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krimirezension ab 2003-2013

 

Stephen Horn
"Im Namen der Macht"
dtv 2004
ISBN 3-423-24380-5
14,50 €

Aus dem "Oral Office"

von Barbara Keller


Als 1942 auch im mit Nazideutschland verbündeten Ungarn die Hatz auf die jüdischen Einwohner beginnt, tingelt ein fein gekleideter Herr von einer verängstigten Familie zur anderen. Er gibt sich als Bevollmächtigter einer Schweizer Bank aus und verspricht, jüdisches Vermögen sicher in schweizerisches Bergland zu transferieren. Kontrakte werden ängstlich unterschrieben. Fünfzig Jahre später gibt es in New Yorck mysteriöse Todesfälle. Die Spur führt in höchste Ebenen der amerikanischen Politik.
1955. New Yorck. Die aus Ungarn eingewanderte Amerikanerin Naomi Singer, Arbeiterin der Hutfabrik Paramount in Manhattan, still, bescheiden, fleißig stürzt von dem Dach ihres Hauses. Auf ihrem Arm trägt sie eine eintätowierte Nummer. Selbstmord heißt die offizielle Version. Der den Fall bearbeitende Detective McSorley wird genötigt, die Sache als erledigt zu den Akten zu legen.

Fünfzig Jahre später. Wahlkampf. Senator Warren Young kandidiert auf den Präsidentenposten. Er ist der Sohn Edward Youngs. Eigentlich Edouard Leyeune. Der Franzose wandert 1950 mit einem kleinen Vermögen in die USA ein. 1965 gilt er bereits als einer der reichsten Männer des Landes. Young sucht, seinen politischen Einfluss zu mehren, indem er seinen Sohn auf den Präsidentenposten zu pushen hofft. Ausgerechnet da verschwindet der junge Heißsporn Martin Green. Er ist ein führender Mitarbeiter des Senatsausschusses für Geheimdienste und jüdischer Herkunft.

Wie schwer es Ehrlichkeit, Redlichkeit und Wahrheit im Staate der Ex-Tellerwäscher haben, weiß man nicht erst seit Michael Moore (u. a. "Stupid White Men"). Die Kinos sind voll der authentischen oder realitätsnahen Ungeheuerlichkeiten über den Stoff, aus dem einige Übersee-Eliten europäischen Ursprungs gemacht sind. Was diese Filme gemeinsam haben, ist die Hoffnung, dass dem Tal der reißenden Wölfe ein Rächer erscheint, der Schwarz und Weiß wieder auf die Beinchen stellt. Ein David mit der Schleuder in Eigenmission wider die Übermacht himmelschreiender Ungerechtigkeit.

Der bereits stark lädierte Rächer in "Im Namen der Macht" heißt Philip Barkley. Jurist, einst geachtet und etabliert im Weißen Haus. Jetzt nur noch ein gemiedenes Faktotum, ein Nervenbündel, Singel - ergrauendes Opfer der Wahrheitsliebe. Barkleys Lohn für den Job, Martin Green zu finden, soll eine Stellung bei der Bundesanwaltschaft in Portland sein. Weit weg vom Justizministerium. Ein Altersruhesitz.

Ihm an die Seite gestellt wird die junge, ehrgeizige Blair Turner. Special Agent beim FBI mit enormen (!) Schützenfähigkeiten. Eine Clarice Starling (Thomas Harris "Hannibal"), ein Turbo-Motor aus jugendlicher Kraft und Schönheit. Der Kampf um Recht und Ordnung beginnt. Als Lohn winken Liebe und wiederhergestellte Gerechtigkeit.

In der Rolle der Bösen zu erleben sind der steinreiche, alte Young, sein skrupelloser Wahlkampfmanager Jarrett Sanders ("ein Krokodil auf zwei Beinen") und die geheuerten Killer. Die Guten: die Opfer des Weltkriegsgewinnlers natürlich (die alle sterben müssen), die Hilfsorganisationen und die "unbezwingbaren Drei" (Barkley, der wieder hervor gekramte, Western Cherif McSorley und FBI Agentin Turner, die für die gefährliche Rollstuhlfahrerin Susan einspringt).

Stephen Horn: Im Namen der MachtDie Zeit rennt. Die Wahl rückt näher. Das Geheimdienst-Desaster soll mittels Bauernopfer vom Tisch. Das wünscht das Justizministerium. Als schließlich Turner und Barkley vom Dienst suspendiert sind, bleibt nur noch das Spiel der Musketiere "Drei gegen Alle". Tja, münden nun die spannenden 375 Seiten Kriminalroman in den erhofft gefürchteten Schlussakkord á la ". . . die Wahrheit verschwindet auf dem Schimmel der Liebe reitend in den von der goldenen Abendsonne überstrahlten Horizont"? Oder werden wir mit einem flauen Gefühl im Magen aus dem spannenden Politthriller entlassen: "- dagegen kommt niemand an!"?
(Stephen Horn Bild links!)



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