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krimirezension ab 2003-2013

 

Christian v. Ditfurth
"Mit Blindheit geschlagen"
Kiepenheuer & Witsch 2004
ISBN 3-462-03416-2
19,90 €

Den Tod im Gepäck

von Barbara Keller


Stachelmann, die Zweite. - Dieses Mal liegt dem Lübecker Historiker Josef Maria Stachelmann die Schlinge bereits fest um den Hals. Schuld ist der One-Night-Stand mit Ines Griesbach, der Frau eines neuen Kollegen und beruflichen Rivalen in spe. Als die hysterische Ines Stachelmann bittet, ihren plötzlich verschwundenen Gatten Wolf zu suchen, folgt er sklavisch seinem Schuldkomplex. Zurück von den etwas lustlosen Nachforschungen in Berlin findet Stachelmann jedoch statt seiner Reisetasche eine Leiche im Kofferraum seines Wagens: Wolf Griesbach, verpackt in einen schwarzen Müllsack. - Ein Buch über deutsche Vor- und Nachwendewirklichkeit, Gewissenlosigkeiten, über die Chancenlosigkeit eines Unschuldigen vor der hiesigen Justitia und behäbige Forschersitten an deutschen Unis. – Spannend, kritisch, humorvoll.

Was in keine historische Abhandlung passt und ohnehin nur einen Spezialistenkreis von einigen Hundert Kollegen erreicht: schreib es in einen Krimi und mach’s populär. Letzteres ist Christian v. Ditfurth bereits mit seinem ersten Stachelmann-Krimi "Mann ohne Makel" gelungen, in dem es um die späte Rache eines schwerkranken, alten Juden an einem Hamburger Kriegsgewinnler geht.

Dieses Mal gerät der mit Arthritis geschlagene Lübecker Historiker in eine Nachwendetragödie mörderischen Ausmaßes, die ihn zum Hauptverdächtigen macht. Noch immer harrt Stachelmanns Habilitationsschrift der Vollendung. Und Kollegin Anne Derling, die lange vergeblich auf den entscheidenden Schritt von ihm wartete, hat in der Zwischenzeit ein Kind von einem anderen.

Als der neue Kollege Wolf Griesbach seinen Einstand am Hamburger Historischen Institut gibt, erliegt der labile Stachelmann dem berechnenden Charme Irene Griesbachs. Die seltsam entschlossene Sirene lädt ihn kurz darauf in ihr Strohwitwerbett. Mit verheerenden Folgen.

Ein Wilhelm von Ockham ist Stachelmann, Detektiv wider Willen, bestimmt nicht. Auch wenn er gelegentlich Anleihen bei dem klugen und mutigen Franziskaner des 14. Jahrhunderts aufnimmt, der mutig die Trennung von Kirche forderte und gegen den Papst stritt. (In "Der Name der Rose", Umberto Eco, teils von der Figur des William von Baskerville verkörpert.) Dazu fehlen dem Lübecker Historiker der Willen zur Askese und der durchdringende Verstand. Aber auch Stachelmanns Ansichten sind geradlinig und vernünftig. Und als ihn seine Intuition geradewegs hinein in die Sackgasse eines Justizirrtums führt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Fall selbst zu lösen.

Justizirrtum ist auch in deutschen Landen kein Fremdwort. Wer einmal als Verdächtiger in die Mühlen der Justitia geraten ist, dem gnade sein Schutzengel. Auch im Stande der Unschuld verbraucht sich leicht Gesundheit, Karriere und Reputation. Aber Stachelmann wäre nicht Stachelmann, wenn er da nicht herauskäme. Und zum Glück hat er ja seinen ungeliebten Freund Ossi Winter. Oberkommissar in Lübeck. Pessimist, tönender Macho und Trinker.

Dieses Mal läst Ditfurth seinen unfreiwilligen Privatdetektiv in den Untiefen jüngster deutscher Geschichte graben. Es geht um die Realität deutscher Fluchthelferbanden, ost- und westdeutsche Überzeugungen und Schicksale, den allgegenwärtigen ostdeutschen Geheimdienst und ein Gewissen, das schließlich den Mord und seine Vertuschung herausfordert. Auch dieses Mal überlebt Stachelmann unversehrt. Bereit, einen weiteren Fall zu lösen.

"Christian v. Ditfurth, Jahrgang 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor und Lektor in Lübeck. Er hat zuletzt die viel beachteten Romane "Die Mauer steht am Rhein". Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus" (1999), "Der 21. Juli" (2001), "Der Consul" (2003) und "Mann ohne Makel". Stachelmanns erster Fall" (2002) veröffentlicht." (kiwi)
www.cditfurth.de



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