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krimirezension ab 2003-2013

 

Tony Hillerman
"Die Nacht der Skinwalkers"
Rowohlt Dez. 2003
ISBN 3 499 23571 4
8,90 €

Navajos morden nicht

von Barbara Keller


Jetzt hat Rowohlt noch einmal den 1986 herausgekommenen Roman Tony Hillermans: "Die Nacht der Skinwalker" aufgelegt (Skinwalkers. New York: Harper, 1986; 1988 Deutsch bei Rowohlt). Es ist Hillermans bekanntestes, vielleicht bestes Buch, von dem Robert Redfort in weiser Voraussicht bereits die Filmrechte erwarb. Da die deutsche Übersetzung von "The sinister pig" - im Mai letzten Jahres bei Harper erschienen - wohl noch ein Jahr auf sich warten lässt: Warum nicht noch einmal Hillermans Klassiker lesen?

Vorab. Tony Hillerman (*1925) ist ein Freund der indianischen Kultur. Sprich: der Navajo-Kultur. Seine Passion, rührt aus seiner Kindheit. Hillerman wuchs in Sacred Hart (Oklahoma) als Farmersohn auf. In Oklahoma strandeten nach ihrer Vertreibung aus dem Osten und Süden viele indianische Stämme. Darunter die Cree, Cherokee, Choctaw, Seminole und Commanchen. Die Mehrzahl Hillermans Schulkameraden waren indianischer Herkunft. Die Spaltung der Schulklasse jedoch, berichtet der Autor, war keine ethnische, sondern eine soziale. Die Kluft ging zwischen den Overalls tragenden Farmerkindern und den Stadtkindern mit den Gürtelhosen.

Hillermans Liebe zu Land und Kultur ist sprichwörtlich. Vor allem die ethischen Normen der Navajos haben es ihm angetan. Von deren Glauben sagt er: "Einige Leute würden es nicht gerade eine Religion nennen, weil das Konzept von Gott so amorph ist. Aber wenn Sie auf die Werte des Christentums oder auch des Buddhismus sehen - es ist das, was die Navajos Tag für Tag leben."

Daher ist ein Krimi, angesiedelt in den unfruchtbaren Weiten, der Einsamkeit New Mexicos, Arizonas und Utahs - den Siedlungsgebieten der Navajos -, eigentlich gar nicht denkbar. Und dennoch: "Die Nacht der Skinwalkers" startet gleich mit drei mysteriösen Morden. Das hierfür zuständige FBI ermittelt, kommt aber ohne die Hilfe der Navajo Tribal Police (NTP) nicht aus. Und die weiße Öffentlichkeit, Presse macht Druck.

Der brutale Mörder ist mit einer Schrotflinte unterwegs. Seine Opfer sind unbescholtene Navajos älteren Semesters. Dann aber nimmt der Unhold auch Beamte der NTP aufs Korn. Der Fall weitet sich aus. Officer Jim Chee (NTP) mag es seinen Vorgesetzten nicht auftischen, aber alles weist auf Zauberei und Magie hin. Der einzige Zusammenhang, der zwischen den Morden besteht: in den Wunden der Opfer werden magische Knochenkügelchen gefunden. Und tatsächlich lehnen FBI-Mann Jay Kennedy und Lieutenant Joe Leaphorn (NTP) jeden Hinweis hierauf ab. Jim Chee ermittelt auf eigene Faust und zunehmend auf eigene Gefahr.

Tony Hillerman versteht es, Fünkchen seiner großen Leidenschaft für die Navajos auf den Leser überspringen zu lassen. Für deren natürliche Feinfühligkeit im sozialen Umgang, im Umgang mit der Natur. Mit der Beschreibung des täglichen Navajolebens gibt Hillerman den indianischen Stämmen ihr wüstes Land zurück, in das sie von den Europäern vertrieben wurden. Weltweit als Marlborough-Land bekannt mit dem Symbol des Grand Canyon.

Tony HillermanTony Hillerman (Bild links!) selbst wohnt mit seiner Frau und seinen sieben Kindern in Albuquerque/New Mexico. Im Oktober 2001 erschienen die Memoiren des jetzt 78jährigen, dessen Kriminalromane auch von Navajos mit Begeisterung gelesen werden. Zu seiner Leidenschaft sagt der Autor selbst: "Ich weiß, für viele ist das, worüber ich schreibe exotisch. Aber nicht für mich. Als ich das erste Mal an einem alten Handelsposten hielt und sah dort ein paar ältere Navajos auf einer Bank im Schatten sitzen, fühlte ich mich sofort zu Hause. Es war, als brächte mich eine Zeitschleife zurück nach Sacred Hart.



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