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aus dem moabiter kriminalgericht


Auge um Auge, Zahn um Zahn ...


von Barbara Keller

15. Dezember 2005. Kriminalgericht Moabit. 17. Gr. Strafkammer.
Am Freitag, dem 29. Juli 2005 zündet Joachim P. (51) das "Café am See" in Mahlow an und bricht im Anschluss daran in das Haus der Gastwirtin ein, um sie auszurauben. Das Café brennt bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden: 350.000 €. Nachdem das Wochenende vorüber ist, lauert Bauhelfer Joachim P. dann am frühen Morgen vor dem Haus seines ehemaligen Arbeitgebers in Lichtenrade herum. - Joachim P. treiben alter und neuer Hass, Wut und Rache.


Joachim P. wartet bis Winfried J. (47), Bauunternehmer, gegangen ist, dann steigt er durch den Keller in das Haus ein. Dort entdeckt er, vermutlich wie erhofft, die 17jährige Tochter des Hauses schlafend in ihrem Dachbodenzimmer. Mit den begleitenden Worten "Das hast du alles deinem Vater zu verdanken" vergewaltigt und demütigt er sie. Als Winfried J. um 9:00 nach Hause kommt, findet er seine Tochter misshandelt, gefesselt und missbraucht vor. Joachim J. hat sich mit Geld, Schmuck und dem BMW der Familie aus dem Staub gemacht.

Während dieser Zeit und der Woche darauf bis zu seiner Festnahme hält sich Joachim P. im Umfeld des Hauses seiner ehemaligen Freundin Ilona K. (56) auf. Mal schneidet er ihr ein Kabel durch, mal dringt der Zigarettenrauch von Joachim P., der vor dem Haus steht, in ihr Schlafzimmer hoch. Ilona K. hat Angst, mindestens seit sie seine SMS mit der eindeutigen Botschaft "Hass" erhält.

Alte Rechnungen

Was Joachim P. antreibt, ist Hass und der Gedanke an gnadenlose Rache. Nachdem er seine 1 1/2 Jahre währende Liebe mit einem Abschiedszettel beendete ("Meine Liebe, es tut mir leid, gehen zu müssen ...") und Ilona K. seinem zaghaften Rückkehrversuch mit einem Rausschmiss begegnete, liegen die Nerven blank. - Jetzt sollen alte Rechnungen beglichen werden.

Und das in einer Art, die dem Mann, der bereits 17 Jahre seines Lebens hinter Gitter verbrachte, ein Entree zurück in den Knast verschafft. Einer Welt mit festen Regeln, in der die, wenn auch lausigen, Erwartungen mit den Erfüllungen in Einklang stehen.

Nur geholt, was ihm zustand

Die offenen Rechnungen gelten zum Einen Barbara K. - Im November 1994 vergewaltigte und misshandelte Joachim P., Angestellter und Freund der Familie, die Wirtin des "Cafés am See" in einer 17 Stunden währenden nächtlichen Tortour. Er nahm sich auf brutale Art nur, was ihm zustand. So meinte Joachim P. dann vor dem Potsdamer Gericht. Das verurteilte ihn jedoch zu einer Haftstrafe von acht Jahren.

In diesen acht Jahren, in denen er auch eine Flucht versucht, sann Joachim P. mindestens jeden zweiten Tag auf Rache. - Zwei Jahre nach Haftentlassung und nach dem Ende einer eigentlich glücklichen Liebe mit Ilona K. kriecht auch dieser alte Hass aus der Büchse der Pandora.

Rechnung 2. Winfried J. - Nachdem Ilona K. ihren Freund Joachim P. Mitte Juli 2005 hinauswarf, kündigte er auch den durch seine Freundin vermittelten Bauhelferjob. Ganze sechs Wochen hatte er für Winfried J. geschuftet. Davon sollten vier als so genannte "Gutstunden" unbezahlt bleiben. Aber auch auf das Geld für die restlichen zwei Wochen wartete er vergeblich.

Frist abgelaufen

Vermutlich ging Joachim P. jeden Tag zur Bank. Stichtag war Montag, der 1. August 2005. Als das Geld auch an diesem Tag nicht auf dem Konto ist, schlägt er am Dienstagmorgen zu. Und Joachim P. verletzt seinen Arbeitgeber, den Familienmenschen Winfried J., an einem Punkt, der ihn am schwersten trifft. Er vergeht sich an seiner Tochter.

Vielleicht gab es auch noch eine dritte offene Rechnung. Eine Rechnung mit Ilona K., von der er sich immer wieder bevormundet fühlt und die ihren Sohn, das Nesthäkchen, vor seinen Anwürfen in Schutz nahm. - Aber eine Woche nach seinem Einbruch in Lichtenrade schnappt die Polizei Joachim P. auf einer Tankstelle.

Vor Gericht am 15. Dezember 2005 hört man von Joachim P. nur einen zusammenhängenden Satz: "Ich schweige", sagt er mit sicherer, tiefer Stimme laut. - Das als sein letztes Wort. Von seinem Verteidiger Paul Eisermann lässt er eine Erklärung mit seinem Geständnis verlesen.

"Ein außergewöhnlicher Mensch"

Von Dr. Tamas Tänzer, Gutachter für Neurologie und Psychiatrie, schließlich hängt ab, worauf alle hoffen: ob Racheengel Joachim P., erst einmal, 'für immer' hinter Gittern verschwindet. - Auch Gutachter Tänzer bestätigt, was das Gericht der burschikosen Ilona K. vielleicht zunächst nicht glauben mag: Der Angeklagte ist ein "sympathischer, hochintelligenter Mann". Tamas Tänzer: "Joachim P. ist ein außergewöhnlicher Mensch!"

Joachim P., in Pößneck (DDR) geboren, wächst seit seinem ersten Lebensjahr als Halbwaise auf. Als sein Vater, ein Bergmann, zusammen mit seinem Bruder den Tod eines Sowjetbürgers verschuldet, flüchtet der Bruder mit seiner Familie in den Westen, der Vater erhängt sich.

Joachim P. ist der kleine Prinz der Restfamilie, insbesondere der Oma. Solange, bis die ersten Liebhaber der Mutter, eine gelernte Friseuse - die in der Lederfrabrik arbeitet - auftauchen. Als das Blatt sich für ihn wendet, beginnt Joachim P., herumzustreunen, kommt ins Heim und wird bald straffällig. Diebstähle, Körperverletzungen führen zu einigen Verurteilungen und zu einer ersten einschlägigen Bestrafung 1988. Drei Jahre Haft lautet das Urteil, das 1989 in den Freuden der Wiedervereinigungsamnestie aufgeht.

"Gefährlich in vieler Hinsicht"

Der Rest ist bekannt. Gutachter Dr. Tamas Tänzer erklärt schließlich in seinem Gutachten: "Joachim P. ist gefährlich in vieler Hinsicht." Und empfiehlt die Sicherheitsverwahrung nach Verbüßung der Haftstrafe.

Dem folgt in seinem Urteil dann auch das Gericht. Es verurteilt Joachim P., der zu "schnellen, gewalttätigen Übergriffen" neigt und bereits zwei Jahre, nachdem er aus achtjähriger Haft entlassen ist, rückfällig wird, zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren mit anschließender Sicherheitsverwahrung. - In zwölf Jahren wird alle zwei Jahre (praktisch ab 2019) auf Antrag über eine Entlassung aus der Sicherheitsverwahrung entschieden.



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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Auf Verlust und Bevormundung reagiert Bauhelfer Joachim P. (51) allergisch. Er duldete schweigend bis sein Hass in einem Feuerwerk der Rache explodierte.


Das andere Gesicht des eigentlich intelligenten, sympathischen Joachim P. aus glücklicheren Tagen.


Ilona K. (56) machte mit ihrem Freund Joachim P. Schluss und löste damit ungewollt eine Spirale der Gewalt aus.


Barbara K. (54), Wirtin des von Joachim P. im Juli 2005 in Brand gesteckten "Cafés am See" in Mahlow. Wurde gleich zweimal Opfer von Joachim P. Bereits 1996 vergewaltigt, gedehmütigt und nun auch noch der Existenz beraubt.


Ehepaar Winfried J. sollte 'büßen', weil Joachim P. noch Lohn von ihnen erwartete. Er brach morgens in ihr Haus ein, überfiel die 17jährige Tochter im Schlaf, vergewaltigte und quälte sie mit den Worten: "Das hast du deinem Vater zu verdanken."

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