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krimirezension ab 2003-2013

 

Leon de Winter
"Malibu"
Der Audio Verlag
ISBN 3-89813-250-1
5 Audio-CD's/388 min
29,95 €

Geheimnis und Schicksal

von Barbara Keller


Venice/Kalifornien. Ein scheinbar ganz normaler Tag im Dezember des Jahres 2000. Joop Koopmann - alleinerziehender Drehbuchautor mittleren Alters und Erfolgs - verabschiedet seine 17jährige Tochter nach einem gemeinsamen Frühstück in den Tag. Ein Motorradunfall geschieht - kurz darauf soll in seinem Leben kein Stein mehr auf den anderen passen.

Die Ursache der nun folgenden, schicksalbestimmenden Ereignisse gründen in der jüdischen Herkunft Joop Koopman, mit der er - überzeugter Atheist wie sein Vater und Amerikaner - nichts mehr zu tun zu haben glaubt.

Joop K. ist Niederländer. Sohn eines deutschen Mathematikers und einer jüdischen Mutter. Sein Großvater, Teegroßhändler - griechischer Jude sephardischer Abstammung (spanisch-portugiesisch) - wird 1943 in einem polnischen Städtchen ermordet. Der Großvater hinterlässt ein beachtliches Vermögen, das in den Kriegwirren abhanden gekommen scheint und das die Familie abgeschrieben hat. Joop K. geht in die USA, um dort sein Glück als Drehbuchautor zu suchen.

Er findet Aufträge, seine große Liebe Ellen. Eine Maskenbildnerin, mit der er das Wunschkind Miriam - der zweite Vorname seiner Großmutter - großzieht. Die Ehe kommt nach Jahren in die Krise. Der neuralgische Punkt scheint unüberwindbar. Ellen trennt sich von Joop.

Als Schulfreund Philip aus Den Bosch auf der Bühne erscheint, lebt Joop K. in trautem Frieden mit seiner Tochter, die er abgöttisch liebt. Und die am Tag des Beginns der Romanhandlung ihren 17. Geburtstag feiert. Philip möchte Joop für den Mossad einspannen. Er sucht händeringend einen niederländischen, venicer Juden zum Auskundschaften eines Niederländers marokkanischer Abstammung, der des Terrorismus verdächtig ist. Und es gelingt ihm fast.

Doch Joop, durch den Tod seiner Tochter in extreme Gemütsverfassung gebracht, befreundet sich mit dem "Objekt", diesem legasthenischen "unschuldigen Esser". Und bricht die Abmachungen mit dem Mossad, die ihm immerhin einen Auftrag für ein Skript für "Showcrime" einbringen. Aber ist der "unschuldige Esser" tatsächlich ein muslimischer Kamikaze, der die Golden Gate Brigde in die Luft sprengen will?

Auch Linda, Joops erste triebgesteuerte Liebe aus fernen Jugendtagen taucht plötzlich wieder auf. Aus der Sinnlichkeit triefenden Frau ist zu Joops Erstaunen scheinbar eine "stille Frau mit Schlabbergewand" geworden, die einen buddhisten Mönch im Schlepptau führt, der behauptet, die Reinkarnation Joops Großvater zu sein. Mit seiner trockenen Mitteilung, "Ich bin Ihr Großvater", erzeugt der Asiate bei Joop nichts als Wut. Trotz aller Gegensätzlichkeit verliebt sich Joop jedoch noch einmal in Linda.

Am Ende der fünf Audio-CD's ist Joop K. ein bestohlener, betrogener, bettelarmer Mann. Ein entlaubter Baum, über den der Sturm hinwegfegt. Aber auch ein Mann, der sich Stolz und sein Herz bewahrt und der sich mit dem Tod seiner Tochter endlich abfinden kann.

Mit "Malibu" erzählt Leon de Winter eine Spionage- nebst Betrugsgeschichte, die einen weiten, nie nachlassenden Spannungsbogen führt und die beeindruckt durch die vielen Charakterbeschreibungen und Skizzen von Nebenschauplätzen in Vergangenheit und Gegenwart. Ein Mann in der Midlifecrisis wird eingeholt von der vergessenen Familiengeschichte, der Politik und dem Schicksal. Das alles kunstvoll verwoben mittels einfacher Sprache und großer Menschenkenntnis.

Der Auto von "Malibu", Leon de Winter (*1954), ist selbst Niederländer und Sohn orthodoxer Juden. Bestsellerautor seit seinem Buch "Hoffmanns Hunger" (1990, deutsch 1994). Verheiratet mit Jessica Durlacher lebt de Winter auch in Santa Monica/Kalifornien. In Hollywoodnähe. Denn dem Film gilt de Winters große Liebe. Mehrere seiner Filme hat er bereits als Regisseur in Filme umgesetzt.

Leon De Winter Die wunderbare Hörspielumsetzung verdankt de Winters (Bild lins) Roman Regisseur Ralf Becher (*1948) - u. a. "Jahrestage". Uwe Johnson; "Siddartha". Herrmann Hesse und "Das sterbende Tier". Philip Roth. Die Erzählstimme lieh A.-Grimme-Preisträger Gunter Schoß, der zu den bekanntesten Sprechern im Rundfunk zählt. Er ist die Synchronstimme von Sidney Poitier und Donald Sutherland, des unheimlichen Mister X in "Akte X" und des Panthers aus dem "Dschungelbuch".



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