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krimirezension ab 2003-2013

 

Norbert Klugmann
"Rebenblut"
Gmeiner Verlag 2004
ISBN 3-89977-613-5
9,90 €

Wellness-Morde

von Barbara Keller


Ossi Rico Benedikt, einer der letzten DDR-Flüchtlinge über die Ungarngrenze vor dem Mauerfall 1989, jetzt Kleinkrimineller aus der Hamburger Reeperbahnszene, trifft seinen Meister. Den Marchese. Gerade geht der große Genießer seinen eigenen Geschäften nach. In einem Fünfsterne-Hotel wird es eine Weinversteigerung geben, an der der Marchese teilnimmt. Da beobachtet er den sympathischen Looser Rikki, der sich mit Hilfe eines groben Pflastersteins wertvoller, teurer Weinflaschen bemächtigt. Den Marchese dauert das Bürschlein. Er hilft ihm, die Beute aus der Gefahrenzone zu bringen.

Die Wege der Beiden werden sich in der Folge - zufällig - immer wieder kreuzen. Der Marchese gewinnt den unbeholfenen Rikki gern. Er versucht ihn zum Kompagnon seiner Gaunereien auf höchstem Niveau zu machen. Doch der Plan misslingt. Rikki erweist sich als schier resistent gegen seine Art von Edelverbrechen. Es dauert nicht lange, und der Marchese steckt bis an den Hals in Schwierigkeiten, die mit Rikki, der Kripo und der Hamburger Reeperbahnmafia verbunden sind.

Während der Marchese mit der Kripo - in Gestalt der Limburger Hauptkommissarin Christa Kaja - mehr als gut fertig wird, fordert die Hamburger Mafia bald seinen Kopf und seine ganze Fantasie nebst Verbindungen, um selbigen zu retten. Die Limburger Polizeibeamtin, eine unförmige, plumpe Person, die es sich angelegen sein lässt - denn sie ist auch nur eine Frau - das Verhör mit dem Hauptverdächtigen in die Sauna zu verlegen, beleidigt in jedem Punkt ihrer Seinsweise den verfeinerten Geschmack des Marchese. Und dennoch ... das Trampel mit Charme hinterlässt seine Wirkung.

Am Ende zählt der Kriminalroman vier Verblichene. Es bleibt ein ungleiches Paar in Turtelstellung und ein Bedauern über die verdorbenen Zukunftschancen des Ex-Ossis Rikki.

Norbert Klugmann (1951) eröffnet mit "Rebenblut" eine neue Krimi-Reihe des Gmeiner-Verlages, in deren Zentrum der Wein und das Verbrechen in Deutschlands strengen Nordgefilden stehen. Die Idee des vorliegenden Romans ist gut. Geschmacksverfeinerter Genießer trifft auf glücklosen Neandertaler. Die Unberechenbarkeit des Letzteren zieht den Gauner de Lux mit in den Strudel der Verhängnisse. Aber - um im Ton des Buches zu bleiben - der Wein scheint zu jung. Großer Stoff, klein ausgeführt. Fragen bleiben offen, einige Übergänge ungeschrieben. Die Kurve ins Finale ist scharf, die Zielgerade kurz. Eine Hauptkommissarin wie Christa Kaja scheint unklar, unglaubwürdig.

Norbert KlugmannAber: die Raffinessen in Bezug auf beschriebene Weinkultur, Weingenuss und dem dazugehörigen Drumherum - die spezielle Qualität des Kriminalromans - bleiben ja nur Weinabstinenten verschlossen. Weinfreunde und kulinarische Genießer dürften sich die höheren Weihen des der Rebenfrucht verfallenen Marchese erschließen und Aspekte beibringen, die obige Mängel sicher wieder wettmachen.
(beglaubigte Weinkenner bezeugen: für sie war Norbert Klugmanns - Bild links! - Krimi ein Genuss!)



der MöhrenkillerNorbert Klugmann: Rebenblut
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