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krimirezension ab 2003-2013

 

Henning Mankell
"Wallanders erster Fall"
dtv April 2004
ISBN 3-423-20700-0
10,00 €

Wallanders Vor-Fall

von Barbara Keller


Nein. Kein Ladenhüter. Kein "Mörder ohne Gesicht" zum x-ten. So irritierend der Titel sein mag - "Wallanders erster Fall" ist das fehlende Glied zum Erstauftritt Kurt Wallanders auf der Bühne der Romankommissare im Januar 1990. Was sich ernsthafte Wallander-Fans schon immer fragten - wie ist Kurt geworden, was er in "Mörder ohne Gesicht" darstellt. Ein liebenswerter, wahrheitsliebender, mürrischer Einzelgänger und Single, der seine Arbeit über alles liebt. Das beantwortet "Wallanders erster Fall".

Fünf Erzählungen, die Henning Mankell als Skizzen nach seinem achten Kriminalroman zu Papier brachte, beschreiben Wallanders Weg vom ehrgeizigen Streifenpolizist und hoffnungsvollen Bräutigam zum einsamen Kriminalkommissar mit Bauchansatz. In dessen Lebensmittelpunkt die Arbeit steht und dessen Versuche, sich aus dieser für ihn - eigentlich - nicht annehmbaren Situation zu befreien, bereits im Ansatz stecken bleiben.

Und natürlich: es ist immer Winter, Vorfrühling. Nebel, Nieselregen. Bereits Wallanders - tatsächlich ersten Fall - begleiten widrige Wetterumstände. Kurt Wallander (24) ist hoffnungslos in die Friseuse Mona verliebt. Seine Frau in spe. Noch arbeitet er als "Streifenhörnchen". Seine Rolle als Bluthund bei den Studentenunruhen im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Vietnamkrieg machen ihm zu schaffen. Auf offener Straße wird er von einer Demonstrantin in Zivil erkannt und beschimpft. Wallander ist ambivalent. Eigentlich will er nichts als zur Kriminalpolizei. Da kommt sein Nachbar Artur Hålen auf mysteriöse Weise ums Leben. Angeblich Selbstmord. Streifenpolizist Wallander ist da anderer Meinung.

Mit diesem Ersteinsatz qualifiziert sich Kurt Wallander als Kriminalkommissar. Nur zwei der fünf beschriebenen Kriminalfälle sind Verbrechen aus Berechnung. Schicksalhaft ist nicht nur die Geschichte des Amok laufenden Schwarzen und die eines Racheengels in Gestalt eines eleganten Geschäftsmannes, sondern auch die Verzweiflung eines Pfarrers, der am Sterbebett seiner Gattin erfährt, dass sein Glück auf Sand gebaut war. Kurt Wallander steuert zielsicher auf seine Form zu, die er im Januar 1990 schließlich füllt. Ein Zweifler am Zustand der Welt. Ein ohnmächtiger Guter. Über dessen athletische, wendige Alleingänge in der physischen Auseinandersetzung mit den Gesetzesbrechern man sich doch immer wieder wundert.

Kulminieren die Erzählungen - und, ja, auch Mankells Kriminalromane - in diesen eigentlich verbotenen Alleingängen des Kriminalkommissars mit dem richtigen Gespür, bieten Wallanders familiäre Konflikte besinnliche Pausen. Nicht immer nur zum Atem schöpfen. Da ist von Beginn an die Ablehnung des kauzigen Vaters seinem Sohn Kurt gegenüber. Der künstlerisch ambitionierte Alte lehnt Polizisten in der eigenen Familie ab.

Die Entwicklung Kurt Wallanders hin zum Ebenbild seines Vaters wird immer greifbarer. Auch die Angst des geschiedenen Kripobeamten, zu enden wie sein grilliger Vater. Wallanders Frau Mona wird ihm schließlich verzweifelt den Rücken kehren und zieht nach Stockholm. - Sie erträgt weder die terminlichen Unregelmäßigkeiten seines Jobs noch die Gefahren, in die Kurt Wallander immer wieder gerät.

Henning MankellHenning Mankell (Bild links!) überschreibt seine Romane im Nachhinein mit "Romane über die europäische Unruhe". Die vorliegenden Erzählungen sind nicht minder Zeugen dieser Unruhe nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Sie runden das Bild über den Kriminalkommissar mit Loyalität und Gewissen ab. Und lesen sich wesentlich entspannter, weil man nicht die ganze Nacht durchlesen muss, um dem Fall auf die Schliche zu kommen.



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