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krimirezension ab 2003-2013

 

Malcolm Pryce
"Aberystwyth Mon Amour"*
Shayol Verlag 2006
ISBN-10: 3926126590
12,90 €

Any Karthographen Schmäh

von Barbara Keller


Privatdetektiv Louie Knight kämpft gerade an vorderster Front der Beschäftigungslosigkeit, als die schöne Myfanwy Montex, ihres Zeichens Chanteuse, in sein von allen Aufträgen bares Büro schneit. Myfanwys Vetter ist verschwunden und sie befürchtet Äußerstes. Louie Knight kann nicht widerstehen. Bald findet er sich in einem Wust kriminellen Strebens wieder, das dem schnöden Mammon und der Auslöschung Aberystwyth' gilt.

Die Plots eines Raymond Chandler sind oft 'kompliziert'. Jahrelang kann man sich wiederholt die "Die Tote im See" als Hörspiel zu Gemüte ziehen, ohne zu erfassen, warum sich das mörderische Paar, das den Tod der attraktiven Doppelgängerin im Little Fawn Lake verantwortete, nicht einig war. Und das nicht nur, wenn man so um die Stelle, wo Sheriff Jim Tinchfield lakonisch knarzend feststellt "Tja, eine so wunderschöne Nacht und wir müssen uns mit einem Mord herumschlagen..." in der Regel einschläft.

Auch der Autor Malcolm Pryce legt mit "Aberystwyth Mon Amour" ein sehr verwickeltes Handlungsgestrüpp hin. Wie sollte es auch anders sein bei einem gebürtigen Waliser, der tatsächlich aus dem schönen 12.000 Einwohner zählenden Seebad Aberystwyth stammt und dessen erster Kollegenheld, wie er selbst sagt, (natürlich) Raymond Chandler ist. - Aberystwyth übrigens: eine abgelegene Kleinstadt, auf die im Sommer 2006 das Schlaglicht des medialen Weltinteresses fiel, als ein mysteriöser Geldregen das Städtchen heimsuchte.

Zur Handlung: In Aberystwyth sagen sich gewöhnlich Fuchs und Hase 'Gute Nacht'. Und für den Privatdetektiv Louie Knight, dessen Büro an der Ecke direkt über dem orthopädischen Schuhladen an der verruchten Seepromenade liegt, bedeutet das eine chronisch traurige Auftragslage.

Das ändert sich prompt, als besagten Sommers die berühmt berüchtigte Chanteuse Myfanwy Montex in sein einsames Domizil weht. Sie beklagt das Verschwinden ihres nichtsnutzigen Vetters Evans the Boots. Ein übler Bursche, ein schlimmer Rowdy und Gelegenheitsdieb.

Es nimmt nicht Wunder, wenn dessen Verschwinden in Aberystwyth niemanden recht schmerzen will. Auch Louie Knight nicht. Aber das ewige Rätsel der verschwiegenen Schönheit... Louie tritt ohne viel Umschweife in die Fußtapsen seines Onkels Noel. Der, ein Ritter in Not geratener Frauen, sein Leben bei einer fragwürdigen Rettungsaktion einer womöglich nicht einmal existenten Schönen ließ.

Welch schweres Erbe für Louie Knight. Ohne den Ursachen dreier Morde, darunter dem gewaltsamen Tod des besagten Vetters, auf die Spur zu kommen, gerät er rasch in die Ziellinie hiesiger krimineller Kreise. Den mafiosen Druiden ebenso wie der mörderischen Herz-Jesu-Liga.

Was Sherlock Holmes sein Dr. Watson und Commissario Brunetti seine Signorina Elettra ist Loui Knight die kleine Calamity Jane. Ein ausgeschlafenes Schulmädchen, das Louie unfreiwillig in der Spielhölle an der 'Prom' kennen lernt und das er für 50 Pence den Tag schließlich anstellt. Sie ist es, die Louie über einen verräterischen Schüleraufsatz auf das verbrecherische Duo Lovespoon, Jenkins und Dai Brainboks bringt. - Als sich Louie zusammen mit dem Dorfsheriff Llunos dem Trio Infernale an die Fersen heftet, ist es um das schöne Seebad Aberystwyth jedoch schon fast geschehen.

Fazit: Vergnügliche Lektüre urkeltisch, walisisch krimineller Sonderlichkeit.


"Malcolm Pryce wurde in Großbritannien geboren und lebt seit Anfang der 90er Jahre im Ausland. Er arbeitete unter anderem an der Fertigungsstraße eines Autoherstellers, als Tellerwäscher, Aluminium-Verkäufer, Matrose auf einer Yacht in Polynesien und Werbetexter. Zur Zeit lebt er in Bagkok und schreibt an seinem vierten Aberystwyth-Roman." (... sagt der Shayol Verlag)


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