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aus dem moabiter kriminalgericht


Teure Trennung


von Barbara Keller

01. Januar 2008. Amtsgericht Tiergarten. Abt. 253.
Im Sommer 2007 macht Silvia T.* (37) nach achtjähriger Partnerschaft mit ihrem Freund, dem im Innenausbau selbständigen Gordon L. (34), Schluss. Für den Mann, der wie Silvia T.* sagt, "sonst niemanden hat", bricht eine Welt zusammen. Als er erkennen muss, dass es ihr ernst ist, rastet er aus. Ein halbes Jahr später hat Gordon L. sich vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen Sachbeschädigung und Bedrohung zu verantworten.


Eigentlich sollte an dieser Stelle heute ein abschließender Bericht zum Verfahren gegen Dr. Jason P. M. wegen versuchten Totschlags stehen. Aber nun haben sich nach weiteren sieben Antragstellungen in letzter Minute durch Nicolas Becker, Rechtsanwalt des Angeklagten, Plädoyers und Urteil ein (vielleicht) letztes Mal verschoben (nächster Termin: Mi., 30.01.08, 9:15, Saal 736). Deshalb hier ein kurzer 'Notbericht' über eine Trennung mit ungewollten Folgen:

Ein Auseinandergehen aus einer langjährigen Beziehung - das ist nie eine leichte Sache. Tränen, zerschlagenes Geschirr, grenzwertiges Benehmen liegen im Wesen des traurigen Anlasses. Und manchmal geht einer der beiden Partner auch zu weit.

Wie Gordon L., ein ansonsten eher ruhiger Partner, der glaubte, ohne seine Lebensgefährtin Silvia T.* (37) nicht leben zu können und ihr am 26. Juli 2007, einem lauen Sommerabend, final eine gewalttätige Szene machte. Der gelernte Innenausbauer aus Kaulsdorf warf der jungen Frau buchstäblich alles vor die Füße, nachdem Silvia T.*, mit der er immerhin acht Jahre das Leben teilte, auch durch Drohungen nicht zur Rückkehr zu bewegen war. - Das rief schließlich die Polizei rettend auf den Plan.

Zwar war Silvia T.* zunächst nicht nur wütend, sondern auch alarmiert und verängstigt, als jedoch der Papiertiger wieder auf seine gewohnte Größe zusammenschrumpfte und das Mitleid kam, war es für ein Zurücknehmen der Anzeige zu spät. Und das lag auch nicht mehr in ihrer Macht, denn Offizaldelikte - wie beispielsweise Sachbeschädigung und Bedrohung es sind - werden 'von Amts wegen' verfolgt.

Weil der ledige und bislang kinderlose Gordon L. den am 16. Oktober 2007 gegen ihn ergangenen Strafbefehl anfocht, musste er sich ein viertel Jahr später vor dem Amtsgericht Tiergarten für seinen Ausrutscher verantworten.

Nachdem Gordon L. schüchtern alles zugegeben hatte, war das ein nur kurzer Prozess. Da der Angeklagte als Selbständiger auf dem Bau derzeit ganze 500 Euro netto verdient, wie sich nach Erörterung seiner persönlichen Verhältnisse herausstellte, gestaltete sich die Strafzumessung entsprechend.

Fünfzig Tagessätze á fünfzehn Euro hieß es - wegen Bedrohung und Sachbeschädigung. Und auch die Gerichtskosten des Verfahrens wurden dem Verurteilten aufgegeben. Circa 120 Euro, wie eine spätere Nachfrage ergab. - Gordon L. nahm das Urteil ohne Wenn und Aber an, womit es rechtskräftig wurde.

Erleichtert und zügig verließ das zurückhaltende Paar, das nun seit längerer Zeit befreundet ist, das Gerichtsgebäude. - Womit ein halbes Jahr später die Sache offiziell geklärt und Gordon L. auch nicht als vorbestraft gilt (in Bezug auf sein Führungszeugnis).

*Name von der Redaktion geändert



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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schwierige Trennung: Gordon L. und Silviia T.*
Einst ein Paar, nach schwerer Trennung jetzt wieder befreundet: Silvia T.* und Gordon L., der das Aus nicht kampflos hinnehmen wollte.

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