sitemap
Startnext Hexenberg Theater Kanzlei Hoenig
gitter
zur Startseite
Mitfahrgelegenheit, blablacar

aus dem moabiter kriminalgericht


Krach in der Partnerschaft: Hund ging über die Balkonbrüstung


von Barbara Keller

14. August 2007. Amtsgericht Tiergarten. Abt. 240
Am Sonnabend, dem 18. November 2006, gegen 15:40 fliegt Terriermix Susi in Folge von Partnerstreitigkeiten vom Balkon einer Wohnung am Michael-Bohnen-Ring, Neukölln, aus dem sechsten Stock und verendet kläglich. Politikstudent, Michael F. (25) sagt, seine Freundin Ilona F.-K. (47), examinierte Pflegefachkraft, habe sich das Leben nehmen wollen, der Hund glitt ihr aus der Hand. Doch am Tattag spricht er gegenüber den Polizeibeamten noch von "WERFEN". Strafbar nach § 17 des Tierschutzgesetzes. Einen Tag vor der Hauptverhandlung erklärt zudem ein Nachbar vor laufender Kamera eines RBB-Teams, Ilona F.-K. habe ihm erzählt, dass nicht sie, sondern ihr Freund Michael F. den Hund über die Balkonbrüstung warf...
Freispruch am 6.9.2007...(Beitrag vom Mo., 10.9.07)

Das hätte eigentlich ein kurzer Prozess werden können. Der Sachverhalt schien klar und übersichtlich: ein unabwendbares Unglück. Am 18. November 2006, einen Tag vor dem sonntäglichen Volkstrauertag, kommt es zwischen Paar Ilona F.-K. und Michael F. gegen 15:40 zum Streit. Beide wohnen zusammen im sechsten Stock am Michael-Bohnen-Ring an der Sonnenallee, Neukölln.

Ilona F.-K. kocht hoch. Während Michael F. möglicherweise den Unnahbaren vor dem Computer spielt, steigt Ilona F.-K. in Suizidabsicht mit Terriermix Susi auf einen wackligen Stuhl an der Balkonbrüstung. Dann geht alles sehr schnell. Ein Blick auf die verzweifelte Lebensgefährtin, der Hund geht über die Brüstung, Michael F. stürzt hinzu und zerrt die sich heftig wehrende Ilona F.-K. in das Wohnzimmer. Dort drückt er die schluchzende Frau in den Sessel. - Irgendwann will er auch vom Balkon und das Tier 'zucken gesehen' haben.

Dann ruft Michael F. die Polizei. Unfreiwillig Zeuge gewordene Passanten tun das auch. Sie warten bei dem verendenden Tier auf den Streifenwagen. - So jedenfalls erklärt Michael F., der einzige Zeuge am ersten Tag der Hauptverhandlung, die Vorgänge vom Vorjahr dem Richter. Denn am 15. August 2007 hat sich Ilona F.-K. vor dem Amtsgericht Tiergarten vor dem Amtsgericht zu verantworten. Die Anklage lautet: "grundloses Töten eines Wirbeltieres".

Einzige Unklarheit und springender Punkt am Tag der Hauptverhandlung ist, dass Michael F. in einer ersten Aussage der Polizei gegenüber erklärte, seine Lebensgefährtin habe Hund Susi über die Brüstung geworfen (!). So fragt denn auch der Richter eindringlich: "Ausgerutscht oder geworfen - das ist ein großer Unterschied."

Wortgewandt rekapituliert Michael F. die für das Tier schicksalhaften zehn Sekunden und ihre Vorgeschichte. Er berichtet von Beziehungsproblemen, von einem heftigen Krach zwei Tage zuvor, ausgelöst durch die Beengtheit der Wohnverhältnisse: "17 Quadratmeter für jeden. Da muss man ein bisschen resistent werden."

Er sagt, "Wir haben uns viel gestritten.", und erzählt von psychischen Problemen seiner Freundin, von ihren finanziellen und familiären Schwierigkeiten, von einer Insolvenz und davon, dass die getrennt lebende Ilona F.-K. nur selten ihre 16 und 18 Jahre alten Kinder zu Gesicht bekommt. Auch von der Einnahme von rezeptpflichtigen Tranquilizern und von Alkoholkonsum durch Ilona F.-K., sprich Bier, ist die Rede.

Drei, vier Jahre halte die Krise bereits an. Michael F., der Ilona F.-K. seit drei Jahren kennt, sagt: "Ilona ist suizidgefährdet. Sie wälzt zu oft Probleme hin und her und neigt zu Kurzschlussreaktionen." Sie habe sich schon einmal die Pulsadern aufgeschnitten: "Ein Bier zu viel kann schon einen zu tiefen Schnitt bedeuten."

Michael F. beteuert, unter allen Tabletten der Welt würde Ilona F.-K. den Hund nicht 'geworfen' haben. Nein, seine Aussage habe der Polizist damals falsch aufgenommen. "Der Polizist konnte meinen Ausführungen nicht folgen," erklärt er.

An dieser Stelle hätte das Verfahren eigentlich eingestellt werden können. Und vielleicht zog sich das Gericht auch zu einem solchen Entschluss zurück. Doch dann kommt es in der Pause zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall. Ein Reporter des RBB will am Tag vor dem Prozess die Nachbarschaft am Tatort mit seinem Team abgeklappert haben.

Vor laufender Kamera, so der Journalist, erklärte ein gewisser Wilfried F., Ilona F.-K. habe sich bei ihm in dieser Sache ausgeheult. Danach soll in Wirklichkeit Michael F. den Hund über die Brüstung geworfen haben. Doch weil Michael F. eine Politikkarriere anstrebt, habe Ilona F.-K. die Schuld auf sich genommen. Wilfried F. sagt: "Ilona überlegte, ob sie ihre Aussage revidiert." Und er habe geantwortet: "Mach doch, Mensch!"

Mit dieser Version der Geschehnisse konfrontiert, antwortet Michael F. selbstbewusst dem Richter: "Das kann ich Ihnen definitiv sagen, dass das nicht so war." Da habe er auch kein schlechtes Gewissen.

Doch der Richter, der sich sichtlich irritiert an das Fernsehgericht erinnert fühlt, bricht die Hauptverhandlung ab. Seine Begründung: "Wilfried F. soll gehört werden." - Als nächster Termin ist Mittwoch, der 5. September 2007, 13:30, Saal B 220 avisiert.

Sollte Michael F. die Unwahrheit gesprochen haben, kommt auf ihn neben der Klage wegen Tötung des Tierrierhundes Susi mindestens auch eine Klage wegen falscher uneidlicher Aussage hinzu. Die wird nach § 153 des StGB mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Aber selbst wenn die Aussage von Wilfried F. glaubwürdig klingt, wird es schließlich zuletzt auf Ilona F.-K. ankommen. Die jedoch macht bisher von ihrem Schweigerecht Gebrauch.


NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




gitter


Partner Michael F. und Ilona F.-K. Deckt die getrennt lebende Mutter zweier fast erwachsener Kinder den jungen Politiker einer Linkspartei, um seine Karriere zu retten?


Pressevertreter und der Ilona F.-K. vertretende Rechtsanwalt Meyer, lauschen gebannt der RBB-Aufnahme, die die widersprechenden Erklärungen eines Nachbarn wiedergibt. Das Interview wurde abends auch in den Nachrichten ausgestrahlt .

Anzeige
Kanzlei Luft
In eigener Sache:
Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
Kanzlei Hoenig Kanzlei Hoenig