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krimirezension ab 2003-2013

 

D. B. Blettenberg
"Farang"
Pendragon 2004
ISBN 3-934872-94-8
9,90 €

Spiel mir das Lied vom Patpong

von Barbara Keller


"Aus manchen Situationen kann man sich freikaufen. Aus anderen konnte man sich den Weg frei schießen. Aber irgendwo lauerte die Sackgasse." So ungefähr lautet das Credo des gleichnamigen Helden des Romans "Farang", der in voller Länge Surasaka Farang Meier heißt. Sex and Crime Made in Thailand. Das ist, im Groben, der Inhalt des preisgekrönten Buches "Farang", dessen Apotheose in den begleitenden Worten gipfelt: "Ich muss mir alles von der Seele vögeln!"

Farang ist das Ergebnis einer Sommerliaison seiner als Edelprostituierte tätigen Mutter und einem Deutschen. Er selbst arbeitet als bewaffneter Auftragsmuskel, hat zwei außergewöhnliche Freunde: Bobby Quinn. Ein Amerikaner, Vietnamveteran, genannt die "Tunnelratte". Und Kamikaze-Journalist Tony Rojana. Jeden Sonnabend treffen sie sich im "Darling" an der Patpong Road, sehen sich Videos mit Boxkämpfen an und bedienen sich - ob mit oder ohne Kondom - an den im Laden laufenden Prostituierten.

Der Mischlingsthai mit dem ausgesprochenen Hang für Luxus hat einen mächtigen Gönner: den General Wataja. Eine große, nun schon zehn Jahre währende Männerfreundschaft beginnt mit dem entscheidenden ersten Auftrag: Farang soll die untreue, zweite Nebenfrau des Generals aufspüren. Im gefeierten Ergebnis: zwei Leichen und eine wiederhergestellte Ehre. Ein lebenslanges Wohlwollen begründet Farangs Wohlstand.

Als Farang nun seinen deutschen Halbbruder, Peter Meier, aus Leverkusen erwartet, treiben gerade ein chinesischer Kinder- und ein Touristenmörder in Bangkok ihr Unwesen. Aber auch in Pattaya, wohin der lautere Peter Meier weiterreist, ist das Pflaster heiß ...

Soweit könnte "Farang" ein spannender Krimi sein, der etwas mehr über Thailand zu erzählen hat, als jeder gemeine Touristenführer. Wäre da nicht diese aufdringliche, etwas indifferente Omnipräsenz des Themas F. Ob nun die Botschaftsgattin Frau von Rundacker "mit jedem fickt" oder nur Puffmutter ist, der Touristenmörder die Ermordeten von hinten vögelt oder der perverse, chinesische Reismühlenbesitzer, der den Kopf des organisierten Verbrechens an der Ostküste darstellt, ein perverser "Kinderficker" ist - der Humus dieses Buches ist das ganz große F. Nicht als Parodie, Überzeichnung oder Kunstmittel. Sondern auf eine seltsam voyeuristische Art.

So sind zum Beispiel die Kommentare zu Peter Meiers ersten Nacht mit einer käuflichen Thai aus dem Trippermilieu erstaunlich grüne Jungsträume: Nachdem der zu kurz gekommene Sohn aus dem finsteren Europa eine Nacht mit einer Bangkoker Prostituierten verbringt, "wusste er jetzt über die grundlegenden Dinge des Lebens Bescheid", heißt es. Über den "Morgen danach" ist zu lesen: "Hier saßen die Kinder der Liebe vor tropischen Früchten."

Um es kurz zu sagen: ein wenig mehr Distanz zum Gegenstand täte dem Buch gut. - Nix für aufgeklärte Frauen.

"D. B. Blettenberg, 1949 geboren, verbachte einen Großteil seines Lebens in Übersee. Er lebte und arbeitete in Ecudor, Thailand, und Nicaragua und bereiste zahlreiche Länder Europas, Amerikas, Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens. Er wurde mehrfach mit renommierten Thriller-Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Edgar-Wallace-Preis und 2004 bereits zum dritten Mal mit dem Deutschen Krimi-Preis. Für "Farang" wurde Blettenberg ebenfalls mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet." (Pendragon Verlag)



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