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aus dem moabiter kriminalgericht


Wenn Kinder Sex wollen


von Barbara Keller

9. Februar 2004. Kriminalgericht Moabit. Norbert L. (40) ist empört. Ihm kommt das wie ein "ganz groß aufgezogenes Theater" vor. "Man behandelt mich wie einen Schwerverbrecher." Dabei, so der Angeklagte: " ... beruhte alles auf Gegenseitigkeit." "Sie schrieb mir Liebesbriefe!" - Die Frau, von der Norbert L. spricht, ist seine Stieftochter, Sonja S. - jetzt 20 Jahre alt. Als sie diese angeblichen "Liebesbriefe" schrieb, kann sie nicht älter als 12 Jahre alt gewesen sein. Und nicht viel älter war sie auch, als Norbert L. sie gegen ihren Willen deflorierte. Später machte er die ängstliche Dulderin zu seiner Gefährtin. Zu Sonjas Pflichten gehörte mindestens dreimal Sex die Woche. Darunter Rollen- und Fesselspiele mit Latexwäsche.
(Zu weiteren Berichten: -2-, -3-)

Der Angeklagte, ungelernt, ist seit zwei Jahren arbeitslos, derzeit in Umschulung zum Altenpfleger und hat sechs leibliche Kinder. Er lernt Britta L., Sonjas Mutter, im Eisstadion kennen. Er ist Eishockey-Fan und Sonja S. damals 12 Jahre alt. Anfangs läuft alles normal. Aber dann trinkt Norbert L. viel und es häufen sich die Streitereien zwischen den Eltern. Norbert L., jähzornig und leicht aufbrausend, wird dabei immer wieder gewalttätig. Sonja S. geht in Angst um die Mutter dazwischen. "Er hat sie einfach zusammengetreten."

Das erste Mal vergewaltigt Norbert L. seine Stieftochter, als sie 13 Jahre alt ist. Britta L. ist mit den anderen Kindern ins Frauenhaus getürmt. Der Angeklagte fühlte sich allein gelassen und "da rückten wir zusammen". Erstmals muss Sonja S. ihre Mutter im Bett - bzw. auf dem nackten Fußboden - vertreten. Nobert L. beschreibt das so: "Es passierte auf Gegenseitigkeit. Es hat sich praktisch vollzogen." Im Detail will er sich nicht erinnern. Auch nicht daran, dass er Sonja S. wissentlich deflorierte.

Sonja ist eine kleine, pummelige Person mit langen, lockigen, nach hinten gebundenen Haaren. Die schüchterne, schweigsame Jugendliche trägt einen schwarzen Wollpullover, dunkle Stoffhosen, weiße Lederturnschuhe. Norbert L. beschreibt sie als selbstständig, zuverlässig, pünktlich. Dennoch streitet der Angeklagte mit ihr herum. Sonjas Version über die Vergewaltigung klingt etwas anders: "Es war schnell, grob und schmerzhaft." Nach kindlicher Gegenwehr "hab ich's mir einfach gefallen lassen, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte." - Der Stoff aus dem pädophile Träume gestrickt sind.

Nach diesem traumatischen Erlebnis fährt Sonja S. wortlos zu ihrer Mutter. Sie redet mit niemandem darüber, was passiert ist. Dem Jugendamt gegenüber, das im Bild gewesen sein soll, leugnet sie das Geschehen ab. Die Behörde lässt den Fall auf sich beruhen. Als die Mutter den heute Angeklagten verlässt, tritt Sonja S., von Norbert L. genötigt, deren Nachfolge an. Da ist sie vielleicht 15 Jahre alt.

Auch den Sex mit Latexwäsche, Fesselspiele. Norbert L. gibt alles zu. - Denn es beruhte ja auf Gegenseitigkeit. - Wogegen sich der "Vernichtungstrinker" (so bezeichnet sich der Angeklagte selbst) strengstens verwehrt: Gewalt. Die will er nicht ausgeübt haben: "Ich würde nie jemanden schlagen, dass er nicht wieder aufsteht." Aber ein "Arschvoll" mit blauen Flecken darf's schon sein, denn: "Ich bin kein Typ, der sich provozieren lässt." Und obwohl man mit Mädchen "nur energisch zu reden braucht", damit sie spuren, steckte Sonja S. wie ihre Mutter einige Schläge ein.

Es dauerte vielleicht ein dreiviertel Jahr, bis Sonja den Mut hatte, aus dieser symbiotischen Konstellation auszubrechen. Noch etwas mehr Zeit brauchte sie für eine Anzeige. Und zwei Jahre vergingen mit der behördlichen Vorbereitung dieses Prozesses.
Leicht ist es für Sonja S. nicht, in Gegenwart des grinsenden, feixenden Norbert L., dessen Freunde im Publikum lachen, auszusagen. Sonja S.: "Ich bin froh, wenn das endlich vorbei ist." Kompetent und einfühlsam vertreten - auch in der Nebenklage - wird sie durch Rechtsanwältin Undine Weyers.

Bisher sind vier weitere Verhandlungstage anberaumt. Die Beweisaufnahme ist noch nicht abgeschlossen. Was Norbert L. im Urteil droht? Angeklagt ist er wegen Vergewaltigung. Das dürfte nicht unter zwei Jahren Haft abgehen. Käme noch sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen ins Spiel, könnte durchaus noch ein Nachschlag hinzukommen.



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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Wegen Vergewaltigung angeklagt: Norbert L.

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