sitemap
Startnext Hexenberg Theater Kanzlei Hoenig
gitter
zur Startseite
Mitfahrgelegenheit, blablacar

aus dem moabiter kriminalgericht


Faule Autogeschäfte


von Barbara Keller

09. Sept. 2004. Amtsgericht Moabit. Abt. 293 - Schöffengericht.
Anfang dieses Jahres verkauft Romeo I. in Berlin und Hamburg zwei gestohlene Autos mit gefälschten Papieren. Einen Ford Ka und einen VW Passat. Er selbst, slowenischer Staatsangehöriger, weist sich mit falschen Papieren aus. Als er schließlich auch einen gestohlenen Daimler Benz für eine satte Summe an den Mann zu bringen sucht, hat er Pech: die freundlichen, scheinbar gutgläubigen Kunden sind Hamburger Kripobeamte.


Opfer sein ist kein leichtes Brot. Nicht nur, dass der Geschädigte gegebenenfalls die Erfahrung macht, betrogen, belogen, ausgenutzt worden zu sein. Bei einer Verhandlung vor Gericht interessiert das Opfer gerade als Zulieferant für die Beweisaufnahme. Denn das Gericht dient dem deutschen Gesetz auf abstrakte Weise. Der konkret Geschädigte erhält auf seine Frage, wie er denn nun zu seinem Geld, seinem Recht kommt, von einem gutwilligen, jedoch sicher befremdeten Richter bestenfalls die Antwort: "Bitte wenden Sie sich an eine Organisation für Opfer von Verbrechen."

Wie im vorliegenden Fall. Januar 2004. Luigi S. aus Hamburg will seiner Tochter eine Freude machen. Das Geld für ein Auto ist gespart. Im Internet sieht er einschlägige Angebote durch. Und wird auf einen Ford Ka aufmerksam. 4.000 € soll er kosten. Ein hochwertiger Wagen mit vielem Schnickschnack.

Ein Termin ist schnell gemacht. Nun ja, es ist nicht alles, wie es sein soll. Die Annonce hat zu viel versprochen. Deshalb freut sich Luigi S., den Preis auf 3.800 € drücken zu können. - Die Freude währt allerdings nicht lange. Denn als er den Neuerwerb in Buxtehude anmelden will, zeigt sich, dass der Ford Ka ein Diebstahlwagen ist.

Luigi S. ist einem Betrüger mit falschen Papieren aufgesessen. Der heißt Romeo I. (34). Stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Slowenien. Romeo I. ist ein Drehtürkunde der Berliner Haftanstalt seit seinen kleinkriminellen Jugendtagen. Sein Vorstrafenregister ist lang. Die Anklagevorwürfe lauten wiederholt auf Diebstahl, Hehlerei und Urkundenfälschung.

Romeo I. lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern (14, 11, 8) in Hamburg. Seit er seinen kleinkriminellen Lebensmittelpunkt von Berlin an die Küste verlegte. Vor Gericht gibt Romeo I. an, seit fünf Jahren ohne (legale) Arbeit zu sein. Er lebt von den Mitteln seiner Frau und dem, was er eben "so" verdient. Und damit meint er die Tätigkeiten, mit dem sich nun das Gericht beschäftigt.

Bisher pendelte Romeo I. zwischen Jugoslawien und Berlin. Verschaffte sich einjährige Aufenthaltsgenehmigungen. Mit der gewerbsmäßigen Hehlerei gestohlener Wagen fiel er dann Anfang März 2004 auf die Nase, als er ausgerechnet zwei Hamburger Kripobeamten einen entwendeten Daimler Benz für fast 18.000 € andrehen wollte. Seitdem sitzt Romeo I. in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte ist geständig. Er will die Lieferanten der Diebstahlwagen auf einem Automarkt kennen gelernt haben: "Es waren immer dieselben." - Erfreut verkündet das Gericht: "Auf die Aussagen der Zeugen wird verzichtet." Also auch auf die Aussage von Luigi S., der mit seinem Sohn extra aus Hamburg anreiste und den Hamburger Kripobeamten, die Romeo I. zum Verhängnis wurden.

Der Gentlemen-Betrüger Romeo I. erklärt vor Gericht: "Ich weiß nicht, wie es passierte. Es kam ohne nachzudenken. Ich habe einen großen Fehler gemacht." Das Gericht schien wenig überzeugt. Es überzeugt allein die Verfahrenskürze. In einer knappen Stunde war der Termin vorüber. Das Urteil: eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren ohne Bewährung. Und ein einjähriges Verbot, den Führerschein zu erwerben. Der Staatsanwalt: "Der Angeklagte sollte die Finger von Autos lassen."

Romeo I. verlässt als freier Mann den Gerichtssaal. Da das Gericht davon ausgeht, dass der Verurteilte der Hafteinladung in spe an seinem Wohnort freiwillig nachkommt. Eine Ausweisung ist nicht nötig, denn Slowenien gehört seit Mai dieses Jahres zur EU. Dem Verurteilten winkt der offene Strafvollzug.

Der Geschädigte Luigi S. ist sichtlich verwirrt. "Wenn ich dich auf dem Automarkt in Hamburg sehe ...!", schimpft er aufgebracht. Seine Frage nach Ansprüchen gegen den Verurteilten beantwortet der Richter wie bereits erwähnt: "Von Herrn Romeo I. wird da nichts zu erwarten sein. Bitte wenden Sie sich an eine Hilfsorganisation für Verbrechensopfer."



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




gitter

Romeo I. - Hehler von Diebstahlswagen
Romeo I. (34) mit seinem Rechtsbeistand. Verkaufte gestohlene Autos.

Luigi S. - der Geprellte
Luigi S. erwarb nichtsahnend einen gestohlenen Ford Ka von Romeo I.: "Ich vertraute ihm!"

- Der weiße Ring
(Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer)


Anzeige
Kanzlei Luft
In eigener Sache:
Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
Kanzlei Hoenig Kanzlei Hoenig