sitemap
Startnext Hexenberg Theater Kanzlei Hoenig
gitter
zur Startseite
Mitfahrgelegenheit, blablacar

aus dem moabiter kriminalgericht


Ausgerastet: Streit um Parkplatz eskalierte


von Barbara Keller

31. Juli 2007. Amtsgericht Tiergarten. Schöffengericht. Abt. 294
Weil ihm eine Autofahrerin den weit und breit einzigen Parkplatz versperrte und die Frau seine darauf folgenden verbalen Attacken nicht hinnehmen wollte, verlor der Geologe Falko K. (46) erst die Contenance und dann völlig die Fassung. Am 10.10.2006 nimmt Falko K. die dreifache Mutter und Altenpflegerin Gabriele K. (28) in der Pankower Straße Schweizer Tal auf die Kühlerhaube, fährt mit ihr Schlangenlinien, nötigt sie zu waghalsigen Stunts und schleudert sie schließlich von der Motorhaube, um mit offener Heckklappe über die Fußgängerzone des Hugenottenplatzes davonzurasen.

Am Dienstag, dem 10.10.2006, gegen 17:40 parkt Gabriele K. (28) mit ihrem VW Golf II in der Pankower Straße Schweizer Tal in zweiter Reihe. Die Altenpflegerin und Mutter dreier Kinder ist auf dem Weg zum Kindergarten, um ihre Tochter abzuholen. Sie will nur schnell in den Blumenladen - einem Vietnamesen, der auch eine Änderungsschneiderei führt, um ihr Kleid abzuholen. Ihr sechsjähriger Sohn Florian wartet derweil im Wagen.

Als sie wieder herauskommt, müht sich ein Autofahrer vor ihr in eine Parklücke, die Gabriele K. zum Teil versperrt. Aber Zurücksetzen geht nicht, denn hinter ihr drängelt bereits ein weiterer Autofahrer. - Eine eigentlich alltägliche Situation, nichts Ungewöhnliches.

'Blöde Kuh' mit Stinkefinger

Doch als Gabriele K. dann kurz darauf auf Höhe der Post an diesem Autofahrer vorbeifährt, zeigt er ihr den "Stinkefinger" und beschimpft sie mit "blöde Kuh" . Gabriele K. fragt ihn, ob er schon einmal eine Anzeige wegen Beleidigung erhalten hat. Doch der Mann, der gerade mit dem Ausladen von Päckchen beschäftigt ist, bleibt unhöflich.

Die Heckklappe seines Autos steht offen. Deshalb stellt sich Gabriele K. vor den Wagen, um das Kennzeichen des cholerischen Mannes zu notieren. Da steigt der Mann plötzlich in das Fahrzeug und fährt ruckartig auf sie zu. Als sie weiter schreibt, fährt er sie ein erstes Mal an und los. Gabriele K. springt, um sich zu retten, auf die Kühlerhaube und klammert sich an den Scheibenwischern fest.

Das Fahrzeug fährt Schlangenlinien, immer wieder hält es ruckartig, wird sie von der Motorhaube vor den Wagen geschleudert. Gabriele K. bleibt gerade soviel Zeit, um wieder auf das Auto zu springen. Sie schreit um Hilfe. Schließlich wird sie beiseite geworfen. Der Amokfahrer rast mit offener Heckklappe über die Fußgängerzone des Hugenottenplatzes davon. Zwei Straßenzüge weiter wird er auf der Matthieustraße von der Polizei gestoppt.

'Weil sie nicht zum Zuge kam!'

Für Falko K. (46), den Amokfahrer, ist der Fall klar: Gabriele K. ist schuld. Noch in seinem letzten Wort während der ein halbes Jahr später stattfindenden Gerichtsverhandlung erklärt er larmoyant: "Die Situation eskalierte, weil sie nicht zum Zuge kam." Und, trotz etlicher Zeugen: "Ich habe die Frau nicht angefahren."

Aus der Perspektive von Falko K. geschah Folgendes: Am Dienstag, dem 10.10.2006, ist der Geologe Falko K. mit seiner schwer gehbehinderten Mutter auf dem Weg zur Post, um ein Päckchen und ein Paket aufzugeben. Falko K. steht unter Druck, denn in 20 Minuten wird die Postfiliale schließen.

Weit und breit ist nur ein Parkplatz frei. Doch der wird von einem VW Golf II blockiert. Falko K. startet trotzdem einen Parkversuch. Dann, als die Fahrerin des Wagens zurückkehrt, ärgert er sich, dass die Frau nicht zurücksetzt.

Befreit mit Gegenanzeige

Der Geologe parkt schließlich kurzerhand auf der Feuerwehrauffahrt der Post und schickt seine Mutter mit dem Päckchen in die Filiale. Er selbst will mit dem Paket nachkommen. Dann sieht er die Frau, die ihm das Einparken verwehrte und drohte ihr mit dem Finger. Ein Wortgefecht. Und was dann passiert, erklärt Falko K. so: "Ich war sehr erregt. Ich wollte nur, dass die Frau endlich von meinem Auto ablässt." - Richtig befreit sei er nach seiner Amoktour gewesen.

Dass diese Tour der dreifachen Mutter auch das Leben hätte kosten können, auf die Idee kommt Falko K. bis zuletzt nicht. Nein, er erstattet gegen Gabriele K. sogar Anzeige wegen Nötigung und fordert 700 Euro von ihr.

Ein halbes Jahr später, am 31. August 2007, findet am Amtsgericht Tiergarten gegen den 46-jährigen Geologen eine Gerichtsverhandlung unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung statt. Sieben Zeuginnen, darunter zwei Schülerinnen, eine Geschäftsfrau vom Hugenottenplatz, eine Schlecker- eine Bäckereiverkäuferin und eine Friseuse bestätigen im wesentlichen den Tathergang wie von Gabriele K. beschrieben. Angelika T. (46), Geschäftsfrau vom Hugenottenplatz, die beobachtete, wie Gabriele K. auf einer Strecke von rund 60 Metern - zwischen Zooladen und Apotheke - mehrmals von der Motorhaube geschleudert wurde und wieder aufsprang, sagte: "Ich dachte, die drehen einen Film!"

Vierzehn Monate Haft

Falko K. gab im wesentlichen einen bockigen Eindruck, auch wenn er im Anfang seiner Ausführungen noch beteuert hatte: "Es tut mit Leid, dass das passiert ist. Ich kann mir das gar nicht vorstellen."

Das Urteil für Falko K. lautet schließlich: 14 Monate und zwei Wochen Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Entzug der Fahrerlaubnis für drei Jahre und eine Geldbuße von 1.000 Euro, zahlbar in monatlichen Raten von 100 Euro. In seiner Urteilsbegründung machte der Richter deutlich: zwar sei das Parken in zweiter Reihe grundsätzlich nicht erlaubt. Aber wegen einer derartigen Nichtigkeit auf einen Menschen mit dem Auto zuzurasen sei eine "ganz schlimme Sache". Und: "Es hätte schlimmer ausgehen, eine 'fahrlässige Tötung' dabei herauskommen können."

NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




gitter


"So nicht!", explodierte der 46-jährige Geologe Falko K. und raste auf Gabriele K. zu, die sich das Kennzeichen seines Wagens notieren wollte.


Gabriele K., die zahlreiche Hämatome an Armen, Beinen und Becken davontrug und einen Monat lang krankgeschrieben war zu dem Vorfall am 10.10.2007:

(mp3: 25 sek/146 kb)


Anzeige
Kanzlei Luft
In eigener Sache:
Barbara Keller, Sieht so eine Mörderin aus?
Kanzlei Hoenig Kanzlei Hoenig