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Nicolas Remin
"Venezianische Verlobung"
Kindler Verlag 01.2006
ISBN: 3-463-40472-9
19,90 €

Tödliche Sackgasse

von Barbara Keller


Es regnet, Nebel liegt über der Stadt Venedig und aus den Kanälen riecht es übel herauf, als die 14jährige Angelina Zolli eines späten Abends die Börse aus der Jackentasche eines Theaterbesuchers zieht. Von den Carabinieri ertappt, flüchtet die gelernte Trickdiebin, Stieftochter des Zirkusartisten Settembrini, in eine Sackgasse am Rio della Verona. Dort schreckt das Mädchen einen Mörder bei seinem schaurigen Geschäft auf.

Seit dem ersten Kriminalroman von Nicolas Remin, "Schnee in Venedig" (09.2004 im Kindler Verlag erschienen), ist genau ein Jahr fiktiver Romanzeit vergangen. - 1863, noch immer verfällt der Palazzo Tron, der Stuck bröselt von der Decke, die Wände sind feucht, die Räume riechen muffig. Der Palast bedarf dringend einer Sanierung.

Und Commissario Tron, Abkömmling einer altvenezianisch fürstlichen Familie, fühlt sich zunehmend von seiner exzentrischen Mutter gedrängt, seine betuchte Verlobte endlich unter die Haube zu bringen. Doch die Vermählung mit der schönen und klugen Unternehmerin Maria di Montalcino schmort noch immer auf der langen Bank.

Und nun dieser Mord. Was zunächst nach einem schnöden Frauenmord im einschlägigen Milieu aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Verbrechen im diplomatischen Tabubereich. Bald haben Commissario Tron und der ausgeschlafene Sergente Bossi herausgefunden, dass hinter dem ominösen Liebhaber der toten Schönen kein Geringerer als der Erzherzog Maximilian und dessen Sekretär Schertzenlechner stecken.

Maximilian von Habsburg lässt es sich als Generalgouverneur des Lombards-Venezianischen Königreichs mit seiner Frau Charlotte auf Schloss Miramar gut gehen. Aber er neidet auch seinem Bruder Franz Joseph die Kaiserkrone und er leidet unter Geldsorgen.

Größere Hoffnung in einen finanziellen Aufschwung setzt der Erzherzog in die mexikanische Kaiserkrone, die ihm soeben verliehen wurde. Doch die mexikanischen Pfründe wecken viele Begehrlichkeiten. Und das Mordopfer Anna Slapater ist, wie sich bald herausstellt, nur eine der vielen gefallenen Schachfiguren auf dem Schlachtfeld um das Goldene Kalb.

Nicolas Remin ist ein Meister der venezianischen Intrige des 19. Jahrhunderts. Mit "Venezianische Verlobung" zerschlägt der Autor lustvoll die berühmt beliebte Legende um den romantischen, tragisch frühvollendeten Maximilian von Habsburg. Aus dem kunstliebenden Erzherzog, der mit seiner über alles geliebten, künstlerisch begabten Frau, Charlotte von Sachsen, die Fertigstellung seines Schlosses Miramar in der Bucht von Grignano nicht mehr erlebte und als Kaiser von Mexiko so kläglich scheiterte, macht Remin einen verschlagenen, habgierigen Mann. - Und auch diese Version liest sich mit großem Vergnügen.


"Nicolas Remin, 1948 in Berlin geboren, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin und Santa Barbara. Eigenen Angaben zufolge hat er sein Leben hauptsächlich lesend auf dem Sofa verbracht – an der kalifornischen Küste, in der Toskana und in der Lüneburger Heide. "Venedizianische Verlobung" ist sein zweiter Roman einer Serie um Commissario Tron." (... sagt der Kindler Verlag)


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