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aus dem moabiter kriminalgericht


Brutale Selbstjustiz im Vollrausch


von Barbara Keller

13. November 03. Kriminalgericht Moabit.
Die Beteiligten: Dany E. (20), Candy S. (20) und Jan Sch. Alle drei haben sich dem kriminellen Milieu bereits bestens empfohlen. Dany E. verbüßte bisher zum Beispiel: 4 1/2 Jahre Haft wegen illegaler Handy- und Drogengeschäfte. Candy S.: ein Jahr Jugendhaft wegen räuberischer Erpressung (2000) und zwei weitere Jahre wegen zweifacher Körperverletzung (2001). Auch der Geschädigte, Jan Sch., ist als Kleindealer kein Kind von Traurigkeit...


Zweiter Mai 2003. 5:00 morgens. Jan Sch. liegt zu Hause in seinem Bett. Bedröhnt mit Alkohol und Drogen. Da stürmt eine Horde junger Männer (Alter zwischen 20-30 Jahren) in seine Wohnung. Wie Jan S: später beteuert: auch alle sternhagelvoll. In der Panik springt er auf. Einer der Eindringlinge zertrümmert eine Flasche auf seinem Kopf. Er wird mit einem spitzen Gegenstand attackiert. Technische Geräte wechseln gewaltsam den Besitzer. Als die Männer die Wohnung endlich verlassen, bleibt Jan Sch. schwer verletzt zurück.

Candy S. und Danny E., der , der gerade eine Haftstrafe im offenen Vollzug verbüßt, sind Freunde. Danny E. ist Freigänger und verbringt mit seinem Freund den 1. Mai 2003. Später vor Gericht sagt er: aber nicht den ganzen Tag. Angeblich hätten sich die Beiden getrennt, weil Danny E. bei seinem jüngeren Bruder übernachten will, der übrigens der Nachbar des Geschädigten, des Dealers Jan Sch. ist.

Danny E. ist sauer auf Jan Sch., den er allerdings nicht persönlich kennt, weil der seinem Bruder Drogen verkauft. Zwei Droh-SMS hat er ihm schon geschickt. Als am 2. Mai Jan Sch. in aller Herrgottsfrühe in seiner Wohnung überfallen wird, geht Dany E. - angeblich neugierig geworden durch den Lärm nebenan auf den Flur. So jedenfalls erklärt er es später dem Gericht. "Ich war Zeuge aber nicht dabei", sagt er. Er habe lediglich Sch.'
s auf dem Flur liegendes Handy an sich genommen und sei dann wieder in die Wohnung seines Bruders zurückgekehrt.

Candy S. kann später identifiziert werden. Er ist geständig. Das war's auch schon. Und die Anderen? Ganovenehre. Da Jan Sch. des Nachbars Bruder als Täter nicht mit der nötigen Sicherheit identifizieren kann, Candy S. ihn auch entlastet entscheidet das Gericht "zu Gunsten des Angeklagten."

Die Sozialarbeiterin Natascha J. wird vernommen. Kann aber mehr als Ihre eher düsteren Mutmaßungen nicht bieten. Sozialpädagoge Bernd D. dagegen entwirft ein in positiver Entwicklung begriffenes Profil des Angeklagten Danny E. Er sei aufgeschlossen und arbeitswillig, das Thema Gewalt für ihn schon länger passé.

Als letztes Wort der Angeklagten hören wir Danny E.: "Es tut mir leid." und Candy S.: "Ich weiß nicht, wie ich da reingerutscht bin. Ich hoffe, ich bekomme noch eine Gelegenheit mich zu bewähren." Soweit die Wünsche der Angeklagten.

Das Urteil: Zwei Jahre Jugendhaft für Candy S. wegen gemeinschaftlich begangenen, schweren Raubes mit Körperverletzung. Danny E. erhält eine Haftstrafe von 1 1/2 Jahren für schweren Diebstahl. Beide ohne Bewährung. Der Richter macht keinen Hehl aus seiner Ansicht, Danny E. habe mit hoher Wahrscheinlichkeit an dem Raubüberfall teilgehabt. Der Richter: "Das Urteil hing an einem seidenen Faden."

Einen Grund zu der von den Angeklagten erhofften Bewährungsstrafe sieht der Richter nicht. Auch die verminderte Schuldfähigkeit komme nur bedingt in Betracht. Der Richter: "Sie sind schon sehr oft unter Drogeneinfluss straffällig geworden." Wohl oder übel, nur mit einem blauen Auge kommen die Beiden nicht weg. Auch wenn das Opfer selbst kein unbescholtenes Lamm ist.

Als das Urteil verkündet ist, breitet sich Unmut auf den Zuschauerbänken aus. Dort sitzt die Mutter des Angeklagten Candy S. mit einigen Jugendlichen. Sie schreit laut in den Saal: "Die Kinderficker lasst Ihr laufen, aber die armen Jungs ..." Auch Candys jüngerer Bruder schickt irgendetwas Unflätiges hinterdrein. Die "armen Jungs" indessen grimassieren derweil frech in das Publikum.



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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