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krimirezension ab 2003-2013

 

Edgar Allan Poe
"Das verräterische Herz"/
Grube & Pendel"

Lübbe Audio/WortArt 2003
ISBN 3-7857-1254-5

Romantische Morde

von Barbara Keller


Zerstückelte Leichen unter den Dielen, hastig tötende Psychopathen, blutige Opfer der Inquisition. - Das war die erfolgreiche Rache des Lyrikers E. A. Poe, nicht von seiner schönen Kunst leben zu können. Ganz sicher.

Eigentlich war Edgar Allan Poe (1809-1849) von Hause aus Lyriker. Aber dann - dieses Schicksal teilt der Bostoner mit einigen anderen Literaten - schrieb er aus finanziellen Gründen Prosa. Poe wählte seiner Zeit und seinem Temperament gemäß das Fach "Schauergeschichte". (Sage noch einmal jemand, die Romantiker seien betuliche Sternegucker gewesen.)

Darin wurde er - sicher nach dem deutschen "Gespenster-Hoffmann" (E. T. A. Hoffmann) - Meister. Mit seinem "Doppelmord in der Rue Morgue" half Poe der modernen Kriminalliteratur auf den Weg. Und wurde noch Zeit seines kurzen Lebens ein erfolgreicher Prosaautor.

Schauspieler Serda Somuncu liest auf der vorliegenden CD zwei ausgewählte Erzählungen des Amerikaners. Ein historisches Gruselstück aus der Zeit der spanischen Inquisition (15. Jh.) und ein "Psychostück".

In Letzterem ist der Ich-Erzähler von einem Verfolgungswahn besessen, fühlt sich aber im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. (Also ein wirklich ernster Fall.) Ausgerechnet der eigentlich sympathische Alte von nebenan - der mit dem kranken, trüben Auge - muss dran glauben. Denn von dessen starrendem Adler-Auge fühlt sich der Verfolgte bedroht. Vielleicht hofft der allmählich entgleisende Erzähler, seine Angst mit dem Herzschlag des Alten zum Schweigen bringen zu können. Dann kommt es allerdings anders. Die Rückschau des geistig in die Irre gegangenen gerät in seiner Absicht, sich als der eigentlich Gesunde zu erklären, zum Fiasko.

Die zweite Erzählung enthüllt erst ganz zuletzt, dass der Eingekerkerte und perfide Gequälte Opfer der Inquisition ist. Zunächst ist man sich - vorgewarnt durch die vorausgegangene Erzählung - nicht ganz sicher, nun nicht vollends in den Wahnvorstellungen eines Unglücklichen gelandet zu sein. Doch dann ... Vieles erinnert in diesen Schilderungen an Franz Kafka. Das Ausgeliefertsein, Vage, Ungewisse, verwirrt Existenzielle. Oder sollte es besser heißen: ... erinnert bei Kafka an Poe?

Die Poe'schen Erzählungen - beides Monologe eines Gequälten - werden überzeugend von Serdar Somuncu (*1968, Istanbul) gelesen. Die elektronische Musik bildet hierzu die geglückte Entsprechung. Das Verrückte, Abseitige scheint passender Weise ganz Somuncus Fach zu sein. Der Leiter des Neusser Kammerensembles erhielt 1990 für die Darstellung des Affen Rotpeter in Kafkas "Bericht für einen Akademiker" den 1. Deutschen Literatur Theaterpreis und für "Bukowski-Blues" (1993 aufgeführt in einem Kölner Bordell) den Nachwuchsförderpreis.


Schauspieler  Serda SomuncuSeit 1996 tourt Serda Somuncu, dem es auch Goebbels abartige Reden angetan haben, mit Adolf Hitlers "Mein Kampf" durch Europa, den er u. a. in Sachsenhausen bei Berlin vor ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers las. In diesem November endet seine provokante Tournee.



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