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krimirezension ab 2003-2013

 

Susanne Goga
"Die Tote von Charlottenburg"
DTV - 1. Juli 2012
ISBN-10: 3423213817
9,95 €

Die Tote von Charlottenburg

von Barbara Keller


Berlin 1923, verrückte Zeiten. Galoppierende Arbeitslosigkeit, Hyperinflation. Kapp-Putsch, Hitler-Putsch, Rathenau-Mord. Den Berlinern dienen Waschkörbe als Portemonnaies, in New York ist ein Dollar eine Millionen Mark wert.- Und in Charlottenburg, so will es der Krimi, wird die Leiche einer eigentlich selbstbewussten, lebenslustigen Ärztin gefunden. Eine 'harmlose' Lungenentzündung mit Todesfolge wird Mord und in Folge dritter Fall des Kommissars Leo Wechsler...
Wer ihn noch nicht kennt, den legendären, historisch verbürgten Polizeibeamten und Leiter der Berliner Inspektion A (Mord und Körperverletzung) Ernst Gennat (1880-1939), der lernt dessen liberalen Geist über den fiktiven Kommissar Wechsler spätestens jetzt kennen. Denn Wechsler ist praktisch der literarische Stellvertreter des 1923 gerade 43jährigen "Buddha der Kriminalisten" Ernst Gennat.

Der Witwer Wechsler ist alleinerziehender Vater. Er lebt mit seiner Schwester zusammen, die ihm den Haushalt führt. Wechslers Lebensumstände scheinen sich gerade zu seinen Gunsten zu wenden. Er hat Clara kennengelernt. Eine Buchhändlerin, die den neuen, selbstbewussten Frauentyp der Nachkriegszeit verkörpert. Wie übrigens auch die alleinstehende Ärztin Henriette Strauß, die ihren Titel in der Schweiz erwarb und die jetzt allerdings an einer akuten Lungenentzündung verstorben ist.

Als deren Neffe auf dem Revier erscheint, um den Anfangsverdacht eines Tötungsdeliktes auf der Inspektion A anzuregen, wird aus einem bedauerlichen Todesfall ein Mordfall. Eine harte Nuss für Kommissar Wechsler, denn ein Motiv für diese Tat scheint weit und breit nicht erkennbar. Zunächst. Doch dann ergeben sich erste Ansätze in der Klinik, in der Strauß arbeitete und in der fragwürdige Experimente an Patienten an der Tagesordnung sind. Aber auch den inneren Kreis der Familie Strauß trägt bei weitem nicht nur pure Harmonie.

Der neue, ehrgeizige Mitarbeiter Sonnenschein, den Chef Gennat seinem Kommissar Wechsler anvertraut, treibt mit seiner unbedarften Herangehensweise und seinem wachen Verstand die Ermittlungen entscheidend voran. Als im Herbst 1923 im Berliner Scheunenviertel ein Judenprogrom ausbricht, stellt sich Wechsler schützend vor die Familie seines Mitarbeiters und bekommt neben der nötigen Rückendeckung auch eine ordentliche Portion Kuchen von seinem Chef Gennat, dem "vollen Ernst".

Fazit: Im Schlepptau der Berliner Ermittler durch das Berlin der 'Goldenen Zwanziger'. Würstchen im Schlafrock, wirtschaftlicher Zusammenbruch mit Leiche. Ein gelungener Exkurs.



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