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krimirezension ab 2003-2013

 

Maren Schwarz
"Grabeskälte"
Gmeiner August 2004
ISBN: 3-89977-622-4
9,90 €

Sprung von der Göltzschtalbrücke

von Barbara Keller


Kommissar Henning Lüders gehört zu den berüchtigten West-Beamten der ersten Stunde mit Dschungelzuschlag. Aber nicht das Geld zog ihn in den blechernen Osten. Seit seine Frau starb, fühlt er sich nicht mehr wohl in Hamburg. Zehn Jahre arbeitet er noch im sächsischen Auerbach. Dann geht er in Rente. Mit in den verdienten Ruhestand nach Leipzig nimmt er einen ominösen "Selbstmord" und ein gewisses Unbehagen darüber, dass es mit dem Tod einer jungen Krimiautorin namens Cora Birkner nicht mit rechten Dingen zuging.

Cora Birkner ist eine ehrgeizige Krimiautorin. Zu den von ihr bewunderten Sternchen am deutschen Autorenhimmel zählt Petra Hammersfahr. Auf der Leipziger Messe findet sie Gelegenheit, die gestandene Krimiautorin zu erleben. Cora Birkner weiß sich sehr wohl fern von derlei Ruhm. Aber sie hat einen Trumpf in der Hinterhand und: eine Leiche im Keller. Warum nicht die Alpträume und begründeten Ängste in einen Realitykrimi münzen und damit den Durchbruch wagen, denkt sie. Und legt damit auch ihr Leben auf die Waagschale.

Tatsächlich findet sich sehr schnell ein Verlag, der sich bereiterklärt, die grausigen Erinnerungen eines Teenies zu drucken. Doch kurz vor dem großen Ruhm stürzt das hoffnungsvolle Talent Cora Birkner von der berüchtigten Göltzschtalbrücke. Auch wenn Ralph Birkner längst mit seiner Sekretärin ein Verhältnis hat, weil er seine versponnene Frau nicht versteht, er ist dennoch aufrichtig erschüttert. An einen Selbstmord kann er nicht glauben. Und trotzdem seltsamerweise alle Manuskripte Cora Birkners verschwunden sind, sogar die Festplatte des Computers vollkommen gelöscht ist, die Brücken-Anwohnerin Erna Trinks einen markerschütternden Schrei gehört haben will und Cora Birkner schwanger war, legt die Polizei den Fall zu den Akten.

Henning Lüders, nun Kommissar i. R., wohnt neuerdings in Männer-WG bei seinem Freund und Kollegen Rüdiger in Leipzig. Als der ihm von den seltsamen Verlagsmorden berichtet, fällt ihm der angebliche "Selbstmord" Cora Birkners wieder ein. Anstatt den Ruhestand zu genießen, beginnt Henning Lüders zu ermitteln. In Auerbach.

Die Spur führt den Privatermittler älteren Semesters auf Friedhöfe, Schulhöfe und in die raue Vergangenheit Auerbachs. Doch was der Jugendkriminalität oder dem Korruptionsfall eines pädophilen Polizeibeamten entsprungen scheint, nistet in Wahrheit in dem kranken Kopf eines traumatisierten Psychotikers. Fast kommt Henning Lüders diese Erkenntnis zu spät.

Auch wenn "Grabeskälte" etwas behäbig und umständlich beginnt, der Krimi entwickelt sich mit den Dialogen, der Handlung, wird schließlich doch richtig spannend und mündet - zumindest teilweise - feuchten Auges in ein Happy End.



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