unglaublichen, krankmachenden Arbeitsbedingungen bei "InSite". Und natürlich recherchiert Roger an einer "heißen Sache", deren Zwischenergebnisse er auf dem heimischen Computer sichert und vor dem Tod seiner angebeteten Nachbarin überlässt. Als "Lebensversicherung".

Alle Fäden führen also zu "InSite", deren Angestelltenbetreuung und -überwachung an Methoden von Scientology erinnern. Verdächtig sind die Chefs - aber auch einzelne Angestellte. Das Magazin ist übrigens dem Bankrott nah. Als ihre notwendige Zwischenfinanzierung ausbleibt, weil die hierfür einzig beglaubigte Person spurlos verschwindet, droht dem digitalen Medium das Aus.

Zusammen mit der Detektivin Sharon erfährt der Leser einiges über Risikomanagement und wie vakante Sponsorengelder die Klauen und das Metier wechseln. - Nicht selten ohne relevanten kriminellem Aspekt. Meistens jedoch zum Schaden einer gewachsenen Kommune. Hier: San Francisco.

Es wird eine Leiche in der Besenkammer geben, eine weitere in einem Kühlraum, Knochenbrüche, Beulen und Blut. In Nebel und kriminellem Milieu schleicht die allein ermittelnde Detektivin mit einiger Portion Chuzpe durch die unheimliche Nacht - eine 357er Magnum im Handtäschchen.

Marcia MullerBis zum Schluss hetzt Autorin Muller (Bild links!) die Leser auf eine falsche Fährte. Als sich ihr Rätsel endlich löst, möchte der Leser gern wieder mal nach San Francisco reisen - aber auch dringend wissen: was war das eigentlich für ein Unfall? Wenn Sie das Buch gelesen haben, werden Sie verstehen, was ich meine.



der MöhrenkillerMarcia Muller: San Francisco Blues
Eigenwerbung!Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
Kanzlei Hoenig