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krimirezension ab 2003-2013

 

Leonardo Padura
"Adiós Hemingway"
Unionsverlag 07.2006
ISBN: 3-293-00362-1
17,90 €

Hat er...?

von Barbara Keller


Auf der Finca Vigía bei Havanna, von 1941 bis 1960 Anwesen des Schriftstellers Ernst Hemingway und jetzt Museum, hat ein Unwetter die Gebeine eines vor 40 Jahren Ermordeten ans Tageslicht gebracht. Der Fall eilt nicht und die Kripo in Havanna leidet nicht an Langeweile. Deshalb trägt Teniente Palacios dem jetzt als Literat sein Leben fristenden Kollegen, Ex-Commissario Mario Conde, den Fall an. Als bei der Tatortsicherung die Marke eines FBI-Agenten zum Vorschein kommt, wird der 'Fall Hemingway' brisant.
Rang 1 der KrimiWelt-Bestenliste August 2006

Mario Conde ist wieder da. Leonardo Padura lässt den ambitionierten, korruptionsmüden Ex-Ermittler der Kripo Havanna wieder auferstehen, um sich als Mensch und Schriftsteller seiner Hassliebe zu Ernst Hemingway zu widmen. - Dem genialen Künstler und menschlich fraglichen Hemingway, der 1941 seine Zelte auf der Finca Vigía bei Havanna aufschlug, um zwischen dem Krieg in Europa und Kuba zu pendeln und dem das valutadurstige Kuba bis heute als omnipräsente Legende in der Tourismusindustrie verwurstet.

Mario Conde hat laut Paduras letztem Krimi 1989 ein neues Leben als Literat begonnen. Er ist Teilhaber eines Antiquariats, für das er die Bücher akquiriert. In der Zwischenzeit ist er 44 Jahre alt und gerade Strohwitwer mit trüben Aussichten. Und nun taucht sein ehemaliger Kollege Teniente Manolo Palacios mit einem besonders verstaubten Fall auf, dem sich Conde in chandlersch privater Manier widmen soll.

Auf dem als Museum umgestalteten Anwesen Hemingways haben die Wurzeln eines durch den Sturm gefällten Mangobaumes die Leiche eines Mannes zu Tage befördert. Es handelt sich um einen circa 60-jährigen Mann mit Arthrose und schlecht geheiltem Kniescheibenbruch, der - getroffen von zwei Kugeln - vor 40 Jahren sein Leben auf Hemingways Finca aushauchte.

Mario Conde hat neben einem Kindheitserlebnis mit Hemingway auch eine Rechnung als Mensch und Literat mit ihm offen. Hat der kleine Mario Conde am 24. Juli 1960, der Tag an dem Hemingway das frisch revolutionierte Kuba für immer verließ, um sich ein Jahr später eine Kugel in den Kopf zu jagen, tatsächlich gesehen? Lächelte der Mann mit der undurchsichtigen Brille dem kleinen Jungen, der ihm ein Winken und ein "Adios, Hemingway!" hinterherwarf?

Die andere, weit wichtigere Frage lautet, war der geniale Literat nur ein gewöhnlicher, gemeiner Mörder? Oder, um es mit Padura zu sagen: Hatte Hemingway, "ein ganzer Kerl, der allen seine Eier gezeigt hat", die Chuzpe, einen Menschen zu töten? – Mario Conde mit seiner latenten Aversion gegen den Freundverpreller Hemingway möchte diese Frage gern bejahen, fühlt sich jedoch der Wahrheit verpflichtet.

Selbstverständlich schafft Mario Conde, so schwer es fällt, Klarheit auch in diesem besonderen Fall. Und als er in einem abschließenden Männerbesäufnis mit seinen Freunden das leider nur noch nach Mann und Pistole schnuppernde Spitzenhöschen Ava Gardners in die Flaschenpost für einen Freund jenseits des Meeres stopft, weiß der Leser auch, was Mario Conde alias Leonardo Padura und Hemingway zweifelsfrei vereint: ihr ungebrochener Machismo.


"Leonardo Padura, geboren 1955 in Havanna, schloss 1980 ein Lateinamerikanistik-Studium in Havanna ab und schrieb zunächst für verschiedene kubanische Zeitschriften. Bald gehörten seine Reportagen zu den meistgelesenen in Kuba. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Romane, Erzählbände, literaturwissenschaftliche Studien sowie Reportagen und Interviews. International bekannt wurde er mit seinem Kriminalromanzyklus »Das Havanna-Quartett«. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er den Premio Café de Gijón sowie zweimal den spanischen Premio Hammett. Leonardo Padura lebt in Havanna." (... sagt der Unionsverlag)


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